Soldiers Of Odin: Mit Mode gegen Nazis - DER SPIEGEL
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Soldiers of Odin: "Fuck Nazis" in Pink

Foto: NTB SCANPIX/ REUTERS

Einhörner gegen Rassisten Heil Kamerad, warum bist du so rosa?

Die rassistische Bürgerwehr Soldiers of Odin greift in Nordeuropa um sich. Eine junge Frau hat den Rechten nun den Markennamen geklaut - und eine sehr witzige Verwendung dafür.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kapuzenpullover, T-Shirts, Mützen: Wenn sich die Soldiers of Odin in der Öffentlichkeit zeigen, dann grundsätzlich ganz in Schwarz. Ende 2015 beschlossen einige Männer im finnischen Kemi, die Straßen ihrer 20.000-Einwohner-Stadt vor allen zu schützen, die sie vermeintlich unsicher machen. Vor Flüchtlingen, vor Migranten, eigentlich vor allem, was fremd ist.

In kürzester Zeit bildeten sich Ableger der Bürgerwehr in Finnland, Schweden und Estland. Heute will die Bewegung allein in Schweden rund 5000 Unterstützer haben. Dem Dresscode der Gruppierung bleiben auch diese treu. Als einzige Farbtupfer verschmelzen nur die Nationalfarben der Unterstützer mit einem grimmig blickenden Wikingergesicht, dem Logo der Gruppe .

Männlich, ernsthaft, martialisch, so wollen die Soldiers of Odin wirken. Bisher gelang ihnen das auch leidlich gut. In Finnland sind sie sogar seit Februar offiziell und legal als Organisation registriert.

Doch nun macht ihnen eine 27-jährige Finnin einen Strich durch die Rechnung. Einen dicken, knallbunten Strich.

Riikka Yrttiaho heißt die junge Frau, die eine Schwachstelle bei den vermeintlich starken Männern entdeckt hat. "Rassismus ist in unserer Gesellschaft beängstigend normal geworden. Meine Freunde und ich wollen dem etwas entgegensetzen. Wir schlagen zurück. Und zwar mit Einhörnern, Kätzchen, Regenbogen und Glitzer."

Was so spielerisch klingt, hat einen bürokratischen Hintergrund: Der finnische Ableger der Soldiers of Odin ist zwar als Organisation registriert, markenrechtlich geschützt war ihr Name aber nicht. Bis Riikka Yrttiaho kam. Sie sicherte sich kurzerhand die Rechte - und seit April ist Soldiers of Odin  in Finnland als Modemarke registriert.

Die ersten Entwürfe für Prints zeigen pinke Einhörner , mal umgeben von bunten Herzchen, mal mit Schweif in Regenbogenfarben, und Aufnäher mit "Fuck Nazis"-Schriftzug. Auf Finnisch. Und natürlich in Pink .

Clowns gegen Rechte

Mit Mode hatte Yrttiaho bisher nicht viel zu tun, sie studiert Internationale Politik an der Uni Stockholm und verfolgt die Expansion der Soldiers of Odin aus ihrer Heimat über ganz Skandinavien auch deshalb.

Warum ließ sie den Namen der Gruppe ausgerechnet für eine Modelinie schützen?

"Die Idee ist, den Namen für etwas Lustiges, Schönes und Tolerantes zurückzuerobern. Die Gesellschaft braucht hübsche, süße und sanfte Dinge angesichts all der aktuellen Aggression und Gewalt." Dem Hass der schwarz gekleideten Bürgerwehr treten Yrttiaho und ihre Unterstützer mit knallbunten Aufdrucken und viel Humor entgegen.

Zu den Unterstützern gehören vor allem Bekannte von Yrttiaho, die in der Textilbranche arbeiten: "Wir haben professionelle Designer unter uns, andere kümmern sich um die Produktion der Kleidung. Der harte Kern besteht aus etwa zehn Personen." Geld werde aber keiner von ihnen mit dem textilen Protest verdienen, betont sie: "Wir eröffnen zwar Ende Mai einen Onlineshop, aber alle Einnahmen gehen an Organisationen, die sich für Migranten und Diversifizierung einsetzen."

Welche Organisationen das genau sind, werden Yrttiaho und ihr Team in sozialen Netzwerken bekannt geben, bevor bald der Verkauf startet. Die Kunden sollen schließlich wissen, wen sie finanziell unterstützen, wenn sie mit den knallbunten Glitzer-Outfits von Soldiers of Odin gegen die düstere Agenda der Soldiers of Odin protestieren.

Die Idee des Modeprotests kommt gut an, obwohl der Onlineverkauf noch gar nicht gestartet ist: "Aus allen Altersklassen, aus verschiedenen politischen Lagern, aus so vielen Ländern bekommen wir positive Reaktionen. Designer, Künstler und Unternehmen haben angeboten, uns zu unterstützen. Ich glaube, die Menschen brauchen einfach neue Wege, um auszudrücken, dass sie gegen Rassisten sind. Manchmal tut es einfach gut, auf lustige Weise zu protestieren, jenseits der ernsten Politik", meint Yrttiaho. Das beweisen auch die "Loldiers of Odin", die seit Januar als Clowns verkleidet bei Märschen der Bürgerwehr auftauchen.

Ein Sprecher der Soldiers of Odin kündigte bereits rechtliche Schritte gegen das Modelabel an. Dessen Gründerin beeindruckt das wenig. Während die Männer in Schwarz sich ärgern, glaubt Yrttiaho an ihre Vision: "Ein glitzernder Karneval, auf dem alle willkommen sind, welche Hautfarbe, Ethnie, sexuelle Orientierung und welches Geschlecht sie auch haben." Viele der Gäste auf diesem bunten Fest dürften Outfits von Soldiers of Odin tragen.