Katholische Ikonografie in der Mode: Göttliche Eingebung
Gala im New Yorker Metropolitan Museum Die schönsten Modesünden
Seit 70 Jahren, immer am ersten Montag im Mai, findet im New Yorker Metropolitan Museum of Art "der Superbowl der Mode" statt. So bezeichnete der ehemalige Kreativdirektor der US-"Vogue", André Leon Talley, einmal die jährliche Benefizgala für die Kostümabteilung des Hauses. Talley muss es wissen. Zum einen, weil er regelmäßig gebucht wird, um Outfits zu begutachten und Stars zu bauchpinseln ("Gorgeous!", "Wow!" oder, eher bizarr, "Chinese China China China! "). Außerdem ist Talley, 68, ein Mode-Urgestein und langjähriger Weggefährte der Gastgeberin: Anna Wintour.
Die "Vogue"-Chefredakteurin organisiert die Spendensause seit 1999 und hat seitdem mehr als 172 Millionen Dollar gesammelt. Ein Segen für den einzigen Museumsbereich im kriselnden Museum, der sich selbst finanzieren muss - und zum Dank 2014 in Anna Wintour Costume Center umbenannt wurde.
Für einen Ticketpreis von 30.000 Dollar muss natürlich mehr drin sein als ein Gang über den roten Teppich und am Kritikerstuhl von André Leon Talley vorbei. Deshalb darf die milliardenschwere Runde aus Oscar-Gewinnern, Designern, Popstars und Wallstreet-Größen zwischen Cocktailempfang, Abendessen (Hummer garniert mit Blattgold) und Party die Jahresausstellung eröffnen.
Nach Themen wie "Punk: Chaos to Couture", "China: Through the Looking Glass" (bis heute die am meisten besuchte Mode-Ausstellung im Met), "Manus x Machina: Fashion in an Age of Technology", und einer Rei-Kawakubo-Retrospektive im vergangenen Jahr holte sich der Kurator, Andrew Bolton, für 2018 kirchlichen Beistand. "Heavenly Bodies: Fashion and the Catholic Imagination" untersucht, wie kirchliche Ikonografie seit Jahrzehnten das Modedesign inspiriert.
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Dass in der Ausstellung nur drei Modemacher vertreten sind, die nicht aus Europa oder den USA stammen, was im Vorfeld kritisiert wurde, erklärte Bolton mit der meist katholischen Erziehung westlicher Designer. Coco Chanel beispielsweise wurde als Kind von Nonnen unterrichtet. Immerhin ist Guo Pei in "Heavenly Bodies" vertreten. Die Chinesin schneiderte Rihannas goldenes Kleid, das 2015 der Hingucker war.
Gezeigt werden insgesamt 150 Entwürfe von Elsa Schiaparelli, Cristóbal Balenciaga, Christian Lacroix, Coco Chanel, Jeanne Lanvin oder Jean Paul Gaultier. Am deutlichsten sind die christlichen Anleihen bei den Italienern. Gianni Versace schmückte goldene Paillettenkleider mit Kreuzen, und Domenico Dolce und Stefano Gabbana lieben ohnehin sakralen Kitsch. Von Valentino kommt ein Dress, das Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli mit einer Szene aus der Schöpfungsgeschichte (Der Sündenfall) verzierten.
Katholische Ikonografie in der Mode: Göttliche Eingebung
Den profanen Stoffen stehen liturgische Gewänder aus 15 Papstschaften gegenüber. Doch bis die Kirche ihren Segen und rund 40 Exponate gab, musste Bolton mehrere Male in den Vatikan reisen. Bis zum Papst gelangte das Ansinnen allerdings nicht, womöglich hätte der ja sogar anders entschieden - immerhin steht die Veranstaltung mit ihrem Protz und Prunk für so ziemlich alles, was Franziskus verabscheut. Laut "New York Times" war Georg Gänswein als Präfekt des Päpstlichen Hauses mit der Wunschliste beschäftigt.
Milliardenschwerer Sponsor ohne Einfluss
Das meiste, was ab dem 10. Mai in New York zu sehen ist, hat den Vatikan nie zuvor verlassen. Zum Beispiel eine mit 18.000 Diamanten besetzte Tiara von Pius IX ("Ein ziemlicher Dandy", so Bolton), ein goldbestickter Mantel aus weißer Seide von Benedikt XV, oder die roten Kalbslederschuhe von Johannes Paul II. Gezeigt werden die Kirchenleihgaben nicht nur in der Modeabteilung, sondern auch in der Mittelaltergalerie und in den Cloisters, eine aus Architekturfragmenten meist französischer Klöster erbaute Met-Zweigstelle im Norden Manhattans. Das macht die Ausstellung zur bislang größten der Reihe.
Bezahlen sollte das eigentlich Donatella Versace, die von Anna Wintour als Sponsorin angefragt wurde. Die Designerin konnte oder wollte sich das aber nicht leisten und verwies an Stephen Schwarzman. Der zwölfeinhalbfache Milliardär ist seit 2014 Minderheitsgesellschafter von Versace - und inzwischen so bekannt dafür, großzügig zu sein wenn es Publicity gibt, dass die "New York Times" ein Porträt überschrieb mit "The Man Who Bought New York". Fünf Millionen Dollar hat ihn seit Met-Investment demnach gekostet, weniger als ein Prozent seines Jahreseinkommens 2017.
Die Namen von Bibliotheken und Universitätsgebäuden mag sich der Blackstone-Gründer kaufen können, aber keine Mitsprache bei der rund 600 Personen langen Gästeliste. Über die wachen Anna Wintour und ihr 85-köpfiger Stab. Wer nicht ins Konzept passt, kommt nicht rein, egal wie berühmt oder reich er ist. Selbst dann nicht, wenn er US-Präsident ist. In der "Late Late Show" von James Corden gefragt, wer auf keinen Fall wiederkommen dürfte, antwortete die Gastgeberin wie aus der Pistole geschossen: "Donald Trump!"
2004 war Trump noch willkommen, und machte seiner Melania hier einen Antrag. Das dürfte aber nicht der Grund sein, warum Trump inzwischen zum President non grata erklärt wurde. Der Mann hat einfach keinen Stil mehr.