AEG-Streit Electrolux wirft IG Metall "Geiselnahme" vor
Stockholm/Nürnberg - "Für unsere Beschäftigten hoffe ich, dass es ein Resultat gibt. Es ist nicht fair, wenn sie als Geiseln benutzt werden", sagte Stråberg heute in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Stockholm. "Das tut die IG Metall, die nicht verhandelt." Er bekräftigte zugleich, dass an der Schließung des seit 20. Januar bestreikten Nürnberger AEG-Hausgerätewerks kein Weg vorbei führe.
"Nicht überrascht" zeigte sich Stråberg davon, dass die IG Metall die für diesen Donnerstag geplante nächste Gesprächsrunde abgesagt hat. "Das ist Verhandlungstaktik." Er selbst sei in dem Konflikt "auf jede Weise zu erreichen", versicherte der Electrolux-Chef. "Es kommt nicht darauf an, ob ich physisch vor Ort bin oder nicht. Wir haben ein gutes und kompetentes Team in Nürnberg." Er glaube an eine baldige Lösung des Konflikts. "Ich hoffe eben auch, dass unsere Mitarbeiter nicht für ganz andere Verhandlungsziele ausgenutzt werden."
Gleichzeitig erklärte der schwedische Konzern, dass Electrolux-Produktionsvorstand Horst Winkler ab sofort das Management bei den Verhandlungen mit den Arbeitnehmern vertreten wird. Der 49-Jährige löse den bisherigen Verhandlungsleiter, AEG-Hausgeräte-Chef Dieter Lange, ab, teilte Electrolux heute mit. Lange habe selbst um diesen Schritt gebeten, um der IG Metall nicht weiter die "vorgeschobene Ausrede für ihre Verweigerungshaltung zu bieten".
Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer, der die Gespräche auf Gewerkschaftsseite leitet, hatte gefordert, die Verhandlungen direkt mit Mitgliedern des Konzerngremiums und somit mit "Entscheidungsträgern" zu führen. "Die IG Metall will unbedingt, dass ich am Tisch sitze - kein Problem", sagte Winkler. "Dann erwarte ich im Gegenzug aber auch, dass spätestens am Mittwoch endlich ernsthaft über konkrete Lösungen gerungen wird." Die IG Metall reagierte auf den Wechsel zurückhaltend. "Der Austausch von Personen bedeutet noch nichts", sagte Neugebauer der Nachrichtenagentur dpa.
Nürnberg lastet auf der Electrolux-Bilanz
Die Kosten für die geplante Schließung des Nürnberger AEG-Werks haben den weltgrößten Haushaltsgerätehersteller unterdessen in die roten Zahlen gedrückt. In den letzten drei Monaten des Jahres 2005 verbuchte der Konzern ein Minus von 440 Millionen schwedischen Kronen (47,1 Millionen Euro), nach einem Plus von 748 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Den Angaben zufolge belastete besonders das Sanierungsprogramm im Umfang von rund 224 Millionen Euro. Der Löwenanteil davon sind Rückstellungen für die geplante Schließung des AEG-Werks in Nürnberg.
Das Ergebnis für das vierte Quartal fiel aber immer noch besser aus als von Analysten erwartet. An der Stockholmer Börse legte der Electrolux-Kurs zeitweise um mehr als 5,7 Prozent zu. Der Jahresgewinn der AEG-Mutter sank auf 1,76 Milliarden Kronen (rund 188 Millionen Euro). Im Jahr 2004 hatte Electrolux mit 3,25 Milliarden Kronen noch fast das Doppelte erzielt.
suc/dpa/afp