Absturz an der Börse: Dax auf Horror-Niveau - DER SPIEGEL
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Absturz an der Börse Dax auf Horror-Niveau

Die deutschen Aktienmärkte sind trotz guter Vorgaben aus den USA wieder mit Verlusten gestartet. Der Dax durchbrach erneut die 2600-Punkte-Linie. In Japan ist der Nikkei wieder einmal auf den tiefsten Stand seit 19 Jahren gefallen.
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Frankfurt am Main – Die Kursverluste an den deutschen Börsen setzen sich fort. Der Dax ist bis 9.30 Uhr auf 2586 Punkte gefallen, ein Minus von 1,3 Prozent. Der MDax notierte minimal schwächer auf 2771 Zählern. Am Neuen Markt behauptete sich der Nemax 50 knapp mit 314 Punkten.

"Wir hoffen zwar auf eine Erholung, glauben aber nicht wirklich daran", brachte ein Marktteilnehmer die miserable Stimmung im Handel auf den Punkt. Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer, der Dax, steuere nun die psychologisch wichtige Marke von 2500 Punkten an. "Wenn diese Marke nicht hält, ist auch die 2000-Punkte-Marke nicht mehr sicher", ergänzte der Börsianer.

Im Mittelpunkt des Handels standen Epcos   und die Deutsche Telekom  . Epcos-Aktien verloren um 2,4 Prozent auf 5,63 Euro. Der Bauelemente-Spezialist erwartet erst im Jahr 2004 wieder einen deutlichen Wachstumsschub sagte der Vorstandsvorsitzende Gehard Pegam der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die T-Aktie   verbilligte sich um 1,1 Prozent auf 8,71 Euro. Das Unternehmen will in den kommenden drei Jahren konzernweit rund 50.000 Arbeitsplätze streichen. Das sind erheblich mehr als bislang bekannt. Einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Welt" bestätigte Konzernsprecher Ulrich Lissek in weiten Teilen.

Unter Druck zeigten sich auch die Automobilwerte. DaimlerChrysler-Titel   führten die Verliererliste mit einem Abschlag von 3,5 Prozent auf 31,70 Euro an. Ihnen folgten die Papiere von Volkswagen  , nachdem der Konzern die Schließung der Wolfsburger Produktion für die ersten beiden Januar-Wochen angekündigt hatte. Der Kurs verlor 2,5 Prozent auf 30,34 Euro. Und auch BMW-Anteilsscheine   büßten 2,5 Prozent auf 30,20 Euro ein. Am Vortag hatten sich Analysten negativ zur Autobranche geäußert.

Deutliche Verluste erlitten auch die Aktien der Commerzbank  . Sie gaben um 2,1 Prozent auf 5,19 Euro ab. Am Vortag hatte die Ratingagentur Standard & Poor's die Einstufung der langfristigen Kreditwürdigkeit für die Commerzbank von "A" auf "A-" gesenkt. Die Aktien der Deutschen Bank   büßten 1,6 Prozent auf 37,14 Euro an und die der HypoVereinsbank   sanken um 1,4 Prozent auf 11,59 Euro.

Die amerikanischen Aktienbörsen haben am Dienstag nach dem schweren Einbruch der letzten Tage wieder etwas Hoffnung geschöpft. Es zeichnet sich eine Rückkehr der Hafenarbeiter in die seit rund eineinhalb Wochen geschlossenen 29 Häfen an der US-Westküste ab. Die 10.500 Arbeiter kehren entweder im Zuge einer von US-Präsident George W. Bush angestrebten 80-tägigen Abkühlungsperiode an ihre Arbeitsplätze zurück oder im Rahmen einer 30-tägigen Verlängerung des ausgelaufenen Tarifvertrages, die die Hafenarbeitergewerkschaft jetzt offeriert hat.

Der Dow-Jones-Index stieg um 78,65 Zähler oder 1,1 Prozent auf 7501 Punkte. Der S&P-500-Index legte um 13,27 Zähler oder 1,7 Prozent auf 798 Punkte zu. Der Nasdaq-Index festigte sich um 9,82 Zähler oder 0,9 Prozent auf 1129 Punkte.

Einzelhandelsaktien wie Wal-Mart   wiesen Pluszeichen auf. Die Kaufhauskonzerne, Discounter und großen Einzelhandelsketten können jetzt hoffen, dass ihr Warennachschub aus Fernost zur Aufstockung der Lagerbestände für die außerordentlich wichtige Weihnachtssaison doch noch rechtzeitig ins Rollen kommt.

Pepsi-Aktien   waren sehr gefragt, da der Erfrischungsgetränke- und Knabbergebäckhersteller im dritten Quartal ausgezeichnet verdient hat.

Bank-, Verbraucher-, Pharma- und Versicherungswerte waren ebenfalls gesucht. Dagegen kamen Aktien des Internetausrüsters Cisco   unter die Räder. Chip-Aktien waren ebenfalls gedrückt. Das galt auch für Rüstungsaktien, Goldwerte, Versorgungstitel und Autoaktien.

Die im Nikkei 225 zusammengefassten Aktienkurse sind am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit 19 Jahren gefallen. Der Index sank in Tokio um zwei Prozent auf 8539 Punkte. Auf diesem Niveau hatte sich der Index zuletzt im Juni 1983 bewegt. Der breiter angelegte Topix verlor 1,9 Prozent oder 16,50 Punkte auf 844 Punkte. Der japanische Markt stellte sich damit erneut gegen den Handelstrend an der Wall Street.

Im Handelsverlauf unterbot das japanische Aktienbarometer sogar klar die charttechnisch bedeutsame Marke von 8500 Punkten. Händler erklärten den neuen Tiefstand mit der verbreiteten Furcht, das von der japanischen Regierung angekündigte Vorgehen gegen faule Bankkredite im Bau- und Immobiliengewerbe zu zahlreichen Unternehmenspleiten führen wird und die Arbeitslosigkeit weiter ansteigen lassen.

Zu den Verkäufern zählten dem Vernehmen nach insbesondere ausländische Investoren. Diese hätten sich besonders von Aussagen des Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi verunsichert gezeigt. Der Regierungschef hatte zusätzliche Ausgaben zur Ankurbelung der Wirtschaft eine Absage erteilt.

Erneut zählten Bankwerte zu den schwächsten Aktien. Mizuho   verloren 21.000 Yen auf 173.000 Yen, UFJ sanken um 19.000 Yen auf 175.000 Yen. Sumitomo Mitsui Banking sanken um sechs auf 505 Yen. MTFG trotzten dagegen dem Trend und gewannen 28.000 Yen auf 828.000 Yen.

Chipwerte folgten dem sehr schwachen Trend an der Wall Street. Fujitsu   gaben um 21 Yen auf 434 Yen nach, NEC   verloren um 16 Yen auf 464 Yen. Hitachi   gaben um 17 Yen auf 518 Yen nach.

Der Kurs des Euro hat im frühen Handel am Mittwoch um die Marke von 0,98 Dollar gependelt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Morgen Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag bei 0,9800 (Montag: 0,9808) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0204 (1,0196) Euro.

Impulse für den Devisenhandel wurden am Markt von den Daten zur deutschen Industrieproduktion im August erwartet, die im Tagesverlauf veröffentlicht werden. Volkswirte rechnen mit einem Produktionsrückgang als Folge der Flutkatastrophe.