Adecco: Neuer Bilanzskandal befürchtet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Adecco Neuer Bilanzskandal befürchtet

Der Aktienkurs des weltgrößten Personaldienstleisters Adecco hat sich am Montag nahezu halbiert. Weil der Schweizer Konzern die Vorlage der Bilanz auf unbestimmte Zeit verschoben hat, rechnen die Anleger mit dem Schlimmsten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Cheserex - Es sei nicht möglich, die Prüfung des Geschäftsberichtes für das vergangene Jahr fristgerecht abzuschließen, teilte Adecco   am Montag mit. Grund für die Verzögerung sei "die Identifikation von materiellen Schwachstellen bei den internen Kontrollen" im Nordamerika-Geschäft der Division Adecco Staffing.

Wann die Publikation der Jahresergebnisse erfolge, stehe derzeit noch nicht fest, sagte Adecco-Sprecher Francois Vassard. Ursprünglich war die Bilanzvorlage für den 4. Februar vorgesehen.

Ferner will das Unternehmen bis zur Vorlage der Zahlen die Einhaltung von Bilanzierungs- und Kontrollvorschriften in einigen Ländergesellschaften überprüfen. Der Einfluss dieser möglichen Verfehlungen auf das Jahresergebnis 2003 müsse geprüft werden, hieß es. Zu diesem Zweck hat Adecco unabhängige Berater mit der Einleitung einer Untersuchung beauftragt.

"Große, unabschätzbare Unsicherheiten"

Die Aktien des weltgrößten Personalvermittlers (Umsatz 2002: 25 Milliarden Schweizer Franken) brachen am Montag in Folge der Mitteilung um bis zu 48 Prozent ein.

Mehrere Banken stuften das Papier am Montag herab oder rieten den Anlegern zum Verkauf. Angesichts der dürftigen Informationen sei eine Einschätzung derzeit extrem schwierig, sagte Nicole Burth, Analystin bei Lombard Odier. Bei den Problemen könne es sich sowohl um einen größeren Betrugsfall à la Parmalat oder um simple Schwierigkeiten bei der Umsatzerfassung handeln. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) schloss in ihrem Marktbericht Bilanzfälschungen ebenfalls nicht aus. "Auf Grund des aktuellen Kommunikationsstands bestehen große, unabschätzbare Unsicherheiten", sagte ZKB-Analyst Rolf Kunz.

Kaffee-Erbe als Aufsichtsratschef

Adecco (28.000 Mitarbeiter in rund 5800 Niederlassungen in 68 Ländern) war 1996 von Klaus Jacobs aus den bis dato unrentablen Unternehmen Adia und Ecco geschmiedet worden. Jacobs, der seinen Kaffee- und Schokoladenkonzern (Milka, Toblerone) einige Jahre zuvor für 3,1 Milliarden Schweizer Franken an den amerikanischen Konsumriesen Philip Morris - jetzt Altria - verkaufen musste, um mit 700 Millionen Schweizer Franken seine Geschwister auszubezahlen, ist nach wie vor Vorsitzender des Aufsichtsrats und hält über die KJ Jacobs AG knapp 12 Prozent der Adecco-Anteile.

Eine Sprecherin von Adecco Deutschland wollte die Meldungen aus der Schweizer Zentrale gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren.