Ausgezeichnete Bilder Paralleluniversen
Gesichter und Geschichten
Gesichter und Geschichten
Julie Chen war zwölf Jahre alt, als sie zu ihrer Mutter in die Vereinigten Staaten zog. Zuvor lebte sie bei ihrem Vater in China und hörte auf den Namen Shiqi Chen. Nach der Scheidung gründete ihre Mutter in den USA eine neue Familie. Bei dieser sollte Chen aufwachsen, weil ihr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten mehr Perspektiven böte, meinte ihr Vater und schickte sie fort. In ihrer neuen Heimat fühlte Chen sich zerissen: "Ich bin zu chinesisch, um Amerikanerin zu sein und zu amerikanisch, um Chinesin zu sein", sagt sie. Das Foto symbolisiert eine von Chens schlimmsten Kindheitserinnerungen. Ihre amerikanischen Mitschüler hänselten sie wegen ihres Aussehens: "Meine Augen definierten mich in diesem fremden Land, bevor ich selbst bestimmen konnte, wer ich sein wollte."
Mit seiner Bilderserie über Julie Chen hat der Südkoreaner Kyeong Jun Yang den Zeiss Photography Award gewonnen. Das Foto auf dem Nachttisch ist eine Aufnahme von Julie Chens Eltern, die mittlerweile getrennt leben. Gehorsam gegenüber den Eltern ist tief verwurzelt in der chinesischen Kultur. "Ich wollte ich selbst sein, aber ich konnte nicht frei sein", sagt Chen über dieses Foto.
Die Kurische Nehrung ist eine 98 km lange Halbinsel an der Nordküste des Samlands, die das Kurische Haff von der Ostsee trennt. Mehr als die Hälfte, die nördlichen 54 Kilometer, sind litauisches Staatsgebiet. Die südlichen 46 Kilometer gehören zu Russland. Was von Weitem aussieht wie ein Kreuz, ist ein Wegweiser auf dem Weg zur höchsten Düne der Gegend, der Vecekrugas Düne.
Die Fotos aus dieser Gegend stammen von Tadas Kazakevicius aus Litauen. Das Porträt zeigt einen der jungen Fischer aus der Gegend. Früher war der Fischfang eine der wichtigsten Einnahmequellen in dem dünn besiedelten Gebiet.
Wie sieht Natur in unserem persönlichen Umfeld aus, am Arbeitsplatz, in öffentlichen Einrichtungen? Diese Fragen möchte der Niederländer Jorrit 't Hoen mit seinen Fotos beantworten. "Paralleluniversum" ist ein Teil dieser Bilderserie. Darin zeigen Menschen, wie sie bedrohte Natur in den eigenen vier Wänden konservieren - in Aquarien und Aquaterrarien.
"Die Leute, die mich zu sich nach Hause eingeladen haben, schaffen Miniatur-Ökosysteme hinter Glas, die in der freien Wildbahn schwer geschädigt sind durch Umwelt- und Luftverschmutzung", sagt Jorrit 't Hoen.
Der Qin-Ling-Gebirgszug erstreckt sich mitten durch China. Etwa 1000 Kilometer von West nach Ost, vom Südteil der Provinz Gansu bis in die Provinz Henan im Osten. An der breitesten Stelle reichen die Berge 170 Kilometer weit. Unvorstellbare Dimensionen, nicht nur für Kinder. Deswegen konnte auch niemand dem kleinen Pan Wang so recht beantworten, wo die Berge anfangen und wo sie aufhören. Das war lange bevor er Fotograf wurde und das Gebirge mit seiner Kamera bereiste. Für ihn seien diese Bilder auch eine Erinnerung an seinen Vater, schreibt Pan. Der habe ihn früher oft mitgenommen zu Ausflügen in die Berge.
Gruß aus der Vergangenheit: Eine Mao-Statue am Fuße der Qin-Ling-Berge in der Stadt Weinan.
"Indien hat Bollywood, Nigeria Nollywood und Sacha hat Sachawood", schreibt der Fotograf Alexey Vasilyev über seine Aufnahme von Dreharbeiten in der Republik Sacha (auch bekannt als Jakutien), mehr als 8000 Kilometer und sechs Zeitzonen von Moskau entfernt. Verfilmt wird hier ein Märchen.
Die Kostüme dieser beiden jungen Schauspieler erinnern stark an die Ewoks aus der Science-Fiction-Saga "Krieg der Sterne". Vielleicht sind sie aber auch nur so plüschig ausgefallen, weil es in Jakutien extrem kalt werden kann. Bis zu 60 Grad unter Null wurden hier schon gemessen.
Die Flying Cholitas kämpfen als Wrestlerinnen gegeneinander, vor allem aber gegen die patriarchalische Gesellschaft Boliviens. Die brasilianische Fotografin Luisa Dörr hat sie besucht und porträtiert.
Die meisten Cholitas gehören zur Volksgruppe der Aymara, ein indigenes Volk Südamerikas. Vor allem während der spanischen Kolonisation wurden sie unterdrückt und entrechtet. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Cholita, eine Abwandlung der abwertenden Bezeichnung Chola. Auf dem Foto kämpfen Elizabeth la Loba Corazones (oben) und Alicia de las Flores gegeneinander. Die bolivianische Tracht gehört genauso zu den Aufführungen wie die einstudierten Choreografien im Ring.
Herr Viefhaus aus Dortmund gehört zu jenen Menschen, die von Magdalena Stengel für ihre Porträtserie "±100" abgelichtet wurden. Die Fotografin möchte mit ihrer Arbeit reflektieren, dass es immer mehr Hundertjährige auf der Welt gibt. Herrn Viefhaus fotografierte sie mit Pflanzen, seiner großen Leidenschaft: Obwohl er sich nicht mehr ausreichend um sie kümmern kann, macht er immer neue Ableger.
Vier Generationen sind auf diesem Bild von Magdalena Stengel zu sehen: Mutter, Tochter, Enkelin und Urenkelin.
Immer weiter frisst sich die Miene El Tajo in Peru an die Stadt Cerro de Pasco heran. Hier werden Kupfer, Blei, Zink, Gold und Silber gefördert. Mit der Miene kamen auch die Menschen. Inzwischen leben mehr als 70.000 in Cerro de Pasco, teilweise wörtlich am Abgrund.
Die Bilder der Minenstadt und ihrer Einwohner hat der Italiener Stefano Sbrulli gemacht.
Nigeria ist reich an Bodenschätzen. Doch was Wohlstand verheißt, bringt auch Zerstörung. Besonders das Nigerdelta ist verschmutzt durch Öllecks. Allein zwischen 1976 und 1996 flossen laut einer offiziellen Schätzung fast zwei Millionen Barrel des Rohstoffs aus. Robin Hinsch hat dieses Foto in der Nähe der Stadt Ughelli gemacht.
Wo viel Geld im Spiel ist, sind meistens auch Waffen: Ein Polizist patrouilliert in der Nähe eines nigerianischen Ölfeldes. Rund ein Drittel der Öllecks geht auf Sabotage zurück.
Auch im 19. Jahrhundert wurden natürlich schon Bilder von Müttern mit ihren Kindern gemacht. Allerdings mussten die Abgelichteten damals ziemlich lange still halten, bis alles im Kasten war. Damit die Kinder während der langen Belichtungszeiten nicht abgelenkt waren, wurden die Mütter teilweise verhüllt. Gleichzeitig lässt diese Praxis aber auch ein fragwürdiges Frauenbild erkennen. Die Fotografin Alena Zhandarova aus Russland greift die Thematik in ihrer Arbeit wieder auf.
Alena Zhandarova/ ZEISS Photography Award
In Alena Zhandarovas Arbeit geht es ihr außerdem darum zu zeigen, dass viele Frauen nicht mehr richtig wahrgenommen werden, sobald sie Kinder bekommen haben. Sie fühle sich seitdem häufig reduziert auf ihre Funktion als Mutter, schreibt sie.
Julie Chen war zwölf Jahre alt, als sie zu ihrer Mutter in die Vereinigten Staaten zog. Zuvor lebte sie bei ihrem Vater in China und hörte auf den Namen Shiqi Chen. Nach der Scheidung gründete ihre Mutter in den USA eine neue Familie. Bei dieser sollte Chen aufwachsen, weil ihr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten mehr Perspektiven böte, meinte ihr Vater und schickte sie fort. In ihrer neuen Heimat fühlte Chen sich zerissen: "Ich bin zu chinesisch, um Amerikanerin zu sein und zu amerikanisch, um Chinesin zu sein", sagt sie. Das Foto symbolisiert eine von Chens schlimmsten Kindheitserinnerungen. Ihre amerikanischen Mitschüler hänselten sie wegen ihres Aussehens: "Meine Augen definierten mich in diesem fremden Land, bevor ich selbst bestimmen konnte, wer ich sein wollte."
Foto: KyeongJun Yang/ ZEISS Photography AwardMit seiner Bilderserie über Julie Chen hat der Südkoreaner Kyeong Jun Yang den Zeiss Photography Award gewonnen. Das Foto auf dem Nachttisch ist eine Aufnahme von Julie Chens Eltern, die mittlerweile getrennt leben. Gehorsam gegenüber den Eltern ist tief verwurzelt in der chinesischen Kultur. "Ich wollte ich selbst sein, aber ich konnte nicht frei sein", sagt Chen über dieses Foto.
Foto: KyeongJun Yang/ ZEISS Photography AwardDie Kurische Nehrung ist eine 98 km lange Halbinsel an der Nordküste des Samlands, die das Kurische Haff von der Ostsee trennt. Mehr als die Hälfte, die nördlichen 54 Kilometer, sind litauisches Staatsgebiet. Die südlichen 46 Kilometer gehören zu Russland. Was von Weitem aussieht wie ein Kreuz, ist ein Wegweiser auf dem Weg zur höchsten Düne der Gegend, der Vecekrugas Düne.
Foto: Tadas Kazakevicius/ ZEISS Photography AwardDie Fotos aus dieser Gegend stammen von Tadas Kazakevicius aus Litauen. Das Porträt zeigt einen der jungen Fischer aus der Gegend. Früher war der Fischfang eine der wichtigsten Einnahmequellen in dem dünn besiedelten Gebiet.
Foto: Tadas Kazakevicius/ ZEISS Photography AwardWie sieht Natur in unserem persönlichen Umfeld aus, am Arbeitsplatz, in öffentlichen Einrichtungen? Diese Fragen möchte der Niederländer Jorrit 't Hoen mit seinen Fotos beantworten. "Paralleluniversum" ist ein Teil dieser Bilderserie. Darin zeigen Menschen, wie sie bedrohte Natur in den eigenen vier Wänden konservieren - in Aquarien und Aquaterrarien.
Foto: Jorrit 't Hoen/ ZEISS Photography Award"Die Leute, die mich zu sich nach Hause eingeladen haben, schaffen Miniatur-Ökosysteme hinter Glas, die in der freien Wildbahn schwer geschädigt sind durch Umwelt- und Luftverschmutzung", sagt Jorrit 't Hoen.
Foto: Jorrit 't Hoen/ ZEISS Photography AwardDer Qin-Ling-Gebirgszug erstreckt sich mitten durch China. Etwa 1000 Kilometer von West nach Ost, vom Südteil der Provinz Gansu bis in die Provinz Henan im Osten. An der breitesten Stelle reichen die Berge 170 Kilometer weit. Unvorstellbare Dimensionen, nicht nur für Kinder. Deswegen konnte auch niemand dem kleinen Pan Wang so recht beantworten, wo die Berge anfangen und wo sie aufhören. Das war lange bevor er Fotograf wurde und das Gebirge mit seiner Kamera bereiste. Für ihn seien diese Bilder auch eine Erinnerung an seinen Vater, schreibt Pan. Der habe ihn früher oft mitgenommen zu Ausflügen in die Berge.
Foto: Pan Wang/ ZEISS Photography AwardGruß aus der Vergangenheit: Eine Mao-Statue am Fuße der Qin-Ling-Berge in der Stadt Weinan.
Foto: Pan Wang/ ZEISS Photography Award"Indien hat Bollywood, Nigeria Nollywood und Sacha hat Sachawood", schreibt der Fotograf Alexey Vasilyev über seine Aufnahme von Dreharbeiten in der Republik Sacha (auch bekannt als Jakutien), mehr als 8000 Kilometer und sechs Zeitzonen von Moskau entfernt. Verfilmt wird hier ein Märchen.
Foto: Alexey Vasilyev/ ZEISS Photography AwardDie Kostüme dieser beiden jungen Schauspieler erinnern stark an die Ewoks aus der Science-Fiction-Saga "Krieg der Sterne". Vielleicht sind sie aber auch nur so plüschig ausgefallen, weil es in Jakutien extrem kalt werden kann. Bis zu 60 Grad unter Null wurden hier schon gemessen.
Foto: Alexey Vasilyev/ ZEISS Photography AwardDie Flying Cholitas kämpfen als Wrestlerinnen gegeneinander, vor allem aber gegen die patriarchalische Gesellschaft Boliviens. Die brasilianische Fotografin Luisa Dörr hat sie besucht und porträtiert.
Foto: Luisa Dörr/ ZEISS Photography AwardDie meisten Cholitas gehören zur Volksgruppe der Aymara, ein indigenes Volk Südamerikas. Vor allem während der spanischen Kolonisation wurden sie unterdrückt und entrechtet. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Cholita, eine Abwandlung der abwertenden Bezeichnung Chola. Auf dem Foto kämpfen Elizabeth la Loba Corazones (oben) und Alicia de las Flores gegeneinander. Die bolivianische Tracht gehört genauso zu den Aufführungen wie die einstudierten Choreografien im Ring.
Foto: Luisa Dörr/ ZEISS Photography AwardHerr Viefhaus aus Dortmund gehört zu jenen Menschen, die von Magdalena Stengel für ihre Porträtserie "±100" abgelichtet wurden. Die Fotografin möchte mit ihrer Arbeit reflektieren, dass es immer mehr Hundertjährige auf der Welt gibt. Herrn Viefhaus fotografierte sie mit Pflanzen, seiner großen Leidenschaft: Obwohl er sich nicht mehr ausreichend um sie kümmern kann, macht er immer neue Ableger.
Foto: Magdalena Stengel/ ZEISS Photography AwardVier Generationen sind auf diesem Bild von Magdalena Stengel zu sehen: Mutter, Tochter, Enkelin und Urenkelin.
Foto: Magdalena Stengel/ ZEISS Photography AwardImmer weiter frisst sich die Miene El Tajo in Peru an die Stadt Cerro de Pasco heran. Hier werden Kupfer, Blei, Zink, Gold und Silber gefördert. Mit der Miene kamen auch die Menschen. Inzwischen leben mehr als 70.000 in Cerro de Pasco, teilweise wörtlich am Abgrund.
Foto: Stefano Sbrulli/ ZEISS Photography AwardDie Bilder der Minenstadt und ihrer Einwohner hat der Italiener Stefano Sbrulli gemacht.
Foto: Stefano Sbrulli/ ZEISS Photography AwardNigeria ist reich an Bodenschätzen. Doch was Wohlstand verheißt, bringt auch Zerstörung. Besonders das Nigerdelta ist verschmutzt durch Öllecks. Allein zwischen 1976 und 1996 flossen laut einer offiziellen Schätzung fast zwei Millionen Barrel des Rohstoffs aus. Robin Hinsch hat dieses Foto in der Nähe der Stadt Ughelli gemacht.
Foto: Robin Hinsch/ ZEISS Photography AwardWo viel Geld im Spiel ist, sind meistens auch Waffen: Ein Polizist patrouilliert in der Nähe eines nigerianischen Ölfeldes. Rund ein Drittel der Öllecks geht auf Sabotage zurück.
Foto: Robin Hinsch/ ZEISS Photography AwardAuch im 19. Jahrhundert wurden natürlich schon Bilder von Müttern mit ihren Kindern gemacht. Allerdings mussten die Abgelichteten damals ziemlich lange still halten, bis alles im Kasten war. Damit die Kinder während der langen Belichtungszeiten nicht abgelenkt waren, wurden die Mütter teilweise verhüllt. Gleichzeitig lässt diese Praxis aber auch ein fragwürdiges Frauenbild erkennen. Die Fotografin Alena Zhandarova aus Russland greift die Thematik in ihrer Arbeit wieder auf.
Foto:Alena Zhandarova/ ZEISS Photography Award
In Alena Zhandarovas Arbeit geht es ihr außerdem darum zu zeigen, dass viele Frauen nicht mehr richtig wahrgenommen werden, sobald sie Kinder bekommen haben. Sie fühle sich seitdem häufig reduziert auf ihre Funktion als Mutter, schreibt sie.
Foto: Alena Zhandarova/ ZEISS Photography Award