Abschied des Internetpioniers Steve Case verlässt Time Warner
Washington - Er sei sicher, dass AOL "einst die führende Internetgesellschaft zu seiner vergangenen Größe zurückkehren kann", erklärte Case in Washington. Gegen Ende des Internetbooms 2001 hatte er den von ihm gegründeten Internetanbieter mit Time Warner zum weltweit größten Medienunternehmen AOL Time Warner verschmolzen. Nach der Mega-Fusion ging es mit dem angeschlagenen Internetunternehmen jedoch weiter bergab.
In den Büchern von AOL tauchten Unregelmäßigkeiten auf. Daneben machte das Platzen der New-Economy-Blase dem Anbieter schwer zu schaffen. 2002 war AOL mit knapp 100 Milliarden Dollar für die höchsten Verluste verantwortlich, die je ein Unternehmen in den USA verbuchen musste. Inzwischen hat das Gemeinschaftsunternehmen 75 Prozent seines Wertes verloren. Das AOL wurde aus dem Namen entfernt.
Angesichts der Schwierigkeiten erklärte Case, der das fusionierte Unternehmen zunächst geführt hatte, bereits Anfang 2003 seinen Rücktritt als Verwaltungsratsvorsitzender. Er gehörte aber weiter dem Führungsgremium an. Im April dieses Jahres gründete er die Risikokapitalgesellschaft Revolution LLC. Um sich deren Wachstum besser widmen zu können, gebe er seine Aufgaben bei Time Warner nun vollständig ab, erklärte Case. Er bleibt jedoch größter Einzel-Aktionär von Time Warner.
Ein Nachfolger für Case ist bis jetzt noch nicht gefunden. Dabei hätte vor allem AOL frische Ideen bitter nötig. Von seiner einstigen Größe ist das Unternehmen nach wie vor weit entfernt. Seit Jahren kämpft die Online-Tochter mit sinkenden Umsätzen und zurückgehenden Kundenzahlen bei seinen Internetzugängen. Erst vor etwas über einer Woche hatte AOL angekündigt, mehr als vier Prozent der 20.000 Mitarbeiter entlassen zu wollen.