Telekom: Spekulationen über Sommer-Rücktritt bis zum kommenden Montag - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Telekom Spekulationen über Sommer-Rücktritt bis zum kommenden Montag

Kräftiger Theaterdonner aus Bonn: Die wichtigsten Aufsichtsräte der Telekom sind zu einer Sitzung zusammengekommen, bei der es wohl auch um die Zukunft Ron Sommers geht. Ein Bericht, wonach der frühere VW-Chef Ferdinand Piëch Sommer nachfolgen solle, erweist sich nach einer Dementi-Serie als unhaltbar.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der Gerüchteküche brodelt es mittlerweile auf das Heftigste: Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" wird Ron Sommer bis zum kommenden Montag zurücktreten. Das Magazin beruft sich dabei auf eine nicht näher genannte Quelle im Konzern. Nachdem bereits am Wochenende in Medienberichten darüber spekuliert wurde, die Bundesregierung wolle Sommer vor der Bundestagswahl abberufen lassen, erscheint sein schnelles Ausscheiden immer wahrscheinlicher.

Dafür spricht auch, dass in Bonn übereinstimmenden Agenturberichten zufolge das vierköpfige Präsidium des Telekom-Aufsichtsrates zusammengekommen ist. Darüber, ob bei der Sitzung tatsächlich die Personalie Sommer auf der Tagesordnung steht, gibt es indes widersprüchliche Meldungen. In der Mehrzahl der Berichte heißt es, das Gremium wolle die Bundesregierung zunächst nur um eine klare Stellungnahme zu Sommer ersuchen. Unklar ist, wie der Aufsichtsrat reagieren würde, sollte sich die Regierung nicht eindeutig hinter Sommer stellen. Für eine Abberufung Sommers wäre der Aufsichtsrat zuständig, in dem der Bund nur über ein Mandat verfügt, nicht aber das Präsidium des Gremiums.

Für viel Verwirrung und einen raschen Strom von Dementis sorgte die These der "Wirtschaftswoche", der frühere Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch solle die Nachfolge Sommers antreten. Piëch sowie Sprecher der Bundesregierung und des Volkswagen-Konzerns wiesen dies eindeutig zurück. "Herrn Dr. Piëch ist das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Telekom nicht angetragen worden. Und er würde auch nicht beabsichtigen, ein solches Engagement anzutreten", sagte ein VW-Sprecher in Wolfsburg.

Das Magazin hatte berichtete, Bundeskanzler Gerhard Schröder habe Piëch bei einem Treffen in Berlin am vergangenen Freitag den Posten angetragen. Der Regierungssprecher bestätigte zwar, dass beide Männer beim deutsch-amerikanischen Freundschaftsfest zusammengekommen seien. In Gesprächen zwischen Schröder und Piëch sei "mit keinem Wort die Deutsche Telekom erwähnt" worden.

Schröder und Finanzminister Hans Eichel haben sich bisher öffentlich stets hinter Sommer gestellt. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering hatte am Montag gesagt, eventuelle Konsequenzen aus dem Kursverfall der Telekom-Aktie könne nur der Aufsichtsrat ziehen. Müntefering betonte, nicht nur Sommer sei Schuld an den Problemen des Konzerns, sondern auch die Kontrolleure.

Nach einem Bericht des "Tagesspiegels" wird die Telekom Mitte August deutlich verbesserte Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Die Verschuldung sei zur Jahresmitte auf rund 65 Milliarden Euro gesunken und werde Ende 2002 bei unter 60 Milliarden liegen, beruft sich das Blatt auf Unternehmenskreise. Der Schuldenabbau werde zum einen durch den massiven Verkauf nicht-strategischer Beteiligungen und Vermögensteile erreicht. Außerdem sei im zweiten Halbjahr mit dem Verkauf des Kabelnetzes in einigen Regionen zu rechnen.

Um beim Schuldenabbau voranzukommen, prüft die Telekom nach Angaben aus Unternehmenskreisen den Verkauf von Teilen der Sparte T-Systems. Es sei bisher keine Entscheidung gefallen und es gebe noch keine Verhandlungen, hieß es am Dienstag. Das Unternehme plane zum Beispiel die Veräußerung von Rechenzentren, berichtete die "Financial Times Deutschland".

T-Systems verkauft Telekomleistungen an Großkunden. T-Systems-Chef Christian Hufnagel hat den Auftrag, das Unternehmen bis Ende 2002 fit für die Börse zu machen. Aus Unternehmenskreisen hieß es bislang, es solle kein Tafelsilber verkauft werden. Die Telekom habe mit dem Schuldenabbau genügend Zeit und strebe keine Schnellverkäufe an.

Wie schon in den vergangenen Tagen hat die CDU der Bundesregierung auch am Dienstag in Sachen Telekom eine falsche Politik vorgeworfen. Die Regierung hätte sowohl als Hauptaktionär als auch über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, bei der die Aktien des Bundes geparkt sind, ihren Einfluss geltend machen und für eine "Veränderung der Verhältnisse" sorgen müssen, sagte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer in Berlin. Vor allem die Kleinaktionäre der Telekom seien getäuscht worden, dies sei eine Schande. Als besonders skandalös bezeichnete es Meyer, dass trotz der Aktieneinbrüche die Gehälter der Vorstandsmitglieder aufgestockt worden seien.