Affäre Lopez
Mitte November 1992: Erste Kontakte zwischen Lopez und VW-Chef Ferdinand Piech.
8. und 9. März 1993: Lopez nimmt in Rüsselsheim an einer streng geheimen Sitzung über die Opel-Modellpläne bis zum Jahre 2003 teil. Wenige Stunden nach Beendigung der Tagung unterschreibt Lopez seinen VW-Vertrag.
10. März: Lopez teilt GM-Chef Jack Smith seine Kündigung mit.
13. März: Smith bewegt Lopez zum Bleiben.
15. März: Lopez verläßt die USA.
16. März: Der VW-Aufsichtsrat überträgt Lopez das Doppelressort Einkauf und Produktion.
22. März: Fünf Lopez-Mitarbeiter aus Detroit und zwei aus Rüsselsheim kündigen fristlos und wechseln zu VW.
5. April: Der SPIEGEL berichtet zum erstenmal über den Verdacht der Industriespionage gegen Lopez und dessen Mitarbeiter.
15. April: Lopez erklärt nach wiederholter Aufforderung durch GM-Juristen, er habe keine geheimen Dokumente nach Wolfsburg mitgenommen.
30. April: Opel erstattet Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Diebstahl und Industriespionage.
24. Mai: Der SPIEGEL berichtet in seiner Titelgeschichte »Der Skrupellose«, wie und in welchem Umfang sich Lopez und seine Krieger Unterlagen und Daten von Opel beschafften.
4. Juni: Lopez erklärt in einem Interview: »Weder ich noch meine Kollegen haben bei unserem Wechsel zu VW etwas mitgenommen, was wir nicht ohnehin in den Köpfen haben.«
9. Juni: Vor dem Landgericht Hamburg erzwingen Volkswagen, Lopez und dessen Mitstreiter den Abdruck von Gegendarstellungen im SPIEGEL. Gleichzeitig erwirken sie ein weitgehendes Verbot der Berichterstattung über die Affäre.
19. Juli: Das US-Justizministerium hat strafrechtliche Ermittlungen gegen Lopez und sein Team eingeleitet.
20. Juli: Das Hamburger Landgericht hebt in allen wesentlichen Punkten die zuvor gegen den SPIEGEL erlassenen einstweiligen Verfügungen wieder auf.
22. Juli: Die Staatsanwaltschaft in Darmstadt bestätigt die Beschlagnahme von vier Kisten in einer Wiesbadener Wohnung. Inhalt: Opel-Unterlagen, auch über das geheime Kleinwagenprojekt O-Car. Zwei Lopez-Mitarbeiter hatten nach Aussagen von Zeugen in der Wohnung GM-Unterlagen vernichtet.
28. Juli: VW-Chef Ferdinand Piech »schließt nicht aus«, daß bei der Durchsuchung in Wiesbaden die geheimen Opel-Daten untergeschoben worden seien.
6. August: VW bestätigt, daß Lopez-Mitarbeiter im VW-Gästehaus Rothehof Unterlagen von General Motors geschreddert haben.
26. August: Die Staatsanwaltschaft Darmstadt läßt in Wolfsburg die Büros von Lopez und dessen Mitarbeitern sowie deren Privatwohnungen durchsuchen. Es werden Computer, Disketten, Kontoauszüge und Schriftwechsel beschlagnahmt.
10. November: Die Staatsanwaltschaft Hamburg bestätigt Ermittlungen gegen Lopez. Es bestehe der hinreichende Anfangsverdacht, daß er im Verfahren gegen den SPIEGEL eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben habe.
26. November: Die von VW beauftragte Prüfungsgesellschaft KPMG fand heraus, daß Lopez-Mitarbeiter im Rothehof rund 10 000 Seiten Opel-Unterlagen kopiert haben, die Hälfte davon ist nicht mehr auffindbar. Außerdem sind Schaubilder und Dokumente von Opel auf VW-Computer übertragen worden. Es habe sich aber nicht um Betriebsgeheimnisse von Opel gehandelt. Die Spionagevorwürfe gegen Lopez, so das offizielle VW-Resümee, hätten sich damit nicht erhärtet. Der Öffentlichkeit wird nur eine geschönte Kurzfassung des Gutachtens präsentiert.