Affären Markenchef sieht VW in ernster Krise
Hamburg/Frankfurt am Main - "Wir müssen erkennen, dass wir massive Probleme haben, die wir sofort anpacken müssen", sagte Bernhard, der neue Chef der Markengruppe Volkswagen, dem SPIEGEL. Die Marke habe eine "relativ große Durststrecke" vor sich. Mit der Einführung von Touran, Golf und Passat sei "im Prinzip unser Modellfeuerwerk weitgehend abgefeuert", sagte Bernhard.
Bernhard will trotz eines Sparprogramms fünf bis zehn zusätzliche neue Fahrzeuge entwickeln. "Wir können bei Volkswagen in der Kürze der Zeit nur auf bestehenden Fahrzeugarchitekturen aufbauen. Etwas völlig Neues zu erfinden ist zu teuer und dauert zu lange." Der VW-Chef kann sich deshalb "selbstverständlich" auch vorstellen, auf Plattformen und Teile der Konzernschwester Audi zurückzugreifen: "Wir sind ein Konzern, der Feind sitzt draußen, nicht drinnen."
Pischetsrieder verspricht Aufklärung
Der Ex-DaimlerChrysler-Manager sagte dem SPIEGEL, auf der Ertragsseite habe Volkswagen "die Nulllinie erreicht". Gemeinsam mit den Zulieferern sollten die Kosten in den kommenden Jahren um fünf Prozent gesenkt werden. Kostensenkungen zu Lasten der Qualität seien nicht machbar. Vielmehr müsse die Qualität gesteigert werden.
Die Korruptionsaffäre dreht sich nach Ansicht von VW-Chef Bernd Pischetsrieder um drei Komplexe: Ein Geflecht aus Tarnfirmen, die Vorwürfe gegen den Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert und schließlich Spesengelder, die möglicherweise in einer Weise eingesetzt wurden, die "wir nicht dulden können", sagte er der "Bild"-Zeitung. Jeder, der dem Unternehmen geschadet habe, müsse zur Rechenschaft gezogen werden.
Pischetsrieder sagte, es sei nicht auszuschließen, dass Reisespesen nicht ordnungsgemäß abgerechnet worden seien. "Wir haben eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, dies genau zu durchleuchten." Es deute sich an, dass der Schaden im sechsstelligen Bereich liegen könnte.
Politiker fordern Umbenennung der Hartz-Reformen
Der SPIEGEL berichtete, mehrere Betriebsräte hätten bestätigt, dass VW-Mitarbeiter G. bei Reisen Arbeitnehmervertreter in einschlägige Etablissements gelotst und die Rechnungen dann beglichen habe. Dies sei aber rein juristisch keine Bestechung, da ein Unternehmen nicht seine eigenen Mitarbeiter bestechen könne.
Der neue VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sprach sich unterdessen für ein "Prinzip der gläsernen Kasse" aus. Er sagte der "Bild am Sonntag", der Gesamtbetriebsrat habe ein Budget wie jede andere Abteilung. "Den Pauschaletat für Spesen, über den Herr Volkert angeblich verfügte, kannte ich nicht." Der 48-jährige Nachfolger des zurückgetretenen Volkert gab sein Gehalt mit 6500 Euro brutto an.
Als Konsequenz aus der Volkswagen-Korruptionsaffäre haben Politiker aus Union, FDP und Grünen eine Umbenennung der Hartz-Arbeitsmarktreformen gefordert. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph Böhr forderte in der "Bild am Sonntag", der Name dürfe nach dem Rücktritt des Namensgebers, des VW-Personalvorstands Peter Hartz, nicht länger für Reformen in Deutschland stehen.