Ackermanns Mega-Deal Postbank droht Hängepartie
Hamburg - Auf diesen Tag hat Josef Ackermann gewartet. Nun endlich kann sich der weltläufige Schweizer, dem so häufig mangelndes Interesse am Standort D vorgehalten wird, als Retter und Konsolidierer der deutschen Finanzlandschaft feiern lassen. Das Motto: Weg mit dem hässlichen Bild vom millionenschweren, polyglotten Victory-Ackermann - künftig wird uns der Chef der Deutschen Bank als Deutschland verbundener Manager in Schwarz-Rot-Gold präsentiert.
Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Eine Option ist eine Option ist eine Option"
Foto: DPADen Berliner Politikern war diese nationale Lösung offenbar so wichtig, dass sie sogar ein weiterreichendes Angebot der spanischen Banco Santander abblitzen ließen, die für das gesamte zum Verkauf stehende Aktienpaket (50 Prozent plus eine Aktie) geboten hatte.
Mit dem Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank soll - so der politische Wille - nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank ein weiteres großes nationales Institut entstehen. Ein Finanzkoloss, mit rechnerisch 30 Millionen Privatkunden weltweit und einem Börsenwert von nahezu 40 Milliarden Euro, der den deutschen Unternehmen und Privatkunden in der ganzen Welt hilfreich zur Seite stehen soll.
"Ein Meilenstein in der deutschen Bankenlandschaft", feierten auch Ackermann, Deutsche-Post-Chef Frank Appel und Postbank-Chef Wolfgang Klein auf der gemeinsamen Pressekonferenz den Deal. Gemeinsam sei man künftig Marktführer im deutschen Geschäft mit den Privatkunden und auf Augenhöhe mit den europäischen Konkurrenten.
Wirklich? Der Einstieg der Deutschen Bank wirkt unentschlossen und halbherzig. Ackermann "übernimmt" eben nicht die Postbank, sondern erwirbt zunächst ein Paket in Höhe von 29,75 Prozent. Er sei künftig "Finanzinvestor" der Postbank, betont der Deutschbanker selbst, und verfüge über einen "Minderheitsanteil". Ob die Deutsche Bank in den kommenden Monaten ihre Kaufoption für weitere 18 Prozent zum Preis von 55 Euro je Aktie nutzen und damit die Postbank tatsächlich übernehmen wird, das - so Ackermann - sei heute noch nicht entschieden. "Eine Option ist eine Option ist ein Option", sagt er. Über die Ausübung werde später befunden - deutlicher geht es nicht.
Und sollte Post-Chef Appel seine Put-Option zu 42,80 Euro je Aktie nutzen und so Ackermann den restlichen Postbank-Anteil aufdrücken, dann kann der Deutsche-Bank-Chef das schöne Paket mit ordentlichem Aufschlag weiterverkaufen.
Die Deutsche Bank hat bei der Postbank gerade einmal einen Fuß in der Tür, mehr wollen die Frankfurter offenbar nicht. Denn strategisch bleiben alle Alternativen offen. Zunächst einmal hat Ackermann verhindert, dass ein Wettbewerber die Postbank übernimmt - so wie Bayern München Stürmerstar Lukas Podolski verpflichtet und auf die Reservebank verbannt, damit er nicht für den HSV oder Werder Bremen Tore schießt. Und über das Filialnetz der Postbank kann Ackermann künftig wunderbar seine Produkte vertreiben.
Die Zukunft der Postbank ist damit weiterhin ungewiss. Kommen wir nun zur Deutschen Bank oder nicht, werden sich die Arbeitnehmer in den kommenden Monaten fragen. Und auch die Börsianer sind mit dem Deal unzufrieden - die Postbank-Aktie rauschte nach der Verkündung in den Keller.
Womöglich wird nicht Josef Ackermann die Frage "rein oder raus" entscheiden, sondern sein Nachfolger. Der Schweizer geht mit der Hauptversammlung 2010 in Rente. Und wie Ackermanns Nachfolger über die Postbank-Option denken wird, sei dahingestellt. Sollte es ein Investmentbanker werden - was sollte ihn dann daran hindern, das Postbank-Paket mit ordentlicher Prämie weiterzuverkaufen? Etwa an die Banco Santander?