Adidas-Salomon: Dollar als Handicap - DER SPIEGEL
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Adidas-Salomon Dollar als Handicap

Über mangelnde Nachfrage braucht sich Adidas-Salomon-Chef Herbert Hainer nicht zu beklagen. Der schwache Dollarkurs jedoch machte dem Sportartikel-Hersteller einen kräftigen Strich durch die Rechnung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Herzogenaurach - Wenn es um den Verkauf von Sportartikeln geht, spielt die Musik in Amerika. Der Markt dort ist mit Abstand der größte der Welt. Und Adidas gehört zu den Erfolgreichen. Um vier Prozent stieg deren Umsatz im ersten Quartal. Doch in Herzogenaurach können sie sich davon buchstäblich nicht mehr viel kaufen, denn der schwache Dollar machte die gesamte Kalkulation zunichte. In Euro umgerechnet blieben lediglich 405 Millionen Euro übrig - 15 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die schwache Ausbeute aus dem Amerika-Geschäft ist wohl auch ein Grund dafür, dass der zweitgrößte Sportartikel-Hersteller der Welt mit seinen Quartalszahlen Analysten und Anleger enttäuschte, obwohl sie so schlecht eigentlich nicht sind. Immerhin ist der Überschuss nach Angaben des Unternehmens im ersten Quartal 2003 um 19 Prozent auf 51 Millionen Euro gewachsen.

Nach den Worten von Unternehmenschef Hainer steht die Gewinnsteigerung von 19 Prozent für den höchsten Zuwachs in einem ersten Quartal seit sechs Jahren. Starke Einnahmesteigerungen in Asien und Europa hätten über die Dollar-Misere hinweggeholfen, sagte er weiter. In Europa sei der Umsatz um zehn Prozent auf 933 Millionen Euro und in Asien um acht Prozent auf 281 Millionen Euro gestiegen.

Die Enttäuschung der Analysten erklärt sich mit deren Erwartungen. Sie hatten im Schnitt mit einem Überschuss von 52 Millionen Euro gerechnet. Auch was den Gesamtumsatz betrifft, riss Adidas-Salomon trotz einer Steigerung um zwei Prozent auf 1,669 Milliarden Euro die Latte. Die Analysten hatten 16 Millionen Euro mehr sehen wollen.

Die Anleger reagierten ebenfalls missmutig. In der ersten halben Stunde nach Handelsbeginn sackte der Aktienkurs um 4,36 Prozent auf 79,93 Euro. In dieser Zeit stieg der Dax um 0,78 Prozent auf 2931,70 Punkte. Insbesondere wegen des schwachen Amerika-Geschäfts hatte die Dresdner Kleinwort Wasserstein die Aktie kurzfristig auf "trading sell" gestuft. Die Einstufung bleibe aber insgesamt "add". "Adidas-Salomon hat ziemliche Probleme in Nordamerika", sagte eine Münchener Händlerin. "Die Zahlen sehen auch dann schlecht aus, wenn man den Währungseinfluss herausrechnet."

Noch gewichtiger aber ist der Blick in die Auftragsbücher. Hier lässt das nächste Quartal eher einen Abschwung erwarten. Allein in Nordamerika ging der Auftragsbestand um 22 Prozent zurück, berücksichtigt man den Wertverlust des Dollar, ergibt sich immer noch ein Rückgang in Höhe von drei Prozent. Ein Lichtblick immerhin: In jüngster Zeit legten die Zahlen der Auftragseingänge wieder kräftiger zu, nachdem der Konzern seinen Produkten in einer aufwändigen Werbekampagne ein "cooleres Image" verpasst hatte.

Weltweit sieht die Situation noch günstiger aus. Hier spricht Hainer von einem Plus in Höhe von neun Prozent. Für das Gesamtjahr gibt sich der Adidas-Salomon-Chef denn auch optimistisch. Es soll bei einem Umsatzwachstum in Höhe von fünf Prozent bleiben. Der Konzerngewinn solle um bis zu 15 Prozent steigen. "Uns bleibt noch genügend Arbeit für den Rest des Jahres, insbesondere wenn wir uns die Entwicklung der Adidas-Auftragsbestände in Nordamerika ansehen", erklärte Hainer.