Design-Ausstellung "Making Africa" Die Avantgarde von Afrika
Es sind die üblichen Kalaschnikows, aber nicht das übliche Bild. Die Kolben sind zu einer Lehne aufgetürmt, die Läufe zu einer Sitzfläche verlötet. Man denkt an Warlords und Kindersoldaten. Goncalo Mabunda hat gleich eine ganze Serie solcher Waffenthrone hergestellt, aus Gewehren, Pistolen und Raketenwerfern.
Er kommt aus dem südostafrikanischen Mosambik. 15 Jahre Bürgerkrieg haben das Land, seine Einwohner und auch seine Kunst geprägt. Auf diesem Stuhl möchte kein Zivilist sitzen, angucken ist eindringlich genug. Dazu lädt nun das Vitra Design Museum in Weil am Rhein ein, in seiner beeindruckenden Schau "Making Africa ".
Gemeinsam mit dem Guggenheim Museum in Bilbao ist eine Ausstellung über zeitgenössisches afrikanisches Design entstanden, kuratiert von Amelie Klein, die die Werke von über hundert Künstlern vorstellt, einordnet und erklärt.
Eine Karte des Künstlers Nikolaj Cyon kann als Entree dienen: Sie zeigt den afrikanischen Kontinent ganz im Stil historischer Kartografie. Einige Namen klingen bekannt: Kongo oder Darfur. Andere sind völlig fremd: Ugogo oder Bangala. Ein Blick auf die Legende klärt auf. Die Karte ist von 1844, aber nur scheinbar.
Denn Cyon betreibt Geschichtsklitterung: Er zeichnet, wie Afrikas politische Geografie zu verschiedenen Zeiten während der letzten 200 Jahre hätte aussehen können, wären nicht die Europäer als Kolonialherren auf die afrikanische Bühne getreten. Staaten tragen Stammesnamen, die von den Europäern verschoben, ausgelöscht und ersetzt wurden.
Blick in die Zukunft Afrikas
Auch der Einfluss globaler Moden scheint in "Making Africa" auf. Zum Beispiel dann, wenn es um die Kleidung der urbanen Jugend geht. Auf einigen Fotos tragen junge Männer Hemd, Hosenträger, Hipsterbrille.
Einige Designer kombinieren den westlichen Stil mit traditionellen Elementen, etwa mit knallbunten Baumwolltüchern, die in ihrem gewachsten Glanz jedes klassisch geschnittene Herrensakko verzieren können.
Einige der Illustratoren, Zeichner und Fotografen werfen in ihrer Kunst auch einen Blick in die Zukunft ihres Heimatkontinents. Olalekan Jeyifous stellt sich in seiner Serie "Africa 2081 A.D. ", die er für das Modelabel Ikire Jones entworfen hat, ganz konkret vor, wie afrikanische Großstädte in einem halben Jahrhundert aussehen könnten.
Schneidige Autos mit Breitreifen schleichen über staubige Straßen. Die Menschen tragen Anzug oder bunte Gewänder, die sie umstandslos mit Ray-Ban-Brillen kombinieren. Am Himmel stehen Flugzeuge und Drohnen, zum Schutz oder als Gefahr - wer weiß das schon. Die Technik kommt, der Müll bleibt, doch die Bewohner des afrikanischen Kontinents sind auf Jeyifous' Arbeiten vor allem dreierlei: schön, stolz und elegant - wie so viele Kunstwerke der neuen Ausstellung.
"Making Africa. A Continent of Contemporary Design": Vitra Design Museum , Weil am Rhein. Noch bis zum 13. September 2015