Michael Bierut: Der Mann, der alles gut aussehen lässt - DER SPIEGEL
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Pentagram-Partner: König der Verpackungen

Foto: Michael Bierut/ Niggli/ Foto: Pentagram

Grafikdesigner Michael Bierut Der Mann, der alles gut aussehen lässt

Er hat das Logo für Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton entworfen, für das MoMA designt und die Fassade der "New York Times" gestaltet. In seinem neuen Buch gibt der New Yorker Grafikdesigner Michael Bierut Einblicke in 35 Schaffensjahre.
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Zur Person
Foto: Jake Chessum

Michael Bierut wurde 1957 im US-Bundesstaat Ohio geboren. Er studierte grafische Gestaltung am College of Design, Architecture and Art an der University of Cincinnati. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet Bierut bei dem New Yorker Design-Unternehmen Pentagram.

Michael Bierut mag Rituale. Jeden Morgen steht der New Yorker um 5.30 Uhr auf, joggt drei Meilen am Hudson River entlang und zieht sich später an, was er sich bereits am Abend zuvor zurecht gelegt hat. Dann fährt er mit der Subway zur Grand Central Station, holt sich einen Kaffee und geht zur Arbeit. Bierut braucht zumindest ein bisschen Ordnung im Tag, denn sein Job erlaubt keine Routine, er verlangt ihm täglich neue Ideen ab.

Bierut arbeitet seit 25 Jahren als Partner bei Pentagram, einer der bekanntesten Designfirmen der Welt. Er hat das Musikmagazin "Billboard" umgestaltet, für die Fluglinie United Airlines designt und für das Museum of Modern Art und das Einkaufszentrum Saks Fith Avenue Designs entworfen. Und vor einer Weile rief US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bei ihm an und bat, ihr beim Design ihrer Wahlkampf-Kampagne zu helfen. Bierut entwarf für sie ein blaues H mit einem Pfeil in der Mitte.

Michael Bierut ist ein Mann, der in Zeitungsartikeln aus den vergangenen Jahren kaum auftaucht. Es gibt keine Porträts über ihn, kaum Interviews, meist nur Statements von ihm. Aber diese Statements sagen viel über seinen Ruf aus. Journalisten fragen ihn danach, was er über Logos von Werbekampagnen denkt oder Plakate, Schilder und Bumper Sticker von Präsidentschaftskandidaten. John McCains Logos kommentierte er 2008 etwa mit den Worten, "zu militaristisch, ohne Subtilität".

Und wenn man Bierut am Telefon fragt, wie er Obamas Werbekampagne von 2008 findet, dann sagt er mit ruhiger und direkter Stimme: "Alle Schilder haben Vertrauen und Sicherheit ausgestrahlt, vielleicht weil sie alle konsequent gestaltet waren, auf allen Werbeträgern wurde die Schriftart Gotham verwendet." In den Artikeln, in denen Bierut erwähnt wird, bezeichnen ihn Journalisten als "berühmten Designer" oder "Designguru".

Und wer dann noch nach den "most famous" Designern googelt, der findet Bieruts Namen neben denen von Paul Rand (der im Jahr 1962 das Logo des US-Fernsehsenders abc entworfen hat), Milton Glaser (der das "I Love New York"-Zeichen mit dem roten Herzen in der Mitte gestaltet hat und die Eröffnungssequenz der US-Erfolsserie "Mad Men") oder Massimo Vignelli (der 1972 den New Yorker U-Bahn-Plan neu gestaltet hat).

In Michael Bieruts Buch, das gerade erschienen ist und den irrsinnig langen und simplen Titel "Wie man als Grafikdesigner Produkte erfolgreicher verkauft, Dinge besser erklärt, Sachen schöner macht, Leute zum Lachen bringt (oder zum Weinen) - und manchmal sogar die Welt verbessert" trägt, lässt der Designer den Leser in 35 Schaffensjahre blicken.

Und dieses Schaffen begann an einem Samstag Anfang der Sechzigerjahre als Michael Bierut mit seinem Vater auf dem Weg zum Friseur war. Die beiden hielten an einer Ampel, als der Vater den Sohn auf einen Gabelstapler der Firma Clark aufmerksam machte. Vielmehr noch wies er ihn auf das L hin, denn im Logo hievte es das A nach oben.

"Ist das nicht lustig?", fragte der Vater. Das L mache mit dem A genau das, was ein Gabelstapler mit schweren Sachen mache. Für Michel Bierut, der damals fünf oder sechs Jahre alt war, war das eine Offenbarung. Der Junge war perplex und begeistert zugleich. "Wie viel mehr solcher geheimen Zeichen gab es noch? Waren diese Wunder überall versteckt? Und wer ließ sie sich einfallen?", wollte er wissen.

"Unsere Währung ist die hässlichste der Welt"

Bierut sagt, er könne sich nicht daran erinnern, jemals etwas anderes habe werden zu wollen als Grafikdesigner. In der Schule zeichnete er viel und entwarf Plakate für die Theateraufführungen. Der unsportliche und schüchterne Junge erhielt erstmals Anerkennung - und sein Talent half ihm sogar dabei, nicht verprügelt zu werden, weil er den Rowdys anbot, ihnen Bier- oder Heavy-Metal-Logos zu zeichnen.

Um gute Arbeit zu machen, sagt er, müsse man interessiert sein und sich begeistern können. "Meine Aufträge sind nicht nur ein Job, sie sind etwas, in das man tief eintauchen und in der Geschichte eines Unternehmens graben muss." Michael Bierut gehört zu den Werbemachern New Yorks, zu den Mad Men, obgleich sich die Mitarbeiter bei Pentagram nicht während der Arbeitszeit betrinken und es keine Büros mit Sofas gibt. Das einzige, was Bierut immer wieder auffällt, wie er sagt, sind die gut aussehenden Kollegen bei Pentagram.

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Michael Bierut:
Wie man als Grafikdesigner Produkte erfolgreicher verkauft, Dinge besser erklärt, Sachen schöner macht, Leute zum Lachen bringt (oder zum Weinen) - und manchmal sogar die Welt verbessert

niggli Verlag;
320 Seiten; 49,90 Euro

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Michael Bierut weiß aber auch, welche Aufträge er ablehnen würde. Er täte sich zum Beispiel schwer damit, für republikanische Politiker Werbekampagnen zu gestalten. "Da ist man ja dann umgeben von diesen Leuten." Auch für Pistolen oder Gewehre würde er keine Designs entwerfen, weil er Waffen nicht glorifizieren will.

Wenn sich Bierut einen Auftrag aussuchen könnte, dann würde er sich die US-Dollars vornehmen und sie komplett umgestalten - sogar wenn dies unter Donald Trump geschehen müsste. "Unsere Währung ist die hässlichste der Welt", sagt er. Der Euro hingegen und viele afrikanische Währungen seien brillant gestaltet, "pures grafisches Design".

Für seine Entwürfe verwendet Bierut meist den serifenlosen Schrifttyp Helvetica, der im gleichen Jahr entstanden ist, in dem der Designer geboren wurde: 1957. Bierut sagt, Helvetica sei die perfekte Schrift, weil sie so neutral sei, so ultimativ. Sie strahle Macht aus und man könne sie für alles einsetzen: Für Schilder in Krankenhäusern, Schulen oder Flughäfen.

American Airlines verwendet Helvetica ebenso wie die Modekette American Apparel. "Das sind völlig unterschiedliche Unternehmen, die beide das Wort 'American' beinhalten - und dennoch funktioniert die Schrift für beide", sagt Bierut. Das Einzige, was er nicht mag an der Schrift sind die eckigen Punkte. "Runde Punkte sind besser, weil man in ihnen leicht das Zentrum verorten kann - bei eckigen Punkten sei das nicht so", sagt Bierut.

Auch der Titel seines Buches ist in Helvetica gesetzt. Nur sind hier die Punkte rund.