Abschied Ted Turner verlässt Time Warner
New York - Nachdem das Ende absehbar ist, erwies Time-Warner-Chef Dick Parsons Ted Turner noch mal die Ehre. Turner sei ein Visionär, der bei dem Unternehmen und weltweit "außerordentliche Beiträge" geleistet habe, "ein legendärer Medienpionier und Manager bei Turner Broadcasting und Time Warner", sagte Parsons. Turner werde sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen für seinen Sitz im Board, teilte das Unternehmen dann mit.
Tatsächlich hatte der heute 67-Jährige in den letzten Jahren nur noch Aufsichtsfunktionen bei Time Warner innegehabt und sein Verhältnis zur Unternehmensführung gilt als gespannt. Turner hatte seine Kabelfernsehgesellschaft Turner Broadcasting aufgebaut und groß gemacht. Mitte der neunziger Jahre hatte er sie an Time Warner verkauft und wurde damit zu einem Großaktionär des Medien-Branchenführers. Als der Kurs des Unternehmens nach der wenig erfolgreichen Übernahme von AOL abstürzte, verlor Turner Milliarden.
Bereits vor drei Jahren hatte Turner seinen Posten als Vizepräsident des Board aufgegeben. Danach war seine Macht im Konzern mehr und mehr verblasst. Trotzdem konnte Turner immer auf einen treuen Kreis von Bewunderern zählen. Sie schätzten ihn nicht nur wegen seiner Leistungen - 1980 hatte Turner mit CNN den ersten Dauernachrichtensender der Welt gegründet. Viele Mitarbeiter mochten auch die aufsässige Art des Medienmoguls, wie das "Wall Street Journal" schreibt. Einmal etwa soll Turner aus einer besonders gespannten Verhandlung herausgestürmt sein und eine seiner Uniformen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg angelegt haben. Anschließend sei er - wild mit dem Schwert fuchtelnd - durch die Räume gestürmt, schreibt das Blatt.
Außer Turner wird auch die ehemalige US-Handelsbeauftragte Carla A. Hills aus dem Time-Warner-Board ausscheiden. Sie tritt im Einklang mit der Ruhestandspolitik des Gremiums zurück. Turner und Hills werden noch bis zur nächsten Time-Warner-Hauptversammlung in dem Gremium bleiben.
Für das Unternehmen könnte sich mit Turners Abgang eine schwierige Phase verlängern. Erst in diesem Monat hat Time Warner eine öffentlich ausgetragene Auseinandersetzung mit dem Investor Carl Icahn beigelegt. Der Milliardär hatte eine Neubesetzung des Boards und die Aufspaltung des Konzerns in vier eigenständige Unternehmen gefordert. Time Warner sagte schließlich zu, eigene Aktien für 20 Milliarden Dollar zurückzukaufen und die Wahl zwei neuer Board-Mitglieder zu erwägen.
ase/AFP/dpa/Reuters