Paris Fashion Week Feministinnen, Nachtschwärmer und Memes
Saint Laurent Herbst-Winter 2019
Foto: Julien de Rosa/EPA-EFE/REXUm ihren Modefeminismus im kommenden Herbst weiterzuführen, schaute Dior-Designerin Maria Grazia Chiuri diesmal nach England. Fündig wurde Chiuri bei den "Teddy Girls", das lange Zeit zu wenig beachtete weibliche Gegenstück zu den wilden Jungs in Tweed, der britischen Antwort auf Rock'n'Roll und James Dean. Den konzeptuellen Überbau lieferten die Künstlerin Tomaso Binga und die Autorin Robin Morgan. Binga rezitierte zu Beginn der Show eines ihrer Gedichte, und Morgan-Buchtitel wie "Sisterhood is Global" dienen als Drucke für die Statement-Shirts, die Chiuri populär gemacht hat.
Christian Dior
Für Dior-Verhältnisse war die Kollektion vergleichsweise wenig prinzessinnenhaft. Mit Vichy-Karos in rot und grün, langen Röcken aus schwerem Stoff, breiten schwarzen Ledergürteln, spitzen Schuhen und weißen Söckchen zitierte Chiuri den Kleidungsstil ihrer Vorbilder aus dem England der Fünfzigerjahre. Auch in den zweireihigen Blazern wurde die Teddy-Vorlage deutlich.
Für ihre Jacken und Mäntel verwendete Chiuri viel Lackleder. Schlupfjacken und ein Einteiler aus gestepptem Kunststoff sorgen für eine moderne Note, während Denim in Form plissierter Röcke cool aussieht. Auf den Köpfen trugen die Models die gerade angesagten Fischerhüte. Die extragroßen Revers greifen ebenfalls einen Trend auf.
Saint Laurent
Auf dem Laufsteg der Saint-Laurent-Schau waren die Revers nicht überdimensioniert. Die Schultern schon, Designer Anthony Vaccarello machte sie wie in den Achtzigern, groß und breit. Auch sonst hätte der Kontrast nicht deutlicher sein können. Für Vaccarello ist eine starke Frau immer auch eine, die viel Haut zeigt: durchsichtige Oberteile, tiefe Ausschnitte, Smokings ohne was drunter (aber mit Kummerbund), knappe Shorts und Miniröcke noch und nöcher.
Saint Laurent
Hier kommt die Abendgarderobe nicht zum Schluss wie bei anderen Labels. Bei Saint Laurent unter Vaccarello gibt es nur die Nacht, und sie ist wild und verrucht. Zur Verdeutlichung wurde ein Teil der Saint-Laurent-Kollektion unter Schwarzlicht vorgeführt.
Bei den Männern demonstrierte der Italiener, dass Linien auf Anzugstoff nicht unbedingt nadelstreifendünn sein müssen. Lederjacken, Seidenhemden, Hosen und Plüschmäntel waren ebenfalls gestreift, längs und quer, meistens schwarzweiß. Interessanterweise sind die Feier-Uniformen für die Herren aber allesamt blickdicht.
Jacquemus
Die Mode von Simon Porte Jacquemus ist nicht für Exzesse gemacht, sondern zum Sonnenbaden an der Côte d'Azur. Der aufsteigende Stern am Pariser Modehimmel ließ für die Präsentation seiner Herbstkollektion eine Südfrankreich-auf-dem-Land-Kulisse errichten und nannte sein potemkinsches Dorf "Place Jacquemus". Die Einwohnerinnen des Örtchens flanierten in kräftigen (Pink, Blau, Orange) und gedeckten Farben über den "Marktplatz".
Jacquemus
Jacquemus Herkunft, er stammt aus der Provence, bildete in den vergangenen Jahren den Großteil der Inspiration für seine Entwürfe. Das war zuletzt ein wenig eintönig. Der Designer musste also beweisen, dass er mehr kann. Daher gab es diesmal keine Sexbomben in luftigen Kleidern zu sehen, weniger Pastelltöne, mehr Stoff. Auch die Schnitte sind nicht mehr so körperbetont wie in früheren Kollektionen. Diese Outfits lassen sich im Büro tragen.
Die Accessoires des Designers zündeten zuletzt oft ein -Social-Media-Feuerwerk. Vergangenes Jahr lieferten riesige Strohhütte und Korbtaschen das Meme-Material, von dem soziale Medien und Modemarken leben. Aktuell ist Instagram mit der wohl kleinsten (und unpraktischsten) Handtasche der Welt tapeziert. Auffällig waren aber auch die Schuhe. Ein paar Pumps sah aus als sei es mit den Füßen darin geschwollen, und aus hässlichen Gummiclocks werden bei Jacquemus sexy Overknees. Ein gelungener Auftritt.