Private Handybilder: Eins aus tausend mit Fabian Fenk - DER SPIEGEL
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Private Handybilder "Opa ist extrem cool"

Viele von uns haben unzählige Fotos auf dem Handy gespeichert - und eines davon ist das wichtigste. Für die Interviewreihe "Eins aus tausend" spricht Anne Backhaus mit Menschen, die die Geschichte ihres Lieblingsbildes erzählen.
Sänger Fabian Fenk: "Urlaub von meinem Leben"
Sänger Fabian Fenk: "Urlaub von meinem Leben"

Sänger Fabian Fenk: "Urlaub von meinem Leben"

Foto: Anne Backhaus
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Zur Person

Fabian Fenk, 35, lebt in Berlin und ist Sänger des Techno-Musikprojektes The/Das , ehemals Bodi Bill. Er arbeitet außerdem als DJ. Sein Handy ist drei Jahre alt und im Fotoalbum sind 460 Bilder. "Zwischendrin fehlt aber fast ein Jahr, da habe ich ein anderes Telefon benutzt", sagt Fenk.

SPIEGEL ONLINE: Herr Fenk, welches ist Ihr Lieblingsbild?

Fenk: Das Foto hier, das habe ich bei meinem Opa Günther zu Hause aufgenommen. Ist leider nicht ganz scharf.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren zum Essen da?

Fenk: Ja. Und irgendwie sehr gerührt von dem Anblick. Es ist fünf Jahre her, dass seine Frau gestorben ist. Seitdem versucht er, selbständig zu sein. Ich glaube, er verortet sich durch das Kochen. Er ist 87 und ganz allein, aber er tut noch was.

SPIEGEL ONLINE: Sehe ich das richtig: Bratwurst, Rosenkohl und Kartoffeln?

Fenk: Süß, oder? Opa lebt in Thüringen, da macht er mir gern die passende Wurst. Und diese Neubau-Wohnung ist eine ganz andere Welt. Allein die Stühle mit dem Muster.

SPIEGEL ONLINE: Besuchen Sie ihn gern?

Fenk: Ich schaffe es nur vier Mal im Jahr, aber ich freue mich immer auf ihn. Wenn ich bei Opa bin, ist das wie Urlaub von meinem Leben.

SPIEGEL ONLINE: Was mögen Sie an Ihrem Großvater?

Fenk: Er ist extrem cool. Er ist ganz anders ist als ich. Irgendwie so geordnet. Das Foto habe ich mir nach unserem Treffen noch oft angesehen.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie sonst für Bilder?

Fenk: Im Moment nehme ich relativ selten ein Foto auf. Mal beim Auflegen auf die tanzende Masse oder so. Ich glaube, jeder braucht etwas, um sich in der Welt zu verankern. Mein Opa hat halt das Kochen, und die meisten jungen Menschen machen ständig Selfies, das ist aber nichts für mich. Ich habe die Musik.

SPIEGEL ONLINE: Deswegen fotografieren Sie nicht mehr?

Fenk: Es hat auf jeden Fall damit zu tun. Früher habe ich Grafik-Design studiert und andauernd fotografiert. Jetzt ist mein Fokus aber auf der Musik. Ich mache Sachen gerne richtig. Und knie mich dann vollkommen rein. Zum Glück muss ich aber nicht auf Bilder verzichten, meine Freundin ist Fotografin und übernimmt meistens die Kamera.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Handy haben Sie aber noch einige Fotos aus den letzten Jahren.

Fenk: Das ist wie ein Tagebuch für mich. Da sind zum Beispiel Bilder von unserem Video-Dreh in Mumbai drin und von einer kleinen Tour durch die USA. Vor allem Detroit hat mich beeindruckt, überall leere Häuser. Die habe ich viel fotografiert, nur sieht das auf dem Bild nie so krass aus wie da in echt.

SPIEGEL ONLINE: Hat Ihr Telefon denn eine gute Kamera?

Fenk: Schon, aber ich mache einfach nicht so gute Bilder. Inzwischen nimmt man ja dann eher drei Fotos schnell auf, als ein gutes langsam. Total blöd eigentlich.

SPIEGEL ONLINE: Also sind die meisten Fotos von Ihnen nicht gut?

Fenk: Wenn ich jetzt so schaue, sieht schon viel echt scheiße aus, aber die Erinnerungen sind halt sofort da.

SPIEGEL ONLINE: Der Tagebuch-Wert.

Fenk: Genau. Es ist spannend, wie man sich vor seinem Fotoalbum fühlt. Jetzt erinnere ich mich, wie mein Opa früher den Dia-Projektor aufbaute.

SPIEGEL ONLINE: Das gibt es heute gar nicht mehr.

Fenk: Zum Glück! Oma wollte immer gleich nach ihren Reisen alle Fotos zeigen. Das war aber tendenziell gar nicht interessant. Nach zehn Minuten wollte ich spätestens weg.

Zur Autorin
Foto: Anne Backhaus

Anne Backhaus, Jahrgang 1982, bekam die Idee für "Eins aus tausend", als sich auf ihrem Handy 3574 Fotos angesammelt hatten und sie aus Speichermangel löschen musste. Das ging viel leichter als befürchtet. Backhaus lebt in Hamburg, im Anschluss an ihr Volontariat bei SPIEGEL ONLINE arbeitete sie als Video-Reporterin für die Redaktion. Heute reist sie als Autorin und Filmemacherin um die ganze Welt. Von den Menschen, die sie unterwegs trifft, finden sich einige mit ihrer Foto-Geschichte hier wieder.