Trenchcoats: Schau mir auf den Mantel, Kleines
Zeitloser Mantel Der Trench-Code
Dirk van Versendaal schreibt seit mehr als 25 Jahren über Mode. Sein erstes Trenchcoat-Erlebnis hatte er als Sechsjähriger bei einem Spaziergang mit seiner Mutter. Der Mann, der ihn am helllichten Tag trug, war ansonsten nackt. Seine Mutter war schockiert.
Es gibt Männer, die würden ein Leben lang mit einem einzigen Trenchcoat auskommen - wenn man sie denn ließe. Helmut Schmidt war so einer. Sein liebstes blaues Exemplar trug er, bis 1978 seine Sekretärin Liselotte Schmarsow einschritt. Sie sollte das Stück in der Reinigung abgeben, weigerte sich aber. Der Stoff des Hängers sei "so zerschlissen", erklärte sie Schmidt, "dass er bei einer chemischen Behandlung wohl ganz auseinanderfällt".
Wie Humphrey Bogart oder Alain Delon, Peter Falk oder Winston Churchill - so wusste auch Schmidt, dass Kleider Leute machen, und Trenchcoats nun mal Männer.
Immer wieder wurde der Trench zugunsten von sportiven Jacken und modischen Parkas an den Rand gehängt. Und immer wieder kehrte er verlässlich auf die Laufstege zurück. Gutes Design ist eben zeitlos. Solange hier und da ein Detail neu erfunden wird. Erlaubt ist da vieles, Hauptsache, dem Trench bleiben seine Schulterklappen, die Windblende und der Gürtel erhalten.
Seide, Kaschmir, Leder - aber immer muss es ein Trench sein
Das britische Traditionslabel Burberry bringt nahezu jede Saison eine neue Variante auf den Markt, mal ist der Trench aus luftiger Seide gefertigt, mal aus leichtem Kaschmir. Oder er wird mit schwarzen Lederärmeln versehen. Die schönsten Exemplare für den kommenden Sommer ziert zarte Spitze am Kragen.
"Der Trenchcoat ist, außer der Jeans, das demokratischste Kleidungsstück, das ich kenne", sagt Christopher Bailey, Kreativdirektor und CEO von Burberry. "Er ist beliebig kombinierbar und kann von Männern wie Frauen getragen werden." Weil Bailey an die Zukunft des Mantels glaubt, will er bis 2019 eine Manufaktur in Leeds aufbauen, für 50 Millionen Pfund.
Neben den Burberry-Oberen haben sich auch die Designer von Herno im Firmenarchiv bedient und eine modernisierte Retrokollektion fürs Frühjahr aufgelegt, die schwedische Marke Stutterheim hat Regenjacken im Trenchcoat-Look im Sortiment, Canali schneidert den Klassiker aus Seidenorganza.
Dabei war der robuste Doppelreiher aus wasserabweisendem Gabardine eigentlich nie für die feinen Kreise vorgesehen - er wurde im Ersten Weltkrieg geboren und sollte die britischen Soldaten im Schützengraben (Trench) vor Nässe schützen. Burberry rüstete zwischen 1914 und 1918 eine halbe Million Offiziere damit aus. Zeugnisse dieser Vergangenheit sind bis heute die D-förmigen Ringe am Gürtel und den Schultern, sie waren einst als Halterung für Karten und Handgranaten gedacht.
Wie trägt man den Trench heute, abseits der Schlachtfelder, jenseits des Dressed-to-Kill? Wer ein Bäuchlein vor sich herschiebt, sollte den Mantel offen halten und den Gürtel hinten locker zusammenknoten. Wer kein Riese ist, sollte Trenchs nur bis Knielänge tragen. Und für alle Figurtypen gleichermaßen gilt, außer bei Regen: besser nicht preußisch-ordentlich zuknöpfen.
Splendid
April 2016
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