Möbelmesse Mailand: Das sind die besten Entdeckungen - DER SPIEGEL
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Möbelmesse Mailand: Das sind die Highlights

Foto: Zanotta

Möbelmesse Mailand Ikea für Ästheten

Der Salone del Mobile in Mailand gilt als größte und wichtigste Möbelmesse weltweit. Alle tonangebenden Firmen stellen hier ihre neuesten Kreationen vor. Wir zeigen Ihnen die Highlights.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jedes Jahr im April herrscht in Mailand eine Woche lang Ausnahmezustand. Zum Salone del Mobile, der weltweit größten und wichtigsten Möbelmesse, kommen jedes Jahr rund 350.000 Fachbesucher aus aller Welt in die lombardische Millionenstadt. Hotelpreise steigen dann ins Unverschämte, die Infrastruktur kommt beinahe zum Erliegen.

Highlights

Doch Experten und Liebhaber edler Formen nehmen das in Kauf - wo sonst ballt sich so viel Schönheit? Zu den Highlights gehört in diesem Jahr sicherlich die brandneue "Ottoman"-Serie mit leichten Sofas, Sesseln und Hockern des Amsterdamer Designerduos Scholten & Baijings. Dafür setzen Carole Baijings und Stefan Scholten auf einfache Formen und ihr so subtiles wie elegantes Farb- und Materialkonzept. Ihre Handschrift bleibt dennoch sofort erkennbar. Großartig ist auch die Neuauflage des Tisches "Fenice" von Piero Bottoni bei Zanotta. Ursprünglich war Bottonis Tisch 1936 in Beton für die Villa Muggia in Imola entworfen worden. Als die Villa im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, blieb einzig der Tisch stehen. Ursprünglich gab es den Tisch nur aus zwei verschiedenen Hölzern - und als vier Meter lange Beton-Skulptur 1951 für die Mailänder Triennale. Zanottas Neuauflage ist aus Polimex-Kunststoff mit einer betongrauen Oberfläche.

Lowlights

Ohrenbackensessel in quietschbunten Farben setzen sich hoffentlich nicht durch. Völlig unproportionierte Sessel in Knallgelb oder mit Baldachinen, die an Kinderwagenverdecke erinnern, wirken hässlich und wenig einladend. Bei Diesel Living findet sich ein blaues Exemplar auf spitz zulaufenden Holzbeinen, das an Cocktailsessel aus den Fünfzigern erinnern soll. Schön ist was anderes.

Übertrieben hat es auch Tord Boontje mit seiner "Shadow+Sunny Collection": Die Outdoor-Serie besteht aus drei Stühlen, deren jeweilige hohe Rückenlehnen sich schwungvoll als Volute nach vorn oder bei der kleinen Version auch nach hinten kringeln.

Kartell-Designer Alessandro Mendini hat mit seinem Plastik-Hocker "Roy" ebenfalls danebengegriffen. Er habe einen "Chinese-style stool" in der Tradition der Keramik-Stühle gemacht und ihn dann wegen seiner Punkte nach Roy Lichtenstein benannt, sagt Medini. Der ziemlich profane Hocker erinnert allerdings eher an eine durchsichtige Tonne.

Davon sehen wir demnächst mehr

Viele junge Designer begegnen dem Problem der steigenden Mieten und kleinen Wohnungen mit variablen Möbeln, die schön und auch bezahlbar sind. Der Düsseldorfer Hersteller Zinnobergruen zeigt in Mailand eine modulare Kompaktküche, die sich nach Gebrauch in ein elegant schwebendes Sideboard verwandelt. Thut Möbel macht ebenfalls vielseitige Einrichtungsgegenstände. Die Schweizer produzieren wandelbare Möbel und Faltwände in modernen Farben. Im Programm ist auch ein Dreh-Klapp-Tisch, der je nach Bedarf zwei bis acht Personen Platz bietet.

Natürlich geht der Trend zu neuen leichten Kunststoff-Materialien und zu 3D-Prints auch am Design nicht vorbei und wird schon von etlichen Herstellern für Möbel eingesetzt. Die Firma Astep setzt auf das Thema Nachhaltigkeit. Die Lampe "Candela" leuchtet bis zu sechs Stunden durch eigene Stromproduktion. Dazu verwandelt sie Bioethanol zuerst in Hitze und dann in LED-Licht.

Das sehen wir bald nicht mehr

Zu den Ideen mit kurzer Haltbarkeit gehört höchstwahrscheinlich die Annäherung an den asiatischen und den arabischen Markt durch Zitate und Referenzen. So gesehen zum Beispiel bei Konstantin Grcic und seiner von der Ming-Dynastie inspirierten Sitzmöbel-Serie "Mings". Auch Frederikson Stallards hoher "Camouflage"-Sessel mit niedrigem Tisch aus floral gestanztem Aluminium sieht aus, als ob er vor allem arabische Gärten schmücken soll.

Viele der Entwürfe von tonangebenden Firmen wie Boffi, Cappellini, Cassina, Driade, Moroso oder Vitra fallen auch in diesem Jahr groß aus. Neu ist das nicht. Auch der minimalistisch cleane, freistehende Küchenblock ist geblieben. Genauso wie riesige Sitzlandschaften, die inzwischen im Repertoire jedes wichtigen Herstellers zu finden sind. Dabei werden die Wohnungen doch eher kleiner.

Was sonst noch los war

Pekuniäres, am besten gepaart mit Erfolg und Ruhm, ist nachts ein beliebtes Thema in der angesagten Bar Basso. Da verrät ein bekannter Desiger, der seinen Namen lieber nicht lesen will, dass "Antonio Citterio der reichste Designer unter uns ist", und zwar "allein durch Fleiß".

Wenn allerdings Fleiß reicht, wird Patricia Urquiola ihn bald vom Thron stürzen, denn an ihren Entwürfen kommt niemand auf der Messe vorbei. Zusätzlich agiert sie auch als neue Artdirektorin bei Cassina.

Der spanische Designer Jaime Hayon ist verbindlich geworden - oder man hat sich an seinen ironischen Witz wie bei seinem neuen Stuhl "Milà" gewöhnt.

Wer sein Geld bisher als Goldbarren im Safe bunkert, findet bei Knoll eine Alternative: Er kann seinen Reichtum vorzeigen und sogar benutzen, und zwar in Form von Sessel, Stuhl oder Tisch aus der Platner Collection, die Knoll zum 50. Geburtstag des Entwurfs mit einer 18-Karat-Goldauflage versehen hat. Wem's gefällt.

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