Abrechnungsskandal bei Halliburton: Einmal Essen, dreimal zahlen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Abrechnungsskandal bei Halliburton Einmal Essen, dreimal zahlen

Der amerikanische Halliburton-Konzern gerät wegen unsauberer Abrechnungen für Aufträge im Irak immer stärker in die Defensive. Das Unternehmen hatte Lebensmittellieferungen an die US-Armee gleich dreifach abgerechnet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Im jüngsten Fall geht es um die Verpflegung für die Soldaten einer US-Militärbasis in Kuweit. Die zuständige Tochtergesellschaft Kellogg Brown and Root (KBR) hatte nach Informationen des Wall Street Journal rund 14.000 Gerichte pro Tag ausgeliefert. In der Abrechnung schlugen jedoch 42.000 Mahlzeiten zu Buche. Der Schaden für das Pentagon ist beträchtlich: rund 16 Millionen Dollar.

Wendy Hall, Sprecherin des Konzerns, verteidigte die umstrittene Rechnung. "Der Konflikt dreht sich nicht so sehr um die Höhe der Rechnung. Die Frage ist vielmehr, wie man die Anzahl der pro Tag benötigten Mahlzeiten berechnet." Gemäß Vertrag kann der Konzern nicht die tatsächlich gelieferte, sondern die geplante Dinner-Menge in Rechnung stellen. "Es ist einfach schwierig vorherzusagen, wie viele Soldaten an der Front jeden Mittag essen wollen", so Hall.

In einem internen Memo, das dem Wall Street Journal vorliegt, hatte KBR seine Mitarbeiter und beteiligte Subunternehmen allerdings angewiesen, sich entweder die tatsächlichen oder die geplanten Mahlzeiten bezahlen zu lassen - "je nachdem, welche Summe höher ist".

Trotzdem wird Halliburton noch vergleichsweise glimpflich aus der Affäre herauskommen. Das Pentagon hat sich bereit erklärt, den entstandenen Schaden gegen spätere Forderungen aufzurechnen.

Möglich ist aber auch, dass die Situation für Halliburton nicht so kommod bleibt. Denn der Militärausrüster gerät durch die unseriösen Geschäftspraktiken immer stärker ins Visier der Rechnungsprüfer des Pentagon. Erst jüngst weitete das Pentagon die Untersuchung der Halliburton'schen Abrechnungen auf 50 weitere Militärbasen aus.

Die neue Untersuchung kommt dem Konzern auch deshalb äußerst ungelegen, weil sich die amerikanischen Behörden bereits mit anderen Betrugsvorwürfen gegen Halliburton beschäftigen: Ende Januar hatte das Unternehmen zugegeben, dass zwei seiner Mitarbeiter Schmiergelder im Wert von sechs Millionen Dollar angenommen hatten. Dafür, so Halliburton, hätten sie einem kuwaitischen Zulieferer lukrative Aufträge rund um die Versorgung amerikanischer Truppen im Irak verschafft.

Der zweite Halliburton-Skandal liefert den Gegnern der Bush-Regierung neue Munition gegen den Präsidenten und sein Team. Demokratische Politiker behaupten seit langem, dass Halliburton dank seinen Beziehungen zum Weißen Haus eine staatliche Vorzugsbehandlung genieße - Vizepräsident Dick Cheney hatte den Konzern bis zu seiner Wahl vor drei Jahren geleitet.

Insgesamt hat Halliburton mit Geschäften im Irak bisher sechs Milliarden Dollar vom Staat eingenommen, mehr als doppelt so viel wie die übrigen 40 amerikanischen Auftragnehmer im Irak. Neben den Lebensmittellieferungen verdient der Konzern im Irak mit dem Wiederaufbau der irakischen Erdölindustrie und mit Benzinlieferungen.