A380-Krise EADS dämpft Jahres-Erwartungen
Paris/Chicago - Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat im ersten Halbjahr bei steigenden Umsätzen operativ kaum Fortschritte erzielt. Zwischen Januar und Ende Juni seien die Erlöse von 16 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 19 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen in Paris mit. Von der Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Analysten hatten im Schnitt mit 18,74 Milliarden Euro gerechnet.
Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern, Firmenwertabschreibungen und Sonderposten kletterte konzernweit von 1,540 auf 1,6 Milliarden Euro und lag damit leicht unter den Erwartungen, die von einem Ergebnis in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro ausgegangen waren. Unterm Strich verdiente der Konzern 1,043 Milliarden Euro nach 922 Millionen im Vorjahr und traf damit die Schätzungen der Analysten.
Die wichtigste Sparte Airbus erlöste 13,154 Milliarden Euro nach 11,262 Milliarden Euro im Vorjahr und steuerte damit etwas mehr bei als von den Experten angenommen. Das operative Ergebnis von Airbus stieg von 1,444 auf 1,491 Milliarden Euro und bewegte sich damit ebenfalls leicht über den Schätzungen, die bei 1,473 Milliarden Euro gelegen hatten.
Geringere Gewinnaussichten
Nach Abschluss der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough mit zahlreichen Neubestellungen bestätigte EADS die optimistische Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr. So will der Konzern 2006 mehr als 37 Milliarden Euro erlösen. Bei Airbus sind 430 Auslieferungen geplant. Auch die weiteren Marktchancen seien für EADS gut, hieß es.
Auf der Ergebnisseite schraubte EADS aber die Erwartungen zurück und reduzierte die Prognose für das operative Ergebnis ans untere Ende der bisherigen Spanne. So soll das Vorsteuer-Ergebnis (Ebit) bei 3,2 Milliarden Euro liegen. Bisher hatte der Konzern eine Spanne von 3,2 bis 3,4 Milliarden genannt. Der Gewinn je Aktie soll bei 2,35 Euro liegen statt wie bisher veranschlagt zwischen 2,35 und 2,55 Euro.
Dieser Ausblick umfasse unter anderem die finanziellen Auswirkungen des überarbeiteten Auslieferungszeitplans für die A380 sowie geschätzte Kosten im Zusammenhang mit dem Teilverkauf von EADS Sogerma Services, hieß es zur Begründung. Die Verzögerungen bei der Lieferung des Riesenfliegers hatten den Konzern in eine tiefe Krise gestürzt. Im Jahresverlauf könnten bestimmte Sachverhalte "diesen Ausblick weiter beeinflussen". Die zusätzlichen Kosten für die Änderungen am A350, der bei Kunden in die Kritik geraten war, ließen sich gegenwärtig noch nicht beziffern. Einmalbelastungen seien aber möglich.
Konkurrent Boeing mit Verlusten
Insgesamt will der Konzern dieses Jahr 430 Airbus-Maschinen ausliefern. Die Tochter führe diese Prognose auf die "gute" Auftragslage zurück, hieß es. Im Jahr 2005 hatte Airbus 378 Maschinen an Kunden übergeben.
Gestern hatte US-Konkurrent Boeing einen Quartalsverlust von 160 Millionen Dollar bekanntgegeben. Für das Minus machte Konzernchef Jim McNerney außergewöhnliche Belastungen im Umfang von über einer Milliarde Dollar verantwortlich. Diese Kosten hätten "solide Grunddaten" überschattet, sagte McNerney.
Boeing musste im zurückliegenden Quartal allein 570 Millionen Dollar für eine gütliche Einigung mit dem Justizministerium zahlen, das Ermittlungen zu Rüstungsgeschäften des Konzerns angestrengt hatte. Weitere 496 Millionen Dollar kostete eine Lieferverzögerung bei einem Überwachungssystem, das Australien und die Türkei bestellt hatten.
Erfolgreich verlief dagegen vor allem das Geschäft mit kommerziellen Flugzeugen, hier stieg das Betriebsergebnis um 51 Prozent auf 719 Millionen Dollar. Boeing hat in den vergangenen drei Monaten 97 Passagiermaschinen ausgeliefert und Airbus vor allem beim Auftragseingang abgehängt.
se/dpa-AFX/Dow Jones/AP