Grassos Jackpot: Entrüstung über 140-Millionen-Dollar-Zahlung an Wall-Street-Boss - DER SPIEGEL
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Grassos Jackpot Entrüstung über 140-Millionen-Dollar-Zahlung an Wall-Street-Boss

Die New York Stock Exchange hat ihren Chef Dick Grasso ausgezahlt - jetzt geraten Boss und Börse wegen der fantastischen Summe schwer unter Beschuss. Die Wertpapieraufsicht will ermitteln.
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New York - Kaum einer konnte die Zahl fassen, als er heute morgen seine Zeitung aufschlug. 139,5 Millionen Dollar hatte sich der Vorsitzende der New York Stock Exchange (NYSE) Dick Grasso auf einen Schlag von seinem Arbeitgeber auszahlen lassen - freilich völlig legal, wie er versicherte.

Schließlich sei so einiges angelaufen in seiner 30-jährigen Dienstzeit: Pensionsbezüge, Sparbeträge und andere betriebliche Ansprüche. Seit 36 Jahren stehe er im Dienst der Börse, seit 1988 als deren Präsident, jetzt sei die Zeit für persönliche Finanz- und Erbschaftspläne gekommen - daher die Riesenauszahlung.

Die US-Börsenaufsicht SEC sieht die Angelegenheit dagegen nicht ganz so entspannt: Man habe Bedenken und wolle sich die Details der Auszahlung mal genauer ansehen, teilte sie mit. Nachdem die Summe gestern bekannt geworden war, war in den USA vielerorts Entrüstung laut geworden.

Geschockt zeigten sich Experten, die die Bezüge von Spitzenmanagern amerikanischer Unternehmen und Organisationen analysieren. "Das ist eine große Tiger-Woods-Ziffer", erklärte John Challenger, der angesehene Chef der Stellenvermittlungsfirma Challenger, Gray & Christmas der "USA Today" am Donnerstag. Die "New York Post" titelte mit "Grassos Jackpot" - die Chancen auf solch eine Summe gibt es sonst wahrlich nur im Spielkasino.

Die Summe könne höher sein als die Gewinne einiger an der NYSE notierten Unternehmen, sagte Charles Elson, Leiter des Firmenaufsichts-Programms der Universität von Delaware. Die Zahlung sei schlichtweg "umwerfend". Kritiker monieren zudem, dass Grasso die Zahlungen schon jetzt erhielt, da sein bisheriger Anstellungsvertrag eigentlich erst 2005 auslaufen sollte.

Gegen die Kritiker und hinter Grasso stellte sich Carl McCall, der Leiter des Entlohnungsausschusses im Verwaltungrat der weltgrößten Börse. Flugs stimmte er ein Loblied auf seinen Chef an: Unter Grassos Führung habe die NYSE ein enormes Wachstum und große Erfolge verbucht. Unter Grasso habe die Börse 1549 der 2800 an ihr notierten Unternehmen hinzu gewonnen. Unter Grasso habe sich der Marktwert der notierten Aktien mit derzeit 14,8 Billionen Dollar mehr als verdoppelt. Und: Grasso habe die Börsentechnologie revolutioniert.

Dass die Millionen des Wall-Street-Chefs lange alleine bleiben, ist nicht zu befürchten: Gleichzeitig mit der einmaligen Auszahlung hat Grasso auch einen neuen Anstellungsvertrag unterzeichnet, der bis Ende Mai 2007 läuft. Sein jährliches Gehalt beträgt wie bisher 1,4 Millionen Dollar, die NYSE zahlt Grasso zusätzlich einen jährlichen Bonus von mindestens einer Million Dollar.