Grüner Wohnen: Großstadtdschungel
Platzlösung Garten an der Häuserwand
Städte wirken immer grau? Nicht, wenn sie aus vertikalen Gärten bestehen: aus mit Pflanzen überwucherten Hauswänden, Straßenschluchten und Brücken. Dadurch verwandelt sich mancher Betonklotz in ein lebendiges Kunstwerk, es entstehen grüne Oasen in der Großstadt.
Pionier der Szene ist der Botaniker Patrick Blanc, ein 62-jähriger Pariser mit schillernd grün gefärbten Haaren, der eine bestechend einfache Idee umsetze. Warum nicht Pflanzen an Häusern hochranken lassen und so Grünflächen schaffen, wo sonst kein Platz dafür ist?
Dabei nutzt Blanc Filzplatten aus recycelten Acrylfasern. Die befestigt er an Wänden und steckt verschiedene Pflanzen hinein, wie Zwergkoniferen, Zistrosen und Sonnenröschen. Eine Bewässerungsanlage sorgt dafür, dass sie regelmäßig Feuchtigkeit bekommen.
Andere Pflanzenarten sind genügsamer. Sie brauchen keine Erde zum Wachsen und können überall überleben, wo sie Halt finden, Licht und Wasser bekommen - sogar auf festem Putz oder Stein.
Mehr als 250 Häuser hat der Franzose so begrünt, darunter sind Museen, Hotels, Einkaufszentren und Büros. Sie haben nun mindestens eine Wand, die so dicht bewachsen ist, dass der Untergrund kaum noch zu sehen ist.
Wandgärten fürs Wohnzimmer
Auch fürs Wohnzimmer gibt es immer mehr Wandgärten. Das können Pflanzen sein, die auf Kokos- oder Bastmatten im Bilderrahmen wachsen. Stofftaschen, die mit Erde und Setzlingen gefüllt sind. Oder Blumenkübel zum Aufhängen. Manche dieser Systeme haben einen Wasserspeicher, andere kommen komplett ohne Befeuchtung aus.
Einige Firmen bieten nicht nur Bilderrahmen, sondern ganze Wände aus konservierten Pflanzen an. Die Pflanzen werden ein paar Tage lang in ein Gemisch aus Glycerin und Lebensmittelfarbe gestellt. Dadurch sterben sie ab, ohne tot auszusehen.
"Sie verlieren keine Blätter, trocknen nicht aus und verwelken nicht", sagt Lukas Dinger, Geschäftsführer von StyleGreen. Unter seinen Kunden seien viele Ärzte, die sich Bilder aus Kugelmoos ins Wartezimmer hängen: "Das natürliche Grün wirkt offenbar beruhigend auf die Patienten."
Große Unternehmen dagegen wählten häufig eine Variante mit Islandmoos, die schallisolierend ist. Und Werbeagenturen bestellten sich oft die Version Dschungel - für mehr Abenteuer und Kreativität im Büro.