Fotostrecke: Haus der Kunst
Kramlich Residence Meisterbau für Meisterwerke
Die Kramlichs haben viel Geld. Weil sie viel Geld haben, haben sie viel Kunst. Weil sie viel Kunst haben, brauchten sie ein neues Haus. Das alte, ein Townhouse in San Francisco war mit den Jahren zu klein geworden für die Sammlung des Investors Richard Kramlich und seiner Frau Pamela, einer Kunsthistorikerin. Seit den Achtzigern sammelt das Paar hauptsächlich Medienkunst: Peter Fischli und David Weiss , Marina Abramovic, Matthew Barney, Bruce Naumann oder Valie Export, die weltweit wichtigsten (Medien-)Künstler sind in der rund 200 Werke großen Sammlung vertreten.
Um die angemessen ausstellen zu können, beauftragten die Kramlichs das Architektenduo Herzog & de Meuron (Tate Modern, Elbphilharmonie) 1999 mit einem dreistöckigen Wochenendhaus im kalifonischen Napa Valley. 2017 war es fertig.
Ein nun im Verlag Hatje Cantz erschienener Sammelband beleuchtet die unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven aus dem 18 Jahre währenden Bauprojekt, das zwischenzeitlich vor dem Aus stand, weil die Kosten aus dem Ruder liefen. "Wir hatten keine Ahnung, ob sie bei 10 oder 200 Millionen Dollar liegen würden", sagte Pamela Kramlich kürzlich der "New York Times". Am Ende lagen sie irgendwo dazwischen. Genauer wollten es die Kramlichs nicht in der Zeitung lesen.
Für sein Geld bekam das Sammlerpaar einen Kunstbau der Superlative: Er setzt sich zusammen aus drei Elementen, die zueinander in Kontrast stehen: Das Dach aus Aluminium, unterirdische Ausstellungsräume und als verbindendes Element dazwischen ein gläserner Pavillon, der Wohnraum. Das amorphe Gebilde ist inspiriert von der Hingabe der Kramlichs an die Kunst: "Eine bewohnbare Medieninstallation, maßgeschneidert auf die täglichen Bedürfnisse von Pam und Dick Kramlich", nennen es die Architekten in ihrer Projektskizze.
Fotostrecke: Haus der Kunst
Die Idee mit den Glaswänden, auf die Kunst projiziert wird, stand von Anfang an. Der Grundriss sollte rechteckig sein. Doch die Grenzen zwischen Drinnen und Draußen ließen sich besser auflösen mit Wänden, die sich über den Baugrund schlängeln. Zweimal kreuzen sich die Glaswände. So entstanden die einzelnen Räume.
Das Wohnzimmer nimmt am meisten Platz ein. In den restlichen Kammern sind Schlafzimmer, Gästezimmer und eine Bibliothek untergebracht. Das Bad hat als einziger Raum keine transparenten Wände. Es wird umschlossen von zwei tragenden Wänden.
Da das Raumkonzept praktisch von innen nach außen entwickelt wurde, fiel den Architekten zunächst nicht auf, dass ihr Gebäude von oben betrachtet die Umrisse eines Fischs hatte. Stattdessen schwebte ihnen aber ein Bau vor, der keine klaren Umrisse besitzt. Die einzige Möglichkeit dafür sahen sie in einem weit auskragenden Flachdach. Darunter würde die Struktur wieder zu einzelnen geschwungenen Elementen zerfallen: mal außen, mal innen, mal Fassade, mal Wand.
Das Dach hat seine eigene Architektur, sowohl was die Statik anbelangt als auch das Material und die Konstruktion. Ein Ausschnitt schaffte Raum für eine Dachterrasse. Von hier schraubt sich eine Wendeltreppe bis in die unterirdischen Ausstellungsräume. Sie sind ein düsteres Labyrinth, in dem Schatten und dichte Texturen dominieren. "Es ist eine Dunkelkammer, die nur durch die Videoprojektionen auf den Wänden zum Leben erweckt wird", schreiben die Architekten.
Kramlich Residence and Collection (Zeitgenössische Kunst)
Nicholas OlsbergSelbst die Tiefgarage dient als Vorführraum. Auf einer 14 Meter langen Wand läuft dort Gary Hills Videopanorama "Viewer". Es zeigt 17 lebensgroße Männer nebeneinanderstehend. Sie sind gewissermaßen das Empfangskomitee. An ihnen muss jeder vorbei, der zu den Kramlichs möchte.
Damit die einzelnen Kunstwerke optimal präsentiert werden können, tüftelten deutsche Architekten und Ingenieure an einer Lösung, die die Räume akustisch vollkommen isoliert. Die Kramlich Residence bietet hier Voraussetzungen, die sich Museen meist nicht leisten können. So rein sind die Sinneseindrücke, dass Richard Mosse, dessen Film "The Enclave" dort auf sechs Bildschirmen gezeigt wird, vollkommen neu wahrnahm. "Mir fiel zum ersten Mal auf, wie verdammt laut es ist", sagte der Künstler der "New York Times" .
Letzten Endes haben sich die 18 Jahre Wartezeit also gelohnt für die Kramlichs, denn genau das wollten sie ja: Ein Haus, in dem ihre Kunstsammlung besonders zur Geltung kommt.