1993 - DER SPIEGEL
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1993

Bilderpanorama
• aus DER SPIEGEL 52/1993
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Bildunterschriften:

RHEINHAUSEN 1987 hatten die Stahlarbeiter von der Ruhr noch erfolgreich für den Erhalt des Werks Rheinhausen protestiert, 1993 kam das Aus. Auch die Nacht der tausend Feuer, ein Protestmarsch von 27 000 Arbeitern, konnte die Schließung des Werks nicht mehr verhindern. Es wird wohl nicht das letzte sein: Der Thyssen-Konzern erwägt sogar, die Stahlproduktion wegen der Billigkonkurrenz aus Osteuropa in Deutschland ganz aufzugeben.

INSIDER Tiefer als Franz Steinkühler ist noch nie ein Gewerkschaftsführer gefallen. Der IG-Metall-Chef, Daimler-Aufsichtsrat, hatte mit Mercedes-Aktien spekuliert, und das ist zumindest anrüchig. Steinkühler trat zurück. Nun führt sein bisheriger Vize Klaus Zwickel die Gewerkschaft, die vor einer harten Tarifauseinandersetzung steht.

ARBEITSLOSIGKEIT Die deutsche Wirtschaft steckt in ihrer schwersten Krise. Zu Zigtausenden bauen die großen Konzerne Arbeitsplätze ab, um die Kosten zu drücken. Schon fehlen in Deutschland sechs Millionen Jobs, Arbeitslosigkeit wird zum innenpolitischen Problem Nummer eins. Doch wie es zu lösen ist, darüber streiten nicht nur die Politiker, auch die Wissenschaftler sind ratlos. Sicher ist: Auch wenn sich die Konjunktur 1994 langsam erholen sollte, wird die Zahl der Arbeitslosen weiter steigen.

ABBRUCH Der Aufschwung Ost bleibt auch drei Jahre nach der Vereinigung ein Versprechen. Große industrielle Kerne, wie die Buna AG in Schkopau, sind noch immer nicht privatisiert. Ende 1994 will die Berliner Treuhand-Anstalt ihre Arbeit abgeschlossen haben - aber einen neuen Eigentümer für Buna wird es wohl auch dann nicht geben.

BANANEN Die Lieblingsfrucht der Deutschen ist teurer geworden, seit die EU im Sommer Zölle und Quoten für Bananen einführte. Franzosen, Spanier und Briten hatten die Regelung durchgedrückt; sie wollen die Lieferanten in ihren ehemaligen Kolonien in Afrika und in der Karibik schützen. Den Preis zahlen nicht nur die Verbraucher: In den Anbauländern Mittelamerikas wächst die Arbeitslosigkeit.

GATT Das Kürzel mit den vier Buchstaben wurde 1993 populär. Mit einem Hammerschlag beendete Gatt-Chef Peter Sutherland Mitte Dezember das siebenjährige Gezerre um Zölle und Quoten. Der Abschluß des Handelsabkommens soll weltweit die Wirtschaft ankurbeln. Bis zuletzt drohte eine Einigung an der Haltung der Franzosen zu scheitern. Die französische Regierung stand unter massivem Druck ihrer Bauern, die gegen einen Abbau der Agrar-Subventionen protestierten.

STANDORT Eine neue Ost-Euphorie ist in der deutschen Wirtschaft ausgebrochen: Immer mehr Unternehmen verlagern Arbeitsplätze nach Tschechien oder Polen. Billiglohnländer vor der Haustür - diese neue Situation wird die Struktur der deutschen Wirtschaft umkrempeln, mit gravierenden Folgen für den Standort Deutschland. Pionier dieser Entwicklung war VW mit seinem Engagement beim tschechischen Automobilhersteller Skoda. Die Beziehungen der beiden Partner sind inzwischen allerdings getrübt, weil die Wolfsburger Volkswagen AG in Tschechien wesentlich weniger als geplant investieren will.

BOOM Nirgendwo auf der Welt wächst die Wirtschaft so schnell wie in Ostasien. Jahrelang hat die deutsche Industrie die Boom-Region vernachlässigt. Jetzt wollen die deutschen Manager und Politiker verlorenes Terrain zurückgewinnen. Im November reiste ein großer Industrietroß im Gefolge von Kanzler Helmut Kohl in das neue Wirtschaftswunderland China, um für Waren made in Germany zu werben. Zuletzt war Kohl 1987 in China, auch damals begleitete ihn eine Wirtschaftsdelegation. Nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 gingen die Deutschen auf Distanz. Die wird nun aufgegeben - und der rezessionsgeplagten deutschen Exportwirtschaft winken Milliarden-Aufträge.

LEMWERDER Luft- und Raumfahrt gilt als Zukunftsbranche, doch die Gegenwart sieht trübe aus: Die Daimler-Tochter Deutsche Aerospace AG (Dasa) will in den beiden kommenden Jahren über 10 000 weitere Arbeitsplätze streichen und sechs Werke, darunter das im niedersächsischen Lemwerder, schließen. Das Debakel bei der Dasa ist ein weiterer schwerer Schlag für Daimler-Chef Edzard Reuter, der das Unternehmen zum High-Tech-Konzern ausbauen will.

WÄHRUNG Die Mark blieb hart, auch wenn Spekulanten wie George Soros (rechts außen) zur Attacke auf die deutsche Währung bliesen. Das Gefüge im Europäischen Währungssystem (EWS) geriet allerdings im August schwer ins Rutschen, es war durch eine Erweiterung der Bandbreiten nur notdürftig zu retten. Die Gegner von Maastricht jubelten, für sie ist die Währungsunion jetzt endgültig gestorben. Kanzler Kohl aber hält an dem Ziel eisern fest, und helfen soll ihm ein alter Vertrauter: Hans Tietmeyer (rechts). Der bisherige Vize löste Anfang Oktober Helmut Schlesinger als Präsident der Bundesbank ab und senkte, wie erwartet, gleich die Zinsen.

BISCHOFFERODE Der Hungerstreik der Kali-Kumpel aus Thüringen wurde zum Symbol des Widerstands gegen die Politik der Treuhand. Die hatte die ostdeutschen Gruben an den West-Konzern Kali und Salz verkauft - und der will Bischofferode, trotz aller Proteste, schließen.

INNOVATIONEN Die deutsche Wirtschaft hat die Entwicklung neuer Produkte verschlafen, auf Zukunftsmärkten ist sie kaum vertreten. Das soll sich nun ändern, und der Transrapid soll zum Symbol des neuen High-Tech-Standortes Deutschland werden. Die Bundesregierung will die Stelzenbahn, als Werbung für die deutsche Industrie, im Zehn-Minuten-Takt zwischen Hamburg und Berlin verkehren lassen. Die Industrie wird sich an der Finanzierung der umstrittenen Strecke beteiligen, aber am Ende wird der Transrapid den Steuerzahler wohl viele Milliarden kosten. Eine teure Exportförderung: Verkehrspolitisch, warnen Experten, sei das Projekt unsinnig.

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