Adlon-Affäre: Eichel watscht Welteke ab - DER SPIEGEL
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Adlon-Affäre Eichel watscht Welteke ab

Finanzminister Hans Eichel hat den Bundesbank-Präsidenten Ernst Welteke erstmals öffentlich kritisiert. In einem Zeitungsinterview spricht er von einem unmöglichen Verhalten seines langjährigen Weggefährten.
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Frankfurt am Main - Er halte es für "nicht für hinnehmbar, dass der oberste Repräsentant der Bank, der ja auch Aufsichtsfunktionen wahrnimmt, sich und seine Familie von einer zu beaufsichtigenden Bank einen Kurzurlaub finanzieren lässt", sagte Eichel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Ein solches Verhalten verstoße auch gegen den Verhaltenskodex der Europäischen Zentralbank, legte der Finanzminister nach. Eichel erneuerte in dem Interview die Forderung nach einer "schnellen und für das Ansehen der Bundesbank konsequenten Lösung" der Affäre. Eine Änderung des Bundesbank-Gesetzes hält er laut "FAZ" aber nicht für notwendig.

Die Unionsparteien wollen die Hotelkosten-Affäre des Bundesbank-Präsidenten und deren Hintergründe vor den Deutschen Bundestag bringen. Allerdings startet die Opposition damit einen Angriff auf das Finanzministerium. "Die Union will im Haushaltsausschuss klären, ob das das deutsche Watergate ist", sagte CDU-Haushaltsexperte Steffen Kampeter. Die Informationen könnten vom Finanzministerium illegal beschafft und weitergegeben worden sein. Dazu müssten Finanzminister Hans Eichel (SPD) und sein PR-Berater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle im Ausschuss Auskunft geben. Die "Bild"-Zeitung und "Welt am Sonntag" hatten berichtet, aus Eichels unmittelbarer Umgebung - möglicherweise von Schmidt-Deguelle - könnten Informationen über Weltekes Hotel-Rechnung weitergegeben worden sein. Die Sache soll Kampeter zufolge eventuell auch das Parlamentsplenum beschäftigen. Schmidt-Deguelle und das Finanzministerium haben bereits alle Vorwürfe als unbegründet zurückgewiesen.

Welteke hatte sich Silvester 2001 einen viertägigen Hotelaufenthalt für sich und seine Familie von der Dresdner Bank bezahlen lassen. Er hatte an einer Feier der Bank in Berlin aus Anlass der Euro-Bargeldeinführung teilgenommen. Der Bundesbank-Vorstand hatte darin keinen hinreichenden Grund gesehen, Welteke den Rücktritt nahe zu legen. Welteke lässt aber seitdem sein Amt bis auf weiteres ruhen und hat Teile der Kosten nachträglich gezahlt.

Die Bundesregierung hat Welteke wiederholt indirekt zum Rücktritt aufgefordert. Vor seiner Berufung an die Spitze der Bundesbank war Welteke zwischen 1991 und 1995 zuerst Wirtschafs- und dann Finanzminister im Kabinett des damaligen hessischen Ministerpräsidenten Eichel.