Abschied: Schulte-Noelles letzter Auftritt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Abschied Schulte-Noelles letzter Auftritt

Nach zwölf Jahren an der Spitze der Allianz hat sich Vorstandschef Henning Schulte-Noelle am Dienstag auf der Hauptversammlung in München verabschiedet. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sieht er den Konzern auf einem guten Wege.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Das vergangene Jahr sei zwar mit einem Verlust von 1,2 Milliarden Euro sehr enttäuschend gewesen: "Hier gibt es nichts zu beschönigen", sagte Schulte-Noelle. Aber die Weichen seien richtig gestellt. Dieses Jahr sei ein deutlich besseres Betriebsergebnis zu erwarten.

Mit Ablauf der Hauptversammlung ist Michael Diekmann neuer Chef der Allianz. Der 48-Jährige gehört seit fünf Jahren dem Vorstand an und war zuletzt für das Amerika-Geschäft verantwortlich.

Schulte-Noelle hatte die Allianz von einem auf den deutschen Markt ausgerichteten Versicherungsunternehmen zu einem globalen Finanzkonzern ausgebaut. Durch den Kauf von Versicherungsgesellschaften und Vermögensverwaltern in Frankreich und den USA wuchs der Konzern zur Nummer zwei der Branche. Der Börsenabsturz und die Übernahme der defizitären Dresdner Bank rissen aber tiefe Löcher in die Bilanz.

Schulte-Noelle verteidigte die Übernahme der Dresdner Bank erneut als strategisch richtige Entscheidung. Der Verkauf von Lebensversicherungen am Bankschalter habe sich verdoppelt, das Geschäft mit Sachversicherungen habe sich vervierfacht. Der 60-Jährige räumte aber ein, dass Kosten und Risiken in einigen Geschäftsbereichen nicht schnell und konsequent genug angepasst worden seien. Aus den Erfahrungen habe die Allianz jedoch gelernt und werde sich von nun an wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren. Künftig müsse der Konzern unabhängig von der Entwicklung der Kapitalmärkte Gewinne erwirtschaften.

Im ersten Quartal seien Erfolge auf diesem Weg zu verzeichnen: Die Schaden-Kosten-Quote sei unter die entscheidende Marke von 100 Prozent gedrückt worden, das Lebensversicherungs-Geschäft wachse weiter, und bei der Dresdner Bank sei mit einer deutlichen Verbesserung des operativen Ergebnisses zu rechnen. Allerdings werde das Quartalsergebnis weiter von Abschreibungen in einer Größenordnung von 0,8 Milliarden Euro sowie von hohen Restrukturierungskosten belastet. Die genauen Zahlen sollen am 16. Mai veröffentlicht werden.