Afghanische Finanz-Deals: Auch Mullahs lieben den Dollar - DER SPIEGEL
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Afghanische Finanz-Deals Auch Mullahs lieben den Dollar

Sie tragen Kaftane statt Nadelstreifen, und ihre Telefone müssen sie per Dynamo aufladen. Trotzdem blüht bei den Währungshändlern in den Bergen Afghanistans das Geschäft. Vor allem das mit US-Dollars.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Faizabad - Wer in der improvisierten, nördlichen Hauptstadt Faizabad US-Dollar kaufen will, der muss gleich bündelweise Afghani bieten, die örtliche Währung. Für einen 100.000er-Afghani-Schein gibt es zum momentanen Kurs gerade mal 80 US-Cent.

Doch die Preise schwanken, je nachdem welche Nachrichten durch das Kurzwellenradio rauschen. Scheint ein US-Angriff auf Stützpunkte der Taliban wahrscheinlich, schnellt der Kurs des Afghani nach oben. Sehen die Amerikaner zögerlich aus, bricht die Flucht in den "sicheren Hafen" der Greenback-Währung los. Denn Faizabad liegt im Gebiet der bisher schwächelnden Nordallianz, die Bin Laden und die Taliban bekämpft - und auf mehr Unterstützung des Westens hofft.

Einer der vermögendsten Devisen-Händler hier ist Mohammed Tahir: In einer Schachtel aus Holz verwahrt er neben Dollars und Afghani auch Scheine aus Iran, Tadschikistan und Pakistan. Er habe sich "hundertprozentig" mit den Terror-Opfern im World Trade Center identifiziert, bekannte er gegenüber einem Reporter des britischen "Economist". "Wir arbeiten doch alle in der Finanzbranche." Immerhin setzt Tahir die hier zu Lande immense Summe von 4000 Dollar pro Tag um.

Für Außenseiter ist Tahirs Geschäft schwer zu durchschauen: Das afghanische Währungssystem hat seine Tücken. Es gibt zwei Versionen der Scheine, die fast identisch aussehen und am selben Ort in Russland gedruckt werden. Der Nord-Afghani-Schein unterscheidet sich durch die Art der Seriennummern vom Taliban-Afghani und ist bloß halb so viel wert. Während der Taliban-Afghani auch im Norden als Zahlungsmittel gilt, ist der Nord-Afghani im Süden wertloses Papier.

Eine Zentralbank gibt es im Norden nicht, wohl aber ein als wenig professionell geltendes "Ministerium" für Wirtschaft und Finanzen. Nach welchen Prinzipien es die Währungsströme zu regeln versucht, bleibt vielen ein Rätsel. Mohammad Tahir hat seine eigene Theorie: "Wenn sie Dollars brauchen, drucken sie einfach mehr Afghani."