A350-Entwicklung Turbinenprobleme bei Airbus
Hamburg - Bisher gaben sich General Electric (GE) und Rolls Royce schweizerisch neutral im transatlantischen Wettstreit zwischen Boeing und Airbus. Die beiden Turbinenhersteller beliefern traditionell beide Unternehmen mit ihren Produkten - was auch notwendig ist. Denn Kunden wünschen sich beim Flugzeugkauf in punkto Antrieb normalerweise die Wahl zwischen mehreren Anbietern, mit denen sie ohnehin separat verhandeln.
Schon seit längerem allerdings zeichnen sich Bruchstellen in diesem friedvollen Miteinander über alle Wettbewerbs- und Landesgrenzen hinweg ab: 2005 entschied sich Boeing für GE als Lieferant für die Motoren für ein neu überarbeitetes 747-8-Modell. Rolls-Royce hingegen ist der Exklusiv-Lieferant zweier großer Versionen des A340.
Beim neuen Langstreckenjet A350 droht der Streit nun vollends zu eskalieren, wie das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet: Zurzeit kooperiert Airbus bei den Turbinen nur mit Rolls Royce, die Verhandlungen mit General Electric ziehen sich schon lange hin. Das Problem: Die größte geplante Version des neuen Prestigefliegers kollidiert hinsichtlich der Turbinen mit der Boeing 777, für die General Electric exklusiv eine Turbine hergestellt hat. Das US-Zulieferunternehmen sagt deshalb, es werde kein neues Modell entwickeln, das mit dem der 777 kollidiert.
Als Vorschlag zur Güte hat GE Airbus eine Version des neuen, für die Boeing 787 vorgesehenen Triebwerks angeboten. Dieses Angebot lehnte Airbus jedoch ab, weil diese Turbine nur für die beiden kleineren A350-Versionen passen würde. "Wir haben eine Familie von Flugzeugen und wir wollen das Familienkonzept beibehalten", sagte Airbus-Chef Louis Gallois. Auf Deutsch heißt das: Die gleichen Turbinen für alle Versionen.
Lösung scheint schwierig
Beiden Unternehmen zufolge wird noch verhandelt, "deshalb möchten wir die Gespräche nicht kommentieren", sagt ein Airbus-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE. Dem "WSJ" zufolge scheint eine Lösung derzeit allerdings ausgesprochen schwierig. Stattdessen wird verbal hin und her geschossen. Der Präsident der GE-Motoren-Sparte, Scott Donnelly, erklärt, nicht sicher zu sein, ob es sich lohnt, die Motoren für den A350 herzustellen. Airbus-Verkaufschef John Leahy beschwert sich derweil: "Das Problem, das wir mit General Electric haben ist, dass sie nach Seattle gehen und sagen: 'Welche Art von Motor sollen wir für euer Flugzeug bauen?", zitiert ihn das "WSJ". "Dann kommen sie nach Toulouse und sagen: 'Hier ist das Flugzeug, das Ihr bauen müsst, damit es auf unseren Motor passt'."
Bei GE weist man den Vorwurf zurück mit dem Hinweis, bei anderen Modellen sei man sehr wohl noch Lieferant. Außerdem erklärt das Unternehmen, dass die Probleme erst mit dem Re-Design des A350 aufgetaucht seien - davor hätte GE ohne Probleme auf alle Pläne gepasst. Vergangenes Jahr waren die Pläne für den A350 noch mal komplett überarbeitet worden, nachdem potentielle Kunden massive Kritik an den ersten Entwürfen geäußert hatten.
Der Ausgang der Auseinandersetzung wird als Menetekel gesehen für die künftigen Beziehungen zwischen den Turbinen-Bauern und den Flugzeugherstellern. Wenn GE definitiv keine Motoren für den A350 baut, werde es künftig heißen: Europa gegen die USA, erklärt Airbus-Strategie-Chef Olivier Andriès laut "WSJ" in einem Interview. "Das Interesse von Rolls Royce wird darin liegen, proaktiv den A350 zu unterstützen, und GE wird die 787 und die 777 stützen."
ase