Affäre Weltbank-Chef Wolfowitz lehnt Rücktritt ab
Washington - "Das ist eine wichtige Arbeit, und ich beabsichtige, sie fortzuführen", sagte Wolfowitz am Abend in Washington mit Blick auf die Anstrengungen der Bank bei der Armutsbekämpfung. Wolfowitz reagierte damit auf die Abschlusserklärung der internationalen Partnerländer der Weltbank, die zum Ende ihrer Frühjahrs-Tagung den Druck auf ihn noch einmal erhöht hatten. In der Erklärung hieß es: "Die gegenwärtige Situation bereitet uns allen große Sorge." Die Funktionsfähigkeit der Organisation müsse gewährleistet sein. Es gehe um die Glaubwürdigkeit und den Ruf sowie die Motivation der Mitarbeiter der Weltbank. Besonders deutlich wurde die Kritik in der Formulierung, die Bank-Führung müsse die hohen Standards der inneren Führung erfüllen.
Wie aus kürzlich veröffentlichten Unterlagen der Weltbank hervorgeht, hatte sich Wolfowitz bei seinem Wechsel vom Posten des stellvertretenden US-Verteidigungsministers an die Spitze der Weltbank im Jahr 2005 persönlich für eine deutliche Gehaltserhöhung seiner Lebensgefährtin Shaha Riza eingesetzt, die damals bei der Bank arbeitete. Wolfowitz, der den Kampf gegen die Korruption zu einem seiner wichtigsten Anliegen gemacht hatte, hat inzwischen eingeräumt, dass dies ein Fehler war. Die Mitarbeitervertretung der Weltbank und viele regierungsunabhängige Gruppen fordern seinen Rücktritt.
Auch der wichtige Mitgliedsstaat Deutschland hatte sich gestern wegen der Affäre von Wolfowitz distanziert. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist meine Schlussfolgerung, dass er selbst entscheiden muss, ob er die Aufgabe, die er erfüllt, noch glaubwürdig erfüllen kann", sagte Entwicklungshilfe-Ministerin Wieczorek-Zeul, die in der Bundesregierung für die Weltbank zuständig ist.
reh/AFP/dpa