A380 EADS-Manager wegen Aktiengeschäften unter Druck
Hamburg - Politiker in Frankreich fordern nun eine Untersuchung zu Anteilsverkäufen durch EADS-Manager. Die Finanzmarktaufsicht und der französische Staat müssten Angaben prüfen, ob die Manager schon "über die Schwierigkeiten des Unternehmens auf dem Laufenden waren" und "finanzielle Vorteile daraus gezogen haben". Laut der französischen Finanzmarktaufsicht AMF hatten im März EADS-Co-Chef Noël Forgeard, drei seiner Kinder sowie weitere leitenden Mitarbeiter Aktien verkauft und teilweise Millionengewinne erzielt.
Nicht nur die Aktiengeschäfte sorgen für Wirbel. Wegen der Airbus-Krise bahnt sich in der Führungsspitze von EADS ein Streit an. Hintergrund ist, dass am Dienstag die Airbus-Tochter den Zeitplan für die Auslieferung des größten Passagierflugzeuges der Welt wegen Fertigungs- und Installationsproblemen bei elektrischen Systemen um sechs bis sieben Monate verschoben hat. Die EADS-Aktie hatte daraufhin ein Viertel ihres Wertes verloren. Die Produktionsprobleme bei Airbus werden für EADS zu einem kostspieligen Abenteuer: Der Ertrag vor Zinsen und Steuern wird nach Angaben des Konzerns in den kommenden vier Jahren um insgesamt zwei Milliarden Euro gedrückt.
Laut der Finanzmarktaufsicht AMF hatte Forgeard am 15. März durch die Ausübung von Aktienoptionen und anschließende Verkäufe einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro gemacht. Zwischen dem 15. und 17. März hatten zudem seine drei Kinder jeweils 42.666 EADS-Aktien zu einem Preis von 32,82 Euro verkauft. Sie erzielten daraus jeweils 1,4 Millionen Euro. Unklar ist, ob sie dabei einen Gewinn machten. Auch der Leiter der Raumfahrtsparte erzielte bis Mitte März einen Reingewinn von 365.000 Euro. Der EADS-Personalchef konnte 1,2 Millionen Euro verbuchen - beim Chef der Rüstungssparte waren es 492.880 Euro.
Angesichts dieser Verkäufe verlangte in Frankreich der sozialistische Abgeordnete Gérard Bapt "sofortige Aufklärung" darüber, "ob es ein mögliches Insiderdelikt durch ranghohe Manager gab".
Große Krise
Anfang April hatten auch die französische Lagardère-Gruppe und DaimlerChrysler den Verkauf von jeweils 7,5 Prozent an EADS verkündet. Ein Sprecher von DaimlerChrysler sagte, der Autobauer habe damals nichts von den Airbus-Problemen gewusst.
Der Industrielle Arnaud Lagardère zeigte sich ebenfalls von den Schwierigkeiten vollkommen überrascht. Der EADS-Verwaltungsrat sei erst "vor sehr kurzer Zeit" über die Lieferverzögerungen informiert worden, sagte er der Zeitung "Le Monde". Im Mai sei Airbus-Chef Gustav Humbert dort die Frage gestellt worden, ob es Verzögerungen geben werde. "Seine Antwort war: Wir haben keinerlei Informationen darüber, die uns den Schluss erlauben würden, dass es eine Verschiebung der Auslieferungen geben wird."
Lagardère sprach von einer "großen Krise". Es müsse die Frage gestellt werden, "ob der Airbus-Chef von der internen Lage wusste". Auf die Frage, ob Forgeard noch sein Vertrauen habe, sagte Lagardère, dies werde er mit dem deutschen EADS-Co-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff besprechen.
Seit April informiert
Das EADS-Management wurde nach eigenen Angaben erstmals Mitte April von Airbus über mögliche Verzögerungen bei der Auslieferung des A380 informiert. Zu diesem Zeitpunkt seien noch keine Angaben über den Umfang der zeitlichen Verzögerungen möglich gewesen, sagte heute ein EADS-Sprecher.
Airbus habe nur auf die Probleme beim Hochfahren der Serienproduktion hingewiesen. Im Anschluss daran habe der Flugzeughersteller die zeitlichen Auswirkungen auf die Auslieferungen analysiert und das EADS-Management unmittelbar nach Abschluss dieser Untersuchung darüber informiert, so der Sprecher. Gleichzeitig seien die Kunden in Kenntnis gesetzt worden. EADS habe daraufhin auch die Investoren unterrichtet.
Nach den Turbulenzen in dieser Woche erreichte Airbus eine positive Nachricht aus China: Die Fluglinie Air China bestätigte den Kauf von 24 Maschinen des Mittelstrecken-Typs A320. Das Geschäft hat ein Volumen von umgerechnet 1,4 Milliarden Euro.
tim/Reuters/dpa/DowJones/AFP