Abzock-Affäre Spitzer klagt gegen Ex-Börsenchef
New York - "Dieser Fall steht dafür, was bei der Entlohnung von Managern falsch laufen kann", teilte Spitzer in einer schriftlichen Erklärung mit. Kurz zuvor hatte der Generalstaatsanwalt seine Anklage gegen Grasso und gegen dessen früheren Mitarbeiter Kenneth Langone eingereicht.
Grasso war im vergangenen Jahr nach heftigen Protesten wegen seiner Pensionsansprüche in Höhe von 188 Millionen Dollar zurückgetreten. Spitzer hatte vor vier Monaten im Zusammenhang mit der Affäre ein Ermittlungsverfahren begonnen. Er will Grassos Gehaltsvereinbarungen für ungültig erklären lassen und mindestens 100 Millionen Dollar zurückerhalten.
Wo waren die Kontrolleure?
Der Mitangeklagte Langone war ein langjähriger Freund Grassos und bei der New York Stock Exchange (NYSE) für Vorstandsentlohnung zuständig. Auch gegen weitere Ex-Führungskräfte soll Anklage erhoben werden.
Spitzer bezeichnete Grassos Entlohnung nicht nur als unangemessen, sondern auch als illegal. Eine Kontrolle durch das board, grob vergleichbar mit dem Aufsichtsrat, habe nicht stattgefunden. Nach dem 11. September 2001 hatte Grasso viel Lob eingeheimst. Der reibungslose Neustart des Handels nach den Anschlägen galt vor allem als sein Verdienst.
Seit Grassos Ausscheiden im September 2003 hat die Börse auch auf Druck der Aufsichtsbehörde SEC Reformen in der corporate governance eingeleitet. Neuer Chef wurde der frühere Goldman-Sachs-Banker John A. Thain.
Grasso hat bisher etwa 140 Millionen Dollar erhalten. US-Medienberichten zufolge besteht er auf Auszahlung der restlichen Millionen. Die NYSE hat bereits Rückstellungen gebildet, um sich für den Fall zu rüsten, dass Grasso sich mit seinen Forderungen durchsetzt.
Die Börse versucht ihrerseits, von Grasso den größten Teil der ausgezahlten Summe zurück zu erhalten. Auch sie droht ihm mit Klage, will aber verzichten, falls der Ex-Manager einlenkt.