Ärztestreik Zoff im Lager der Gewerkschaften
Berlin - Montgomery warnte die Arbeitgeber davor, einen neuen Tarifvertrag mit der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di abzuschließen und sie damit zu übergehen. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und Ver.di versuchten, einen neuen Tarifvertrag für Kliniken abzuschließen, der auch für die Ärzte gelten solle, kritisierte der Ärzte-Gewerkschafter. Der Marburger Bund solle offenbar ausgebootet werden.
Montgomery warf Ver.di vor, sich als "Billigmacher der Gewerkschaftsgeschichte" zu profilieren. Ver.di habe keine Legitimation, für Ärzte zu verhandeln, da sie Ärzte nur in verschwindend kleiner Zahl organisiere.
Ver.di-Sprecher Harald Reutter wies die Kritik zurück: "Wir tun das, was wir seit Jahrzehnten tun, nämlich für sämtliche Beschäftigte der Krankenhäuser zu verhandeln." Ver.di spreche mit der VKA, seit der Konflikt bestehe. Nun wolle man sehr zügig in Verhandlungen eintreten, bestätigte Reutter. "Die Verhandlungen mit dem Marburger Bund führten offenbar nicht zum Erfolg", stichelte der Sprecher gegen die Ärztevertreter. Ver.di strebe nun eine neue Regelung für die kommunalen Krankenhäuser innerhalb des bestehenden Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst (TVöD) an.
"Lunte am Pulverfass"
Aus Unzufriedenheit mit dem TVöD hatte sich der Marburger Bund im Herbst 2005 von Ver.di abgespalten. Seitdem vertritt der Marburger Bund den Großteil der angestellten Ärzte, Ver.di das gesamte übrige Krankenhauspersonal.
Reutter zufolge könnte ein neuer Ver.di-Abschluss dem Marburger Bund im Tarifstreit den Wind aus den Segeln nehmen: "Wenn die Verhandlungen ein Ergebnis bringen, wird das für die Ärzte interessant sein." Reutter verwies auf einen Beschluss der VKA-Mitgliederversammlung von gestern, der einem Abschluss für alle Berufsgruppen an den kommunalen Kliniken den Vorzug gibt.
Der Tarifkonflikt sei durch Verträge mit nicht legitimierten Gewerkschaften nicht aus der Welt zu schaffen, betonte hingegen Montgomery. Im Gegenteil lege die VKA mit dem Versuch, die Ärzte zu übertölpeln, "die Lunte ans Pulverfass". Aus den Streiks und Demonstrationen könne schnell der "Flächenbrand eines bundesweiten unbefristeten Dauerstreiks" werden, warnte Montgomery. Die Ärzte wollten kein Tarifdiktat der Arbeitgeberseite.
Der Marburger Bund fordert für die bundesweit rund 70.000 Ärzte an den 700 kommunalen Krankenhäusern einen eigenen Tarifvertrag mit mehr Gehalt und besseren Arbeitsbedingungen. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, legten heute erneut mehrere tausend Mediziner die Arbeit nieder. Betroffen waren Kliniken in zehn Bundesländern und insgesamt 108 Städten.
Die Mehrheit der Bürger steht einer Umfrage zufolge übrigens hinter den Forderungen der Mediziner. So halten nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensender n-tv 67 Prozent der Befragten den Streik für gerechtfertigt. Nur 30 Prozent lehnen den Ausstand mittlerweile ab.
mik/ddp