AEG: Beschäftigte erhalten hohe Abfindungen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

AEG Beschäftigte erhalten hohe Abfindungen

Nach fünf Wochen Streik haben sich die Parteien endlich geeinigt: Mehr als doppelt so viel will Electrolux den Nürnberger AEG-Mitarbeitern nun an Abfindung zahlen, auch bei vielen anderen Forderungen der Streikenden gab das Management nach. Geschlossen wird das Hausgerätewerk trotzdem.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nürnberg - Der Sozialtarifvertrag für die rund 1700 Mitarbeiter sehe eine Abfindung in Höhe von 1,8 Monatsgehältern pro Beschäftigungsjahr vor, teilte der schwedische Mutterkonzern Electrolux mit - ursprünglich hatte das Unternehmen 70 Prozent eines Monatsgehalts pro Jahr geboten. Die IG Metall hatte 2,7 Gehälter gefordert. Die Mitarbeiter würden nach der Schließung außerdem von einer Beschäftigungsgesellschaft übernommen, erklärte AEG-Sprecher Michael Eichel weiter. Electrolux werde dafür mehr als 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Die Hausgeräteproduktion in Nürnberg soll bis Ende 2007 schrittweise heruntergefahren werden. Die genaue Zeitplanung werde auf lokaler Ebene beraten, hieß es weiter. Für ältere Mitarbeiter wurden Vorruhestandsregelungen vereinbart. Für die drei Servicegesellschaften Kundendienst, Ersatzteile und Logistik sowie einzelne Bereiche der Vertriebsorganisation vereinbarte das Management mit der Gewerkschaft, einen Haustarif zu entwickeln.

Fünf Wochen hat es gedauert, bis sich die Verhandlungsführer auf dieses Ergebnis einigen konnten. Der nach eigenen Angaben weltweit größte Hausgerätehersteller hatte im Dezember angekündigt, das Nürnberger AEG-Werk zu schließen und die Produktion von Waschmaschinen und Geschirrspülmaschinen nach Polen und Italien zu verlagern. Daraufhin traten die Mitarbeiter des Werks in den Streik, den die IG Metall mit großem Aufwand organisierte: Busweise wurden Arbeiter aus anderen deutschen Hausgeräte-Werken nach Nürnberg gebracht, um ihre Solidarität zu bekunden; der Sänger Konstantin Wecker komponierte ein eigenes Lied für die Streikenden.

So mutierte der Arbeitskampf immer mehr zum Symbol für den generellen Kampf gegen die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins billigere Ausland. Electrolux litt unter Lieferengpässen, weil die Produktion in Nürnberg stillstand, und vor allem unter dem Imageverlust. Ein Ende schien lange nicht in Sicht, die Forderungen lagen meilenweit auseinander. Die Gewerkschaft forderte einen Sozialtarifvertrag, der weit über einen üblichen Sozialplan hinaus ging und insgesamt rund 350 Millionen Euro gekostet hätte. Electrolux hatte Abfindungen, Frühpensionierungen und Qualifizierungsmaßnahmen im Volumen von 115 Millionen Euro angeboten. Schließlich wurde der ehemalige bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) zum Vermittler gemacht.

Der nun vereinbarte Sozialtarifvertrag sei der beste, der in Deutschland bisher erzielt worden sei, freute sich IG-Metall-Sprecher Rolf Famulla jetzt. "Es waren extrem schwierige Verhandlungen", gestand auch Johan Bygge, Vorstand für das Hausgerätegeschäft von Electrolux in Europa, ein. Dennoch demonstriert er Zufriedenheit: Die Anstrengung habe sich gelohnt, sagte er. Mit dem vereinbarten Paket werde Electrolux seiner Verantwortung für die Mitarbeiter im Nürnberger Werk gerecht. Das Unternehmen rechnet weiter damit, dass die Kosten für die Schließung bei rund 240 Millionen Euro liegen werden. Den Angaben zufolge wollen die Verhandlungsführer der Arbeitnehmer und der Tarifkommission morgen die Urabstimmung zur Annahme des Sozialtarifvertrags empfehlen.

ase/AP/ddp