Finanzaktien im Minus: Sorge um Banken lähmt die Börsen - DER SPIEGEL
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Finanzaktien im Minus Sorge um Banken lähmt die Börsen

An der Börse geht die Angst um: Die Krise auf dem US-Immobilienmarkt hat erstmals auch ein deutsches Kreditinstitut erfasst – die Mittelstandsbank IKB. Ihr Aktienkurs fällt dramatisch, auch andere Finanztitel geben nach - und ziehen den Dax nach unten.
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Frankfurt am Main - Die zunehmende Furcht vor einer Ausweitung der US-Hypothekenkrise auf die europäischen Märkte hat Börsenhändlern heute die Stimmung vermiest. Von den Bankentiteln im Dax   notierte am frühen Nachmittag kein einziger im Plus. Am schlimmsten erwischte es die Commerzbank   – sie gab bis 14.30 Uhr rund 3,7 Prozent ab. Auch die Deutsche Bank  verlor fast 1,9 Prozent. Auch die Postbank   verlor, ebenso wie die Dresdner-Bank-Mutter Allianz  . Das Minus bei den Finanztiteln zog den Dax insgesamt nach unten, der 0,55 Prozent verlor und bei 7410 Punkten notierte.

"Nachdem IKB   die Krise am US-Immobilienmarkt zum Anlass für eine Gewinnwarnung genommen hat, geht jetzt die Angst um", sagte ein Händler in Frankfurt. In der Nacht hatte die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB ihre Profitprognose gesenkt und einen überraschenden Wechsel an der Konzernspitze mitgeteilt: Stefan Ortseifen sei als Mitglied und Sprecher des Vorstands ausgeschieden. Neuer Vorstandschef sei das KfW-Vorstandsmitglied Günther Bräunig, teilte die IKB mit.

Die Krise war offenbar ernst. In der Mitteilung hieß es, wegen der Probleme am US-Immobilienmarkt und der damit einhergehenden Verunsicherung sei die Bonität der IKB gefährdet gewesen. Die KfW, die 38 Prozent der IKB besitzt, musste einschreiten. Sie habe "die notwendigen Maßnahmen getroffen", um die Bonität der IKB zu sichern, hieß es. Die KfW leiste "damit einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Marktes".

Die Börsen straften die IKB heute ab, ihre Aktie verlor bis 14.30 Uhr fast 24 Prozent.

Warten auf den Branchenprimus

Die Probleme am US-Hypothekenmarkt belasten die Börsen seit Monaten. Mehr als 50 amerikanische Finanzierer sind Bankrott gegangen oder haben sich selbst verkauft. Am härtesten hat es Institute getroffen, die sich auf Kreditnehmer mit niedriger Bonität konzentriert haben - das sogenannte Subprime-Geschäft.

Mit Nervosität warten die Märkte nun auf die Deutsche Bank – sie wird am Mittwoch über den Verlauf des zweiten Quartals berichten. Nach Ansicht von Analysten hat der Branchenprimus zwar weiter von den lebhaften Kapitalmärkten profitiert. Vor allem getrieben von einem starken Handelsergebnis hat er wohl rund ein Fünftel mehr als im Vorjahr verdient.

Die Analysten erwarten aber vor allem nähere Informationen zu den Auswirkungen der US-Immobilienkrise auf die Deutsche Bank. Ihr Risikovorstand (Chief Risk Officer), Hugo Bänziger, hatte allerdings schon Anfang des Monats darauf verwiesen, dass man die Anzeichen für die Probleme auf dem Subprime-Markt frühzeitig gesehen und Konsequenzen gezogen habe.

Analyst Andreas Weese von der UniCredit-Tochter HVB hält die momentane Stimmung für übertrieben. Die wachsende Nervosität im Markt dürfte sich nach den guten Quartalszahlen der Deutschen Bank etwas beruhigen, erwartet er. Auch die Entwicklung bei den US-Investmentbanken habe gezeigt, dass das Umfeld nach wie vor sehr günstig ist, schreibt der HVB-Experte.

Ein Commerzbank-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AP auf Anfrage, weder die Commerzbank noch ihre Tochter Eurohypo gäben direkte Kredite an Privatkunden in den USA. In überschaubarem Umfang sei man am Verbriefungsgeschäft mit diesen Krediten beteiligt. Bei der Verbriefung wird ein Kredit oder sein Risiko am Kapitalmarkt verkauft.

Immerhin die Aktie der britischen HSBC   stemmte sich heute gegen den Negativtrend. Sie hat in der ersten Hälfte des Jahres gut verdient - die Aktie verteuerte sich um knapp 2,5 Prozent.

itz/dpa/dpa-AFX/Reuters/AP