Adtranz DaimlerChrysler weiter in der Mangel
Stuttgart - Ein Unternehmenssprecher gab am Mittwoch zu, dass "eine vertragliche Vereinbarung bezüglich des Eigenkapitals" existiere. Demnach verpflichte sich DaimlerChrysler, Bombardier bei in diesem Jahr anfallenden Verlusten von Adtranz entgegenzukommen.
Der Konzern bestätigte damit einen entsprechenden Artikel der "Financial Times Deutschland". Die Zeitung hatte berichtet, dass Adtranz mit einem festgelegten garantierten Eigenkapital übernommen werde. Einen exakten Betrag nannte der DaimlerChrysler-Sprecher unter Verweis auf entsprechende Abmachungen jedoch nicht. Die Stuttgarter hatten zuvor betont, dass mit dem vereinbarten Kaufpreis alle Verpflichtungen an den Käufer übergehen würden.
Der Verkauf von Adtranz könnte nach Angaben der Zeitung auch wegen möglicher Auflagen der Kartellbehörde gefährdet sein. Wie das Blatt am Mittwoch berichtet, rechnen Branchenkreise "mit spürbaren Auflagen und mit einer intensiveren Prüfung durch die Kartellbehörden".
Anstoß für das Kartellamt könnte sein, dass die großen Kapazitäten, über die Bombardier mit Talbot in Aachen und der Deutschen Waggonbau in Berlin verfügt, durch den Erwerb von Adtranz erheblich erweitert werden.
Der nach Auffassung der Zeitung für Branchenverhältnisse extrem niedrige Verkaufspreis von 790 Millionen Euro sowie die Zugeständnisse im Kaufvertrag ließen den Rückschluss zu, dass sich DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp schnellstmöglich von Adtranz trennen wolle. Der Bahn-Hersteller hatte 1998 und 1999 Verluste von jeweils 400 Millionen Euro hinnehmen müssen.