Analysteninterview "T-Online-Aktie ist noch vorsichtig bewertet"
SPIEGEL ONLINE:
Wie geht es mit T-Online weiter?
Kitz: In dieser Woche wird sich die Aktie besser entwickeln als der Nemax. Ein Grund ist die Nachfrage der Kleinanleger, die das Papier immer noch als "Schnäppchen" sehen, auch wenn T-Online heute schon stark zugelegt hat. Wichtiger ist aber die Rolle der Banken, die an dieser Emission beteiligt sind und den Kurs pflegen dürften.
SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von den Berichten über hohe Verluste bei T-Online?
Kitz: Die sehe ich auch. In diesem Jahr sind Verluste im dreistelligen Millionenbereich zu erwarten. Aber das muss für die Aktie kein Problem sein. Rechnet man den Börsenwert von T-Online auf den Wert pro Kunden herunter, so ist die T-Online-Aktie mit ca. 6200 Euro pro Kunde noch vorsichtig bewertet.
SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Sie die Entwicklung bei Technologie- und Telekommunikationswerten insgesamt?
Kitz: Für die Blue Chips in diesem Bereich habe ich meine Einschätzungen nicht verändert. Der Kurseinbruch, den wir in diesen beiden Sektoren gesehen haben, ist eigentlich nicht mit verschlechterten Gewinnaussichten für die von mir verfolgten Werte begründet. Ich würde das eher als eine Kaufgelegenheit sehen, wenn die Kurse jetzt noch ein wenig herunterkommen. Da auch andere Analysten dies ähnlich bewerten, ist eine gewisse Erholung zu erwarten. Ich möchte jedoch nicht versprechen, dass die Kurse die alten Höchststände wieder erreichen werden.
SPIEGEL ONLINE: Hat die Telekom-Aktie durch den Börsengang von T-Online Aufwind erhalten?
Kitz: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits hat die Telekom mit dem niedrigen Emissionspreis viel weniger eingenommen als geplant. Das ist die schlechte Seite. Auf der anderen Seite läuft die Emission von T-Online gut, was natürlich positiv auf die Telekom-Aktie ausstrahlen dürfte. Da die Telekom noch weitere Börsengänge vorhat, ist dieses Signal sehr wichtig.
SPIEGEL ONLINE: Sollte man bei der Telekom jetzt wieder einsteigen?
Kitz: Ja, denn meines Erachtens überwiegen die positiven Signale.
SPIEGEL ONLINE: Die Telekom plant ja, weitere Unternehmen hinzuzukaufen. Welche könnten Sie sich vorstellen?
Kitz: Ich würde mir Cable & Wireless wünschen. In Amerika ist Global Crossing im Gespräch, ein Unternehmen, das Telekommunikationslösungen für multinationale Konzerne anbietet.
Das Interview führte Carsten Matthäus