Affäre Weltbank-Mitarbeiter fordern Rücktritt von Wolfowitz
Washington - Wolfowitz habe das Vertrauen des Personals in seine Führungsrolle zerstört, hieß es in einer Erklärung des Betriebsrats. "Er muss ehrenvoll handeln und zurücktreten." Der Verwaltungsrat müsse deshalb "auf internationaler Ebene" nach einem neuen Präsidenten suchen, "der die Unbescholtenheit der Bank wiederherstellen kann". Am Donnerstag war Wolfowitz bei einer Versammlung vor mehreren hundert Mitarbeitern mit Buhrufen, Pfiffen und Rücktrittsforderungen empfangen worden.
Wolfowitz hatte zuvor zugegeben, dass er einen Fehler gemacht habe, und sich dafür öffentlich entschuldigt. Er übernehme die "volle Verantwortung" für den Vertrag, der seiner Lebensgefährtin Shaha Riza im Herbst 2005 eine Beförderung und eine beträchtliche Gehaltserhöhung auf Kosten der Weltbank eingebracht hatte. Rückblickend betrachtet hätte er sich aus den Verhandlungen über den Postenwechsel heraushalten sollen, sagte Wolfowitz. Er werde in der Angelegenheit jeder Empfehlung des Weltbank-Exekutivrates folgen, die an ihn herangetragen werde.
Der Verwaltungsrat der Weltbank betonte unterdessen, dass er der Gehaltserhöhung der Lebensgefährtin von Wolfowitz niemals zugestimmt habe. Nach einem eintägigen Krisentreffen veröffentlichten die 24 Direktoren in der Nacht zum Freitag eine Erklärung, in der es heißt, weder das Ethikkomitee noch deren Vorsitzender oder der Verwaltungsrat hätten die Bedingungen der Vereinbarung "kommentiert, geprüft oder abgesegnet". Das Ethikkomitee habe lediglich den "informellen" Rat gegeben, dass Shaha Riza versetzt und für die Unterbrechung ihrer Karriere entschädigt werden solle.
Die Affäre gilt als besonders pikant, weil Wolfowitz seit seinem Amtsantritt vehement für die Bekämpfung von Korruption und Vetternwirtschaft in aller Welt eintritt. Aus der Weltbank hieß es, die Affäre berge ein "hohes Reputationsrisiko" für die Institution. Auch überschattet sie die Frühjahrstagung von Weltbank und internationalem Währungsfonds an diesem Wochenende. Gleichzeitig offenbart sie, wie tief der Kluft zwischen Weltbank und dem neokonservativen Politiker und seinen Beratern ist, die er vom Verteidigungsministerium und aus der US-Regierung mitbrachte. Wolfowitz wird von seinen Mitarbeitern unter anderem deshalb argwöhnisch beobachtet, weil er als ein Architekt des Irak-Kriegs gilt.
sam/AFP/dpa