Aero Lloyd Flugbetrieb soll bald wieder starten
Frankfurt am Main - Für die Wiederaufnahme des Betriebs der Aero Lloyd seien jedoch zunächst 20 bis 50 Millionen Euro nötig, sagte Walter am Montag in Frankfurt. Mit dem Mehrheitsgesellschafter Bayerische Landesbank sollten noch selben Tag Verhandlungen über Finanzierungsfragen aufgenommen werden. Zu welchem Zeitpunkt die ersten Flugzeuge wieder starten könnten, sei noch unklar. "Das hängt von vielen Faktoren ab, das kann ich heute noch nicht sagen", sagte Walter.
Der Rechtsanwalt hatte sich bereits als Insolvenzverwalter bei der spektakulären Pleite des Bauunternehmers Jürgen Schneider einen Namen gemacht. Er habe sich über das Wochenende einen Überblick über die aktuelle wirtschaftliche Situation der Aero Lloyd verschafft und zahlreiche Gespräche mit der Geschäftsleitung und mit der Haupteigentümerin, der Bayerischen Landesbank (BayernLB), geführt.
Er dämpfte jedoch die Erwartungen, die einige an ein von Roland Berger vorgelegtes Sanierungskonzept geknüpft hatten. Dieses sei im Rahmen der Insolvenz nicht durchführbar. "Wir sind dabei, Alternativen einer Restrukturierung im Rahmen des Insolvenzverfahrens zu entwickeln", sagte Walter. Ziel sei es, dass erstens der Flugbetrieb wenigstens zum Teil wieder aufgenommen werden könne und dass zweitens langfristig möglichst viele Arbeitsplätze erhalten blieben.
Der von der BayernLB vorige Woche abgelehnte Sanierungsplan sah nach Angaben aus Unternehmens- und Bankenkreisen neben dem Überbrückungskredit von 23 Millionen Euro eine Kapitalerhöhung bei Aero Lloyd um 35 Millionen Euro vor. Die Airline ist diesen Angaben zufolge mit rund 100 Millionen Euro verschuldet. Der im Auftrag der BayernLB erstellte Sanierungsplan sah binnen drei Jahren schwarze Zahlen für Aero Lloyd vor.
In der Auseinandersetzung mit dem Großaktionär hat Insolvenzverwalter Walter nach Angaben aus Branchenkreisen allerdings einige Druckmittel in der Hinterhand. Denn der BayernLB stehen nach Einschätzung aus Reise- und Bankenkreisen im Falle einer Aero-Lloyd-Pleite höhere Belastungen ins Haus als bisher kalkuliert. Der Gesamtschaden könne sich auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren, hieß es. Normalerweise bedeute die so genannte "Durchgriffshaftung", dass der Hauptgesellschafter hierfür mit aufkommen müsse. Die Bank selbst hatte das Risiko auf deutlich weniger als 250 Millionen Euro beziffert.
Die Rettungsbemühungen müssen nach Einschätzung von Branchenexperten schnell Erfolg haben. "Ansonsten hat Aero Lloyd keine Chance", sagte ein Touristikmanager eines Veranstalters. Die großen Reisekonzerne planen nach offiziellen Angaben zunächst nur für die nächsten Tage und Wochen nach eigenen Angaben ohne Aero Lloyd. Aus Branchenkreisen verlautete jedoch, dass alle großen Konzerns bereits an Alternativkonzepten arbeiteten, um die zur Wintersaison 2003/2004 ursprünglich an Aero Lloyd vergebenen Flugkapazitäten anderweitig zu abzudecken. "Hier glaubt keiner mehr daran, dass Aero Lloyd wieder in die Luft geht", sagte ein Mitarbeiter eines großen Veranstalters.
Zunächst aber erwartet Walter, dass das Luftfahrtbundesamt die ausgesetzte Betriebsgenehmigung kurzfristig wieder erteilt, sobald die ausreichende Finanzierung gewährleistet ist. Am Montag werde zudem ein Antrag auf Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter beim zuständigen Arbeitsamt gestellt, damit die Gehälter möglichst pünktlich gezahlt werden könnten. Die Beschäftigten sollen dem Insolvenzverwalter zufolge am Mittwoch auf einer Mitarbeiterversammlung ausführlich informiert werden.
Aero Lloyd hatte am vergangenen Donnerstag überraschend Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb eingestellt, nachdem die BayernLB den Geldhahn zugedreht hatte. Vertreter der rund 1400 Beschäftigten hatten deshalb am Montagmittag in München vor der Bank demonstriert.