Fotostrecke: Stoff am Bau
Verhüllte Großbauten in Hongkong "Wie eine Raupe, die zu einem Schmetterling wird"
Ein neues Werk des Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude? Nein, wenn in Hongkong Gebäude eingerüstet werden, kommen zum Schluss lange Stoffbahnen auf die Bambusgestänge. Was nach Verhüllungskunst aussieht, soll Bauschutt und Staub auffangen.
Als der Fotograf Peter Steinhauer 1993 zum ersten Mal nach Hongkong reiste, entdeckte er gleich am Flughafen eines dieser Gebäude mit Überzug. "Ich war sofort fasziniert, denn so etwas hatte ich noch nie gesehen", erinnert er sich.
In den folgenden Jahren besuchte Steinhauer die Stadt noch mehrmals und machte jedes Mal weitere Fotos von diesen verpackten Häusern. Als er 2007 mit seiner Familie von Saigon nach Hongkong zog, hatte er noch mehr Zeit für sein Fotoprojekt. Stundenlang fuhr er von nun an durch die Stadt, immer auf der Suche nach neuen Baustellen.
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17.10.2026 14.11 Uhr
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Sobald er eine gefunden hatte, war die größte Herausforderung, einen guten Winkel zum Fotografieren zu finden. Steinhauer kletterte über Zäune, Mauern und durch Böschungen oder stellte sein Stativ auf seinem Autodach auf. Er fotografierte auf Balkonen, aus Fenstern oder von Dächern umliegender Gebäude.
Glücklicherweise gibt es in Hongkong ein Gesetz, das es verbietet, Bewohnern den Zugang zu Dächern zu versperren. So stieg Steinhauer vielen Menschen heimlich aufs Dach, um oben einen guten Aussichtspunkt zu haben. Stundenlang musste er dort manchmal ausharren, bis es nicht mehr regnete oder das Licht stimmte.
120 verhüllte Hochhäuser zeigt Steinhauer in seinem Bildband "Cocoons". Der Name ist eine Anspielung auf den Stoff, unter dem sich die Gebäude verwandeln wie in einem Kokon. Werden sie enthüllt, zeigen sie sich in brandneuer Fassade. "Wie eine Raupe, die zu einem Schmetterling wird", sagt der Fotograf.
Steinhauer zeigt die Gebäude dabei oft nicht in Gänze, sondern wählt einzelne Ansichten und Details aus. Einige seiner Fotos entstanden nachts, wenn Lampen die Kräne beleuchten. "Es war geheimnisvoll und seltsam, aber absolut faszinierend", sagt Steinhauer.
Fotostrecke: Stoff am Bau
Wo immer er fotografierte, meist wurde Steinhauer gefragt, was ihn an den Baustellen so reize. "Ich will die Geschichte einer Stadt bewahren, die nie aufhört, sich zu verändern", sagt er. Die Hongkonger empfinden trotzdem eine Abneigung gegen die bunten Stoffhüllen - warum, erfuhr der Fotograf erst, als sein eigenes Wohnhaus mit grünen Stoffbahnen abgedeckt wurde. Wenn er aus dem Fenster schaute, sah er nur grüne Farbe, tagaus, tagein, neun Monate lang. Es war schrecklich.