Ackermanns Millionen "Da stimmt die Größenordnung nicht"
Frankfurt am Main - Ob Wulf von Schimmelmann wohl neidisch ist? Der Vorstandschef der Postbank verdiente im Jahr 2005 "nur" 1,7 Millionen Euro und blieb damit weit hinter seinem Deutsche-Bank -Kollegen Ackermann zurück. Der kam im vergangenen Jahr auf ein Grundgehalt, leistungsabhängige Boni und Aktienrechte im Gesamtwert von 11,9 Millionen Euro. So steht es im heute veröffentlichten Geschäftsbericht der Bank.
Ackermanns Gehaltserhöhung lag damit bei rund 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2004 hatte der 58 Jahre alte Schweizer noch 10,1 Millionen Euro erhalten. Zum Vergleich: Der Chef des amerikanischen Finanzkonzerns Citigroup, Charles Prince, kam 2005 auf 23 Millionen Dollar (19,0 Millionen Euro).
Ackermann selbst weist gerne darauf hin, dass er bei der Deutschen Bank mitnichten der Topverdiener sei. Erfahrungsgemäß verdienen einige Manager aus dem mächtigen zehnköpfigen Group Executive Committee (GEC) unterhalb des Vorstands und im Investmentbanking deutlich mehr als ihr Chef. Sie müssen aber ihre Gehälter nicht individuell offenlegen.
Im Zuge eines Gerichtsverfahrens war vor kurzem herausgekommen, dass die Mitglieder des GEC 2003 für ihre Arbeit im Schnitt je 12,9 Millionen Euro bezogen hatten. Im vergangenen Jahr hatte Ackermann selbst betont, er sei beim Gehalt nur die "Nummer 14" in der Bank gewesen.
Geteilte Meinungen
Aktionärsschützer waren über die Ackermann-Bezüge geteilter Meinung. Willi Bender, Vorstand der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK), sagte der "Augsburger Allgemeinen", solche Summen seien "nicht mehr nachvollziehbar. Da stimmt einfach die Größenordnung für deutsche Verhältnisse nicht". Der Hauptgeschäftsführer der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, zeigte Verständnis. "Das Unternehmen ist erfolgreich, deshalb ist die Summe nachvollziehbar", sagte er dem "Tagesspiegel".
Von Gewerkschaftsseite gab es Kritik. "Wir kritisieren die Höhe der Bezüge, denn sie kann durch keine Leistung gerechtfertigt werden", sagte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong dem "Tagesspiegel". "Dazu kommt, dass eine Unternehmenspolitik, die darauf abzielt, Personal abzubauen, mit solchen Gehältern nicht in Einklang zu bringen ist."
Der Jahresüberschuss des größten deutschen Finanzhauses war im zurückliegenden Geschäftsjahr um 43 Prozent auf 3,529 Milliarden Euro geklettert. "2005 war für die Deutsche Bank ein Rekordjahr. Die Bank ist sowohl in ihrem Heimatmarkt Deutschland als auch international gut aufgestellt", schrieb Ackermann in einem Brief an die Aktionäre.
Inzwischen stammt die Mehrheit der Aktionäre der Deutschen Bank wieder aus deren Heimatland: Mit 52 Prozent (2004: 49 Prozent) bilden deutsche Investoren die größte Gruppe der Anteilseigner, gefolgt von Anlegern aus der Europäischen Union (30 Prozent) und den USA (elf Prozent). Deutlich abgenommen hat der Anteil von Investoren aus Ackermanns Schweizer Heimat.
itz/dpa-AFX