Ärztestreik: Länder warnen vor "Crash" - DER SPIEGEL
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Ärztestreik Länder warnen vor "Crash"

Die Botschaft war deutlich: Zum Beginn der neuen Verhandlungen über den Tarifstreit der Klinikärzte legte der Länder-Verhandlungsführer Möllring ein neues Angebot vor. Jetzt aber erwarte er, dass sich auch der Marburger Bund "erstmals" bewege. Sonst komme es zum "Crash".
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Berlin - Von friedfertiger Stimmung konnte keine Rede sein: Er schätze die Verhandlungsbereitschaft des Vorsitzenden der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, "gleich Null" ein, sagte der Länder-Verhandlungschef Hartmut Möllring. "Wenn er es zum Crash kommen lassen will, dann kommt es eben zum Crash", fügte der niedersächsische Finanzminister hinzu. Montgomery erklärte, er sei "wesentlich pessimistischer als Anfang der Woche".

Dabei liegen große Hoffnungen auf den Verhandlungen, die heute erneut begannen. Sie sollen  endlich eine Lösung für den festgefahrenen Tarifstreit der Klinikärzte und damit ein Ende der monatelangen Streiks bringen. Bei einem Vier-Augengespräch zwischen Montgomery und Möllring am vergangenen Wochenende waren bereits Lösungsmöglichkeiten ausgelotet worden, hieß es.

Doch die Stimmung beim heutigen Zusammentreffen ist angespannter als erwartet. Erst wurden sogar Nachrichten laut, die Gespräche seien nach nur einer Stunde bereits wieder vertagt worden. Denn die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) hatte ein neues Angebot vorgelegt: "Damit sind wir weit genug gegangen, jetzt muss der Marburger Bund sich auch erstmalig bewegen", erklärte Möllring dazu. Über die Vorschläge wolle der Marburger Bund nun intern beraten, hieß es heute Vormittag. Nun wird doch schon weiter verhandelt - das den Gewerkschaftern das Angebot der Länder aber nicht sonderlich gefällt, ist jetzt schon klar.

An den Gehaltsvorschlägen für jüngere Kollegen sei nichts geändert worden, beschwerten sich die Ärzte-Vertreter bereits. Das Angebot enthalte als neue Komponenten einen 25-prozentigen Zuschlag für Bereitschaftsdienste von Ärzten an gesetzlichen Feiertagen, hielt Möllring dagegen. Ein Arzt im dritten Berufsjahr erhalte dadurch allein an einem solchen Tag 625 Euro zusätzlich. Zudem sollten künftig drei Fortbildungstage bezahlt werden. Die neue Gehaltstabelle solle außerdem nicht erst wie der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes im November, sondern ab Juli greifen.

Montgomery erklärte jedoch, es gehe im Kern darum, Nachwuchsmediziner in Deutschland zu halten. Der geforderte Zuschlag von 100 Euro pro jungem Arzt für die ersten zwei Berufsjahre mache nur 2,4 Millionen Euro bundesweit aus.

Das bisherige Angebot der Länder umfasste 509 beziehungsweise 709 Euro mehr für Ärzte im ersten und zweiten Berufsjahr und damit Gehälter von 3600 beziehungsweise 3800 monatlich. Da könnten die Ärzte nicht noch 100 Euro mehr fordern, sagte Möllring. Schon der bisherige Vorschlag koste die Länder 100 Millionen Euro zusätzlich. Möllring stellte aber in Aussicht, den Geltungsbereich des Tarifvertrags auf sämtliche Ärzte in den Kliniken auszudehnen, so auch auf Pathologen. "Ein Arzt ist ein Arzt", sagte der CDU-Politiker.

Der Arbeitskampf wird seit 14 Wochen durch Streiks begleitet, an denen sich in der Spitze knapp 14.000 Mediziner in mehr als 40 Uni- und Landeskliniken beteiligt hatten. Bisherige Verhandlungsrunden waren vor allem an der Vergütungsfrage gescheitert.

ase/dpa-AFX/Reuters