Was kostet die Welt Paris, chic und cher
Ein kurzer Blick auf den Kontostand nach einem Monat Paris und man entwickelt urplötzlich einen siebten Sinn für Schnäppchen, Ermäßigungen, Sonderangebote, kurz: den Sinn für den bon plan. Ohne die wenn auch oft halbherzigen Versuche, hier und da ein paar Euro einzusparen, könnten sich viele Studenten das Leben in der französischen Hauptstadt kaum leisten. Das Londoner Forschungsinstitut Economist Intelligence Unit hat kürzlich die Lebenshaltungskosten in weltweit 132 Metropolen verglichen, Paris landete in der Studie hinter Oslo auf Rang zwei.
Dafür ist das politische und kulturelle Zentrum Frankreichs eines der attraktivsten Ziele für ein Auslandssemester und trotz der Luxuspreise immer noch eine Studentenstadt. 18 Universitäten gibt es in und um Paris, dazu kommt eine Vielzahl von grandes écoles, einer Art Elite-Hochschulen. Welche Posten sollte man beim Auslandssemester am Eiffelturm auf der Rechnung haben und wie können die Ausgaben mit dem ein oder anderen bon plan reduziert werden?
Chambre statt Chateau
Wohnungssuche heißt in Paris vor allem: Kompromisse machen. Viele Studenten leben in so genannten chambres de bonnes, rumpeligen Dienstbotenzimmern unter den Dächern herrschaftlicher Häuser. Die Toiletten sind auf dem Gang, und im Winter kann es ganz schnell ganz kalt werden auch wenn man den kleinen Elektroheizlüfter einsteckt. Trotzdem müssen für die winzigen Kammern um die 400 Euro Monatsmiete hingeblättert werden. Für ein studio, eine Einzimmerwohnung, sind schnell 600 Euro und mehr fällig. Plätze in Studentenwohnheimen sind rar, ebenso wie Wohngemeinschaften. Einige gute WG-Angebote finden sich aber auf (kostenpflichtigen) Internetseiten wie colocation.fr.
Eine interessante Alternative ist die Cité Internationale Universitaire, auf der Studenten aus aller Welt in Wohnheimen verschiedener Länder leben. Für Deutschland steht hier das Heinrich Heine-Haus. Die Zimmerpreise liegen bei 350 Euro im Monat, Nebenkosten und Internet eingeschlossen. Bewerbungsschluss ist jedes Jahr im Juni, unter anderem werden ein Motivationsschreiben und ein Gutachten eines Hochschuldozenten verlangt.
In Frankreich kommen Studenten auch ausländische in den Genuss des Wohngeldes der CAF, der staatlichen Familienkasse. Der Zuschuss richtet sich nach Art und Ort der Unterkunft. Für ein studio in Paris kann man mit rund 180 Euro, für ein WG-Zimmer mit rund 100 Euro Staatsknete rechnen.
Voyages, voyages
Metro, (Nacht-)busse und die Vorstadtbahn RER: Paris hat ein ausgezeichnetes Verkehrsnetz. Die Einzelfahrt kostet 1,40 Euro, ein Bündel von zehn Tickets 10,90 Euro. Studenten unter 26 Jahren profitieren von der Jahreskarte Imagine R, die für knapp 30 Euro pro Monat Fahrten in der gesamten Stadt erlaubt, am Wochenende und an Feiertagen auch im Pariser Umland. Aber Vorsicht: diese Karte gibt es nur im Jahresabo und lohnt sich bei kürzeren Studienaufenthalten nicht immer. Dann bleibt wie für Studenten älteren Semesters lediglich die carte orange für monatlich 50,40 Euro.
Eine andere Möglichkeit ist, sich ein Fahrrad zuzulegen, zum Beispiel auf dem Flohmarkt an der Porte de Clignancourt. Paris hat kürzlich eine Zweirad-Offensive gestartet und mehr als 10.000 Fahrräder an automatischen Verleihstationen überall im Stadtgebiet platziert. Allerdings ist das vélo in Chaos-Kreisverkehren wie am Triumphbogen nicht unbedingt das sicherste Fortbewegungsmittel.
Wer viel außerhalb von Paris unterwegs ist, sollte sich überlegen, ob er die carte 12-25ans der französischen Bahngesellschaft SNCF kauft: Für einmalig 49 Euro werden Bahnfahrten in Frankreich ein Jahr lang mindestens 25 und bis zu 50 Prozent billiger. Günstige Tarife für junge Leute bietet auch Air France, oft sind die Angebote deutlich besser als die der vermeintlichen Billigflieger.
Allo? Allo?
Alle französischen Mobilfunkanbieter vertreiben Prepaid-Karten, mit denen sich der Grundbedarf an Kommunikation während eines Auslandssemesters locker decken lässt. Vieltelefonierer sollten sich aber lieber gleich für einen forfait entscheiden, einen Handy-Vertrag mit Festminuten und SMS-Kontingent. Eine Überlegung wert sind auch die DSL-Pakete von Anbietern wie Free Box oder Alice, die für rund 30 Euro im Monat neben einer Internet-Flatrate auch noch kostenlose Festnetzgespräche nach ganz Europa und Kabelfernsehen beinhalten.
Culture & Cinéma
Wer Mona Lisa für lau sehen will, muss nur den ersten Sonntag im Monat abwarten. Dann ist in allen staatlichen Museen der Eintritt frei, also unter anderen im Louvre, im Musée dOrsay oder im Musée Picasso. Unter-26-Jährige kommen zudem jeden Freitag nach 18 Uhr kostenlos ins Louvre. Günstige Restkarten für Theater und Oper gibt es am Kiosque Théâtre an der Place de la Madeleine oder im Internet unter www.billetreduc.com.
Leidenschaftliche Kinogänger sollten sich einen Monatspass zulegen, mit dem sie so viele Filme sehen können, wie sie wollen. Die Angebote der großen Kinoketten für einen solchen Pass liegen zwischen 15 und 20 Euro, ein einzelnes Ticket kostet dagegen für Studenten rund sieben Euro.
À table!
Paris, Hauptstadt der Gourmets: Mehr als 8000 Lokale zählt die Stadt, vom Sterne-Koch bis zur kleinen crêperie. Ein ordentliches Mehrgang-Essen im Restaurant schlägt mit gut 25 Euro zu Buche. Der Durchschnitts-Student speist daher eher in einem der 17 restaurants universitaires, in denen ein komplettes Menü für nur 2,70 Euro zu haben ist.
Den Einkauf für die Mahlzeiten in den eigenen vier Wänden erledigt man am besten bei einem der Discount-Supermärkte, neben den französischen Ketten Leader Price und ED hat auch Lidl einige Filialen in Paris eröffnet. Teurer wirds beim Champion oder Monoprix, dafür sind Qualität und Auswahl deutlich besser. Schlecht für das Budget sind meistens die kleinen alimentation générale-Läden an der Ecke allerdings haben diese den Vorteil, dass sie bis spät in die Nacht geöffnet sind.
Nach dem Essen legen Pariser gern eine Pause im Straßencafé ein, beobachten die flanierenden Menschen auf dem Boulevard und schlürfen ihren café crème im Durchschnitt für vier Euro die Tasse. Tiefer in die Tasche greifen muss man im Café Flore oder im Deux Magots am Boulevard Saint Germain, wo einst schon Sartre und Simone de Beauvoir ihre Gedanken schweifen ließen. Heute zahlen Kunden deshalb eine Art Kaffeehausintellektuellen-Zuschlag.
La fête
Bastille, Pigalle oder Saint-Michel/Saint-Germain sind nur einige der Orte des ausschweifenden Pariser Nachtlebens. Sie haben leider alle gemeinsam, dass eine ausgiebige Feier schnell zu einem Frontalangriff auf den Dispo wird: Der halbe Liter Bier kann in Kneipen bis zu acht Euro kosten, Cocktails übersteigen nicht selten die Zehn-Euro-Marke. Zu empfehlen ist der Nordosten von Paris, wo man in sympathischen Bars noch einen relativ günstigen Abend verbringen kann zum Beispiel im 9 Billiards in der Rue St. Maur. Wer ganz ohne Geld einen wunderbaren soirée erleben möchte, setzt sich einfach an lauen Sommerabenden an das Seine-Ufer oder auf die Pont des Arts und genießt den Blick auf den glitzernden Eiffelturm.
"Le WC se trouve sur le palier" - Französisch für Anfänger
"Grève" Streik. Französischer Nationalsport, besonders beliebt bei Bus und Bahn.
"Panam" Synonym für Paris aus der Gaunersprache argot.
"Putain jai raté le dernier métro!" Verdammt jetzt hab ich die letzte Metro verpasst! (in Paris ist um ein Uhr nachts Schicht im Untergrund, in der Nacht zu Sonntag fahren die Züge immerhin bis um zwei Uhr)
"Le WC se trouve sur le palier" Die Toilette ist auf dem Gang (unerlässlich bei der Wohnungssuche)
"Wesh cousin, bien ou bien?" Ey Alter wie gehts? (Begrüßung in verlan, der Jugendsprache aus den Vorstädten)
"Cest nimporte naoik!" Das ist doch totaler Schwachsinn! (Nochmal verlan, das mittlerweile auch die Jugend der feineren Viertel erreicht hat. Der Trick ist, dass einige Wörtern phonetisch umgedreht werden: aus quoi wird naoik; aus famille wird millefa, aus femme wird meffe usw.)
"Paris et le désert français" Paris und die französische Wüste (Titel eines Buchklassikers und Lebensgefühl vieler Pariser, die für den hinterwäldlerischen Rest des Landes nicht viel übrig haben)
"Parisien, tête de chien" Beliebte Beleidigung, die Franzosen aus der Provinz ihren arroganten Hauptstädtern an den Kopf werfen. Genau genommen an den Hundekopf, denn das sagt die Beschimpfung nämlich aus.