A380-Evakuierungsprobe Die Stille nach dem Test
Hamburg - Wie SPIEGEL ONLINE am Rande des Tests erfuhr, war der Evakuierungstest gegen 16.30 Uhr bereits abgeschlossen. Zuvor hatte es geheißen, die Evakuierung solle zwischen 15 und 17 Uhr geprobt werden.
Krankenwagen und Feuerwehr vor Airbus-Halle: Training vor der großen Rutschprobe
Foto: DPABei der Übung sollten bis zu 873 Personen das Flugzeug in einer verdunkelten Halle innerhalb von 90 Sekunden über acht Notrutschen verlassen. Wie zuvor angekündigt, gab Airbus das Ergebnis zunächst nicht bekannt. Nach 17 Uhr soll es eine Unterrichtung für Journalisten geben. Auch dort wird aber nicht mit vielen Details gerechnet.
Falls der Test misslungen ist, kann er nach Angaben eines Airbus-Sprecher wiederholt werden. Airbus hat die Erwartungen sowieso schon nach unten geschraubt: Sollten es 650 Probanden schaffen, das Flugzeug in anderthalb Minuten zu verlassen, sei man mit dieser Zulassung erst einmal zufrieden, hieß es vom Hersteller.
Die freiwilligen Testpersonen absolvierten vor der Übung einen Trainingsparcours, um ihren Gleichgewichtssinn zu schulen. Tests dieser Art sind nicht ungefährlich - es kann zu Verletzungen kommen, falls etwa am Ende der acht Meter hohen aufblasbaren Rutschen Testpersonen zusammenstoßen. 40 Kameras zeichnten die Übung für interne Auswertungen auf.
"Das Programm ist sehr dicht"
Die europäische Zulassungsbehörde EASA (European Aviation Safety Agency) hält den von der Airbus ins Auge gefassten Zeitplan, für den A380 bis Ende des Jahres eine Zulassung zu erhalten, für ehrgeizig. "Das Programm ist sehr dicht", sagte EASA-Sprecher Daniel Höltgen dem "Tagesspiegel am Sonntag".
In den Augen von Stephan Klepp, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz, ist das Gelingen des Evakuierungstests sehr wichtig für Airbus. "Der Erfolg des A380 ist im Aktienkurs des Mutterkonzerns EADS bereits eingepreist. Sollte der Test scheitern, wird sich das negativ auf den Aktienkurs auswirken", betonte Klepp. Eine erfolgreiche Evakuierung sei vor allem für die Außenwirkung wichtig.
Klepp betrachtet die Zahl der Passagiere, für die das Flugzeug zugelassen wird, durchaus als kritische Größe. Die Passagierkapazität des A380 sei schließlich immer als Verkaufsargument angeführt worden, "weil so die Kosten pro Passagier sinken".
Der erste A380, der pro Stück rund 290 Millionen Euro kostet, soll Ende 2006 an Singapore Airlines übergeben werden. Bislang haben 16 Kunden 159 Flugzeuge von dem Typ bestellt. Laut Airbus wird die Gewinnschwelle bei 250 Stück erreicht. Probleme bei der Konstruktion hatten die Verschiebung der Auslieferung nötig gemacht.
In Hamburg baut Airbus Rumpfsektionen für den A380 zusammen, stattet die Kabine aus und lackiert die Flugzeuge. Außerdem werden die Flugzeuge an Kunden aus Europa und dem Nahen Osten ausgeliefert. Hamburg verfügt nach Toulouse und Seattle über die drittgrößte Flugzeugfabrikation der Welt. In Hamburg entstehen außerdem Flugzeuge der kleinen Airbus-A320-Familie.
itz/suc/AP/Dow Jones/dpa