"Murphy House" in Edinburgh: Richard Murphys Transformer-Haus - DER SPIEGEL
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Tüftlertraum in Edinburgh: Ein Haus für Daniel Düsentrieb

Foto: Keith Hunter/ Richard Murphy Architects

"Murphy House" in Edinburgh Das Transformer-Gebäude

Wände lassen sich öffnen, Decken verschieben und der Briefkasten wird durch ein Geheimfach geleert. Der Architekt Richard Murphy hat einen bewohnbaren Zauberwürfel gebaut. Ein Traum für Ingenieure, Fantasten und das Kind in uns.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Ich denke, ich habe meine Berufung als Wohnwagen-Designer verpasst", sagte Richard Murphy dem Journalisten vom britischen "Guardian", als dieser ihn in seinem Haus in Edinburgh besuchte. Kurz zuvor war Murphys Zuhause vom Royal Institute of British Architects zum "Haus des Jahres" 2016 gekürt  worden: ein Ingenieurstraum mit verschiebbaren Türen und Wänden, Ausgucken und Durchreichen.

Zum Beispiel kann Richard Murphy im oberen seiner insgesamt drei Schlafzimmer per Knopfdruck den Fußboden öffnen. Er klappt dann hoch und lässt Licht in das darunter liegende Wohnzimmer. Wenn er auf die Straße schauen will, drückt Murphy die Zimmerecke einfach wie einen Fensterladen nach außen, dazu genügen wenige Handgriffe. Die schönste Aussicht hat der Hausherr aber wohl nach oben: kleine Dachfenster rahmen den schottischen Himmel.

Im gesamten Haus hat Murphy solche Schiebewände und Klappen verbaut, teilweise lassen sich auch die Sockelleisten zur Seite fahren. So kann er ein sehr offenes, lichtdurchflutetes Haus bewohnen, oder er macht die Schotten dicht und hat dann eine gemütliche Hütte mit kleinen Räumen - je nachdem, wie das Wetter ist.

Im Erdgeschoss hat der Architekt noch mehr architektonische Tricks untergebracht: Durch ein Geheimfach kann er von der Treppe aus den Briefkasten leeren. Der dadurch gesparte Weg ist zwar nicht weiter der Rede wert, aber der 60-Jährige mag derlei Spielereien. Bis er alle geplant hatte, vergingen zehn Jahre. So lange saß er an den Entwürfen für sein Haus.

Auch für die Fassade ließ sich der Architekt etwas Besonderes einfallen. Die Steine der Außenmauer sind versetzt platziert. Die Auslassungen schmücken die Außenseite und greifen die Wandgestaltung der Nachbarhäuser aus dem 19. Jahrhundert auf, außerdem lassen sie Tageslicht ins Innere. Nach Einbruch der Dunkelheit, wenn Murphy die Lampen anschaltet, scheint das Licht durch die Löcher in die entgegengesetzte Richtung und lässt sein Haus strahlen.

"Vielleicht ist es ein wenig überdesignt", sagt Murphy über sein Bauwerk. Das dachten zunächst auch die Entscheider in der örtlichen Verwaltung und verweigerten eine Baugenehmigung. Die Neinsager wurden letztlich aber überstimmt. Man wollte nicht denselben Fehler zweimal begehen. Die Stadt hatte Murphy schon einmal einen Bau äußerst schwer gemacht. Nachdem sein "Mews House" dann endlich gebaut war, wurde es prompt von der Architektenkammer ausgezeichnet.

Diese Ehre wurde dem Architekten 2016 auch für das von ihm selbst bewohnte Haus zu Teil. "Wenn man das fertiggestellte Haus sieht, ist es schwer vorstellbar, warum den Bauanträgen so viele Hürden in den Weg gestellt wurden", schrieben die Juroren in ihrer Begründung, warum das Projekt in der Hart Street für sie das "Haus des Jahres" ist. Den Bedenkenträgern in der Behörde gab die Architektenkammer damals mit auf den Weg, sie sollten sich das Haus als Inspiration nehmen für modernes Bauen in denkmalgeschützten Straßen.

In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade gebaut oder geplant werden oder die einfach nicht von dieser Welt sind. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief: Murphy House, Edinburgh, Schottland.

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Tüftlertraum in Edinburgh: Ein Haus für Daniel Düsentrieb

Foto: Keith Hunter/ Richard Murphy Architects

Lage: Edinburgh, Schottland

Zimmerzahl: Drei Schlafzimmer, drei Bäder, Wohn- und Essbereich, Küche, Arbeitszimmer.

Garten: Der kleine Innenhof ist eine Hommage an den Garten der Stiftung Querini Stampalia in Venedig, erbaut von Murphys Architektenvorbild Carlo Scarpa.

Extras: Bewegliche Fassade und Sonnenblenden, zahlreiche Durchreichen, Geheimfächer und Gucklöcher. Derzeit tüftelt Murphy an einem Lift, der Feuerholz aus dem Keller ins Wohnzimmer heben soll.

Stilfaktor: Das Haus ist sicher kein Kandidat für klassische Architekturbildbände, hat aber durchaus Charme. Der Sandstein integriert die ausgefallene Silhouette in die Reihe der umliegenden Stadthäuser aus dem 19. Jahrhundert.

Wer fühlt sich hier wohl? Kinder, Daniel Düsentrieb und Fans von Inspektor Gadget

Unbedingt mitbringen: Schraubenschlüssel und Maschinenöl

Unterhalt: Wo sich viel bewegt, kann auch viel kaputt gehen. Zum Glück sind hier Baumeister und Bauherr identisch, das spart den Handwerker.

Weitere Infos: Gibt es bei Richard Murphy .

löw

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