Abschwung: Deutsche Wirtschaft bricht ein - DER SPIEGEL
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Abschwung Deutsche Wirtschaft bricht ein

Die globale Rezession trifft Deutschland schwer: Das Wachstum hat sich im Jahr 2008 fast halbiert, stärker als von Bundesregierung und Ökonomen erwartet. Besonders schlimm traf es die Wirtschaft im letzten Quartal, sie schrumpfte um bis zu zwei Prozent - kein gutes Vorzeichen für 2009.
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Frankfurt am Main - Die deutsche Wirtschaft setzt ihre Talfahrt fort: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg 2008 nur noch um 1,3 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mit. 2007 hatte es noch ein Plus von 2,5 Prozent gegeben, 2006 sogar von drei Prozent.

Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsforscher hatten für 2008 mit höheren Zuwächsen gerechnet. Die Regierung war trotz der Finanzkrise und der drastischen Abkühlung der Weltkonjunktur von 1,7 Prozent ausgegangen. Ökonomen hatten laut Prognosen vom Dezember mit einem Anstieg von 1,4 bis 1,5 Prozent gerechnet.

Eisengießer: Starkes Wachstum zu Jahresbeginn

Eisengießer: Starkes Wachstum zu Jahresbeginn

Foto: DDP

Allein in den letzten drei Monaten 2008 brach das BIP um 1,5 bis 2,0 Prozent ein, sagte Norbert Räth vom Statistischen Bundesamt. Damit habe sich die negative Entwicklung zum Jahresende beschleunigt.

Das Wachstum ist damit vor allem dem starken Jahresbeginn zu verdanken. Seit dem Frühjahr steckt die Wirtschaft in einer Rezession, weil die Exporte einbrechen und die Unternehmen weniger investieren. Die Ausfuhren konnte nicht mehr wie gewohnt das Wachstum stützen. Die Exporte wuchsen 2008 nur noch um 3,9 Prozent. 2007 hatte das Exportwachstum noch bei 7,5 Prozent gelegen.

Ökonomen äußerten sich mit Blick auf die Zahlen besorgt. "Die Wirtschaftsleistung dürfte im vierten Quartal um mehr als 1,5 Prozent eingebrochen sein. Das ist eine sehr, sehr schlechte Ausgangslage für dieses Jahr", sagte Holger Schmieding von der Bank of America. Er rechnet für 2009 mit einem Rückgang des BIP um 2,5 Prozent.

"Das Wachstum 2008 liegt unter unseren Erwartungen", sagte Alexander Koch von UniCredit. Das erste Quartal 2009 könne noch einmal so schlimm werden wie das Jahresende oder sogar noch schlimmer. "Damit gibt es keine Hoffnung, dass wir 2009 überhaupt in den positiven Bereich kommen können - es wird eher noch schlimmer", erklärte der Volkswirt.

Kennzahlen zum Bruttoinlandsprodukt 2008

2008 2007
Bruttoinlandsprodukt 1,3 Prozent 2,5 Prozent
Privater Konsum 0,0 Prozent minus 0,4 Prozent
Konsumausgaben des Staates 2,2 Prozent 2,2 Prozent
Ausrüstungsinvestitionen 5,3 Prozent 6,9 Prozent
Bauinvestitionen 2,7 Prozent 1,8 Prozent
Exporte 3,9 Prozent 7,5 Prozent
Importe 5,2 Prozent 5,0 Prozent
Quelle: AP

Zudem hat Deutschland 2008 erneut ein Staatsdefizit ausgewiesen. Das Finanzierungsminus betrug rund 1,59 Milliarden Euro, erklärte das Statistische Bundesamt. Das deutsche Staatsdefizit belief sich damit 2008 auf 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach minus 0,2 Prozent im Vorjahr. Damit erfüllte Deutschland wie in den beiden Vorjahren das Maastricht-Kriterium von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Wie die Bundesstatistiker weiter mitteilten, gaben die Menschen trotz eines über Monate guten wirtschaftlichen Umfelds und höheren Lohnsteigerungen als in den Vorjahren auch 2008 nicht mehr Geld aus. Der private Konsum stagnierte bei null Prozent. Immerhin: Im Jahr 2007 war der Konsum noch um 0,4 Prozent geschrumpft.

Für dieses Jahr sagen alle führenden Institute und Experten einen historischen Konjunktureinbruch voraus. Erwartet wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um etwa zwei Prozent. Das wäre die schärfste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik 1949 (siehe Kasten unten).

Angesichts der schweren Krise hat das Bundeskabinett am Mittwoch dem bisher größten Konjunkturpaket zugestimmt. Die Regierung will das Programm gegen die Wirtschaftskrise in Höhe von 50 Milliarden Euro für zwei Jahre im Grundsatz beschließen. Erst Ende Januar sollen aber die Gesetzesänderungen vom Kabinett formal verabschiedet und im Bundestag eingebracht werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt am Vormittag eine Regierungserklärung im Bundestag zu dem Konjunkturpaket ab, bevor die Abgeordneten darüber debattieren. Geplant sind Steuer- und Abgabensenkungen sowie zusätzliche Investitionen. Die Opposition hält das Programm für nicht ausreichend, um die Krise abzumildern.

50 Milliarden Euro: Eckpunkte des neuen Konjunkturpakets

suc/Reuters/dpa/AP/dpa-AFX