Abwehrschlacht: Conti-Chef in der Zwickmühle - DER SPIEGEL
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Abwehrschlacht Conti-Chef in der Zwickmühle

Mit harschen Worten hat Conti-Chef Manfred Wennemer Widerstand gegen den Übernahmeversuch der Industriellen-Familie Schaeffler angekündigt. Die Verbalattacken lassen aber auch eine gewisse Ohnmacht durchscheinen: Viele Möglichkeiten zur Gegenwehr besitzt Conti nicht.
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Berlin - Die Bedrohung von außen führt bisweilen zu ungewöhnlichen Allianzen: Ausgerechnet mit dem ungeliebten Manfred Wennemer üben die Funktionäre der IG Metall zurzeit den Schulterschluss - mit dem Manager also, der nicht erst seit der Schließung des Reifenwerks in Hannover-Stöcken als Lieblingsfeind gilt. Doch angesichts dessen, was den Autozulieferer zuzukommen droht, wenn die Clan-Chefin Maria-Elisabeth Schaeffler in Hannover das Ruder übernehmen würde, scheint selbst der eiserne Pfennigfuchser Wennemer wie ein milde regierender Patriarch.

Noch ist zwar nicht klar, was die Schaeffler-Gruppe mit Continental   vorhat. In der Öffentlichkeit kursieren nur wilde Gerüchte - die Palette reicht von der stillen Beteiligung bis zur Zerschlagung des Konzerns, etwa durch den Verkauf der Reifensparte. Doch offiziell bestätigt ist davon nichts. Das Unternehmen strebe eine strategische Beteiligung von mehr als 30 Prozent an Conti an, aber nicht notwendigerweise eine Mehrheit, sagte Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger lediglich.

Wennemer hat sich nach den ersten Gesprächen gleichwohl schon seine Meinung gebildet: "Wir sind getäuscht worden und haben schnell erkannt: Schaeffler will nicht verhandeln", erklärte er am Mittwoch. Die Franken hätten darüber hinaus alle Regeln missachtet, die für den Kauf großer Mengen von Aktien bestehen, fügte Wennemer hinzu - und verband seine Replik gleich mit einer Kriegserklärung: Schaeffler verhalte sich "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos". Conti werde sich nicht als willfähriges Opfer für Schnäppchenjäger hergeben.

Der stellvertretende Conti-Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der IG BCE hatte schon am Dienstag die drohende Gefahr von Stellenstreichungen an die Wand gemalt. Sein IG-Metall-Kollege, Bezirksleiter Hartmut Meine, sprach von einer schleichenden Übernahme. "Die Erfahrung lehrt, dass alles, was im Verborgenen hinter verschlossen Türen ohne Arbeitnehmerbeteiligung entschieden wird, zu Lasten der Beschäftigten und ihrer Arbeitsplätze geht."

Schlammschlacht programmiert

Klare Fronten also. Und auch wenn Schaeffler-Sprecher Detlef Sieverdingbeck die Gesprächsbereitschaft der Familie betont: Die Öffentlichkeit darf sich auf eine echte Schlammschlacht gefasst machen. Die Frage ist nur: Wer hat die besten Chancen den Kampf zu gewinnen?

Zunächst einmal stehen die Chancen für die Franken nicht schlecht. Über sogenannte Swap-Geschäfte haben sie sich in aller Stille rund 28 Prozent der Conti-Aktien gesichert - plus der bereits bestehenden direkten und indirekten Beteiligung von knapp acht Prozent ergäbe sich schon jetzt eine sichere Mehrheit bei der Hauptversammlung.

Nach Überzeugung von Experten sind sie dabei jedenfalls rechtlich auf der sicheren Seite. Denn die Swap-Geschäfte seien ein durchaus gangbarer Weg, um die Meldepflicht zu umgehen, erklärt der Frankfurter Rechtsgelehrte Theodor Baums. "Da ist eine Gesetzeslücke, die durchaus schon häufiger genutzt worden ist."

Ein solches Swap-Geschäft kommt einer Wette um den künftigen Kursverlauf der Aktie gleich. Für die Bank hält sich das Risiko in Grenzen, denn sie kann einfach ein entsprechendes Paket des betreffenden Wertpapiers kaufen - im konkreten Fall knapp unter drei Prozent von Conti. Am Ende wird das Geschäft in Bar abgerechnet, weshalb auch die Meldepflicht entfällt. Für die Aktien hat die Bank anschließend keine weitere Verwendung und kann sie verkaufen - in diesem Fall bietet sich die Schaeffler-Gruppe als Käufer geradezu an.

Bankenaufsicht soll den Fall prüfen

Dasselbe Geschäft soll Schaeffler gleich mit mehreren Banken verabredet und auf diese Weise den 28-Prozent-Anteil zusammengetragen haben. Finanzkreisen zufolge hat Wennemer inzwischen schon einen Antrag bei der Bankenaufsicht abgeben lassen, die Abwicklung der Swapgeschäfte von Schaeffler mit Conti-Aktien zu untersagen. Doch große Erfolgschancen räumen die Experten dem Antrag nicht ein.

"Natürlich müsste man den Sachverhalt erst genau prüfen", schränkt Baums, ein. Doch grundsätzlich sei die Methode nach der derzeit geltenden Rechtslage schwer angreifbar, "auch wenn sie nicht wirklich einwandfrei ist". Die Parallelen zur Übernahme von Volkswagen   durch Porsche   seien unübersehbar und es sei nicht sehr wahrscheinlich, dass sich die Akteure eine rechtliche Blöße gegeben hätten. Die Annahme Baums' hat einiges für sich: Schaeffler-Chef Geißinger ist eng mit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking befreundet.

Dem Conti-Management bleiben dagegen nur noch wenige Möglichkeiten, die Mehrheitsverhältnisse unter den Aktionären in ihrem Sinne zu beeinflussen. Überdies sind ihnen dabei nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) enge Grenzen gesetzt. "Sie können das offizielle Übernahmeangebot von Schaeffler, das ab einem Anteil von 30 Prozent erfolgen muss, um eine eigene Stellungnahme ergänzen", erklärt Thomas Möllers, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Augsburg. Und anschließend hoffen, dass sich die Aktionäre in ihrem Sinne entscheiden.

Ein Recht, das Baums bereits mit einigem Unbehagen erfüllt. Schließlich hätten bei Unternehmensverkäufen im Mittelstand, wie sie tagtäglich stattfänden, ausschließlich Anteilseigner und Käufer etwas zu sagen. "Öffentliche Diskussionen um Übernahmen bei Aktiengesellschaften machen Sinn, weil die vielen Anteilseigner auf diese Weise am einfachsten zu erreichen sind - nicht etwa, damit jeder seinen Senf dazu gibt", erklärt der Gelehrte. Schließlich sollen sich Vorstand und Aufsichtsrat die Aktionäre nicht aussuchen dürfen.

Enge Grenzen bei der Auswahl der Gegenmittel

Dem Grundsatz folgend muss der Conti-Vorstand auch mit Gegenmitteln wie dem Abschluss unattraktiver Verpflichtungen - der so genannten Gift-Pille - oder dem Verkauf von Kronjuwelen vorsichtig umgehen. "Die Verteidigungsstrategie darf nicht darauf ausgerichtet sein, das eigene Unternehmen zu schädigen", erklärt Baums.

Eine andere Möglichkeit - nämlich die Unterbreitung eines Gegenangebots - dürfte in diesem Fall ziemlich wirkungslos sein: Die Schaeffler-Gruppe ist ein Familien-Unternehmen und damit eine schwer einzunehmende Festung für einen Angreifer.

Die zweifelsohne riskanteste Strategie für den Conti-Vorstand wäre die Anwerbung eines freundlicher gesinnten Aufkäufers, weißer Ritter genannt. Ein Interessent dürfte zwar durchaus einfach zu finden sein, schließlich gilt Conti als exzellent geführtes Unternehmen und überdies an der Börse unterbewertet. Doch am Ende wäre nicht auszuschließen, dass ein solcher Retter eigene Ziele verfolgt, die denen der Niedersachsen womöglich noch stärker zuwider liefen als die des Schaeffler-Clans.

Ein Problem für Conti zeichnet sich indes schon jetzt ab: Wennemer dürfte kaum ohne Schaden aus der Auseinandersetzung hervorgehen. Er muss sich unterwerfen, ganz gleich, ob nun der Schaeffler-Clan zum Zuge kommt, oder ein anderer Investor - keine einfache Rolle für jemanden, der bislang das Heft in der Hand hatte. Branchenkenner mutmaßen denn auch bereits, dass der 61-Jährige seinen bis 2011 laufenden Vertrag nicht noch einmal verlängert. Conti verlöre damit den derzeit erfolgreichsten Manager eines Dax-Konzerns.

Mit Material von dpa-AFX und Reuters