Stil-Highlights der Woche »Gurken« für fast 30 Euro
Falscher Negroni
Es gibt Stars, die können fast alles verkaufen. Was seltener vorkommt: Quasi unbekannte Schauspieler sagen irgendwas – und einfach nur, weil sie es sagen, wie sie es sagen, wird das Produkt zum Erfolg. Genau das ist Emma D'Arcy jetzt gelungen. D’Arcy ist nicht-binär und spielt in der neuen HBO-Serie »House of the Dragon« mit. Bei einem Interview mit einer Kollegin wurde D'Arcy nach dem Lieblings-Getränk gefragt. Die Antwort:
»Negroni« – lehnt sich leicht vor – »Sbagliato« – lächelt – »with prosecco in it«.
Negroni mit Prosecco, statt mit Gin. Negroni, der sprudelt. Nun können diese Worte geschrieben nur schwer erklären, warum aus diesem Interviewfetzen ein Song gemacht wurde, warum deswegen Liebeserklärungen gepostet wurden und Barkeeper rund um die Welt von nun an mit der Bestellung des falschen Negronis belästigt werden.
Aber selbst, wenn Sie das alles nicht interessiert: Der Negroni Sbagliato ist ein solider Herbstdrink, schmeckt wie das Original ein bisschen bitter und leicht medizinisch, aber nicht ganz so stark. Franziska Bulban
Abschied von der Gurke
Als hätten es die Nostalgiker unter uns nicht schon schwer genug gehabt beim Abschied vom Festnetztelefon und Plastikstrohhalmen, steht nun – das müssen wir leider verkünden – unmittelbar der nächste Abschied bevor. Denn bislang war ja die Gurkenscheibe auf den Augen so etwas wie der visuelle Inbegriff von Wellness. Seit einiger Zeit aber kommen immer mehr Augenpads auf den Markt, um die Gurke zu beerben. Es gibt Hyaluron-Augenpads (mit Sofort-Effekt), Anti-Aging-Augenpads mit Gold, Augenpads, die mit dem Dior-Schriftzug bedruckt sind, und selbstverständlich gibt es auch Pads, die Gurkenserum enthalten.
Es ist nicht besonders schwer zu erklären, warum sich der Markt die Augenpads ausgedacht hat. Denn während eine Salatgurke gerade ungefähr 1,15 Euro kostet, kosten beispielsweise die Dior-Augenpads fast 30 Euro. Und während die Gurkenscheiben schon bei der kleinsten Bewegung von den Augen rutschen, kann man sich die Pads einfach unter die Augen kleben, wo sie auch dann bleiben, wenn man währenddessen zum Beispiel einen Kaffee kauft oder Morgen-Yoga macht oder schnell die Spülmaschine ausräumt.
Natürlich könnte man nun argumentieren, die eigentliche Wellness-Wirkung der Gurkenscheiben habe gar nicht so viel mit ihrem Feuchtigkeitsgehalt zu tun, aber dafür umso mehr mit der Tatsache, dass man einfach mal ein paar Minuten irgendwo mit geschlossenen Augen liegen musste. Aber das würden wahrscheinlich nur Menschen sagen, die sich heimlich nach einem Telefon mit Wählscheibe sehnen. Maren Keller
Der Damenbart der Macht
@kitana_red Honestly not mad at this front braided hair beard 😂 Hair Inspo: @brylkaproject
♬ original sound - MJ 🫡
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Mein TikTok-Algorithmus weiß, dass ich Lifehacks liebe, weshalb er mir ständig Aha-Momente liefert: Krass, man kann Tomaten schälen, indem man sie einfriert und auftaut!?
Ausprobieren will ich maximal 20 Prozent.
Aber nun versucht die App mir schon seit Monaten zu zeigen, dass ich mehr aus meinen Haaren machen könnte. Und zwar mit Flechtfrisuren, die erst VOR dem Gesicht geflochten werden – »und jetzt holen wir alles nach vorne und machen einen kleinen Bart…« – und dann nach HINTEN geworfen werden.
Das ist etwa so sensationell wie Kleider mit Reißverschluss an der Seite, zumindest für alle, die keine Zofe zum Ankleiden haben. Denn Betroffene (Menschen mit langen Haaren ohne Zofe) kennen die nervigen Knoten, die sich ab Herbst in der Rubbelzone zwischen Mütze und Schal bilden. Wir wissen um die müden Arme, wenn man morgens im Halbdunkel versucht, die Hände verschränkt über dem Kopf zu halten, um Präzisionsarbeit genau dort zu leisten, wo wir keine Augen haben. Die Damenbart-Technik ist reines Empowerment.
Die Frisuren, die mit dem Haar-Bart entstehen, sind zwar für meinen Geschmack etwas romantisch, aber ich bin da unbesorgt. Wenn ich jetzt erst lerne, dass meine Kindheit so leicht hätte sein können, dann bin ich sicher, dass schon ein Video mit einem »twisted hair beard« die Runde macht – es muss mich nur noch finden. Franziska Bulban