Aggressive Investoren Auch US-Regierung will Hedgefonds beobachten
Frankfurt am Main - John Snow und sein deutscher Amtskollege Hans Eichel waren heute in Frankfurt zusammengekommen und besprachen unter anderem auch das Thema Hedgefonds. Hinterher meldete Eichel einen Erfolg: Er habe Snow davon überzeugen können, "dass wir mehr Transparenz brauchen."
Das Thema stehe - wie von der Bundesregierung angestrebt - auf der Tagesordnung für Gespräche zwischen der EU und den USA. Dies sei der Beginn einer Diskussion. "Wir werden sehen, ob wir zu einer gemeinsamen Auffassung kommen", sagte Eichel. Ob die Angelegenheit auch offiziell beim G-8-Gipfel Anfang Juli in Schottland besprochen werde, ließ der Finanzminister offen.
Snow sagte zu dieser Frage nur: "Die Regierungschefs werden entscheiden, was auf die Tagesordnung kommt." Der US-Finanzminister sprach sich zwar für mehr Transparenz aus, äußerte sich aber sehr vorsichtig und verwies auf die US-Börsenaufsicht SEC. "Wir müssen die Entwicklung der Hedgefonds in den Vereinigten Staaten beobachten", sagte er. Sie seien zu einer starken Kraft an den Kapitalmärkten geworden. Hedgefonds hätten ihre Arbeitsweise verändert, ebenso ihren Kundenstamm.
Snow: Regulierung nur im Extremfall
Der US-Finanzminister hatte zuvor indirekt die "Heuschrecken-Debatte" in Deutschland kritisiert. "Ich denke nicht in diesen Begriffen", hatte er gesagt. Kapital sei eine Quelle des Wachstums, es schaffe Innovationen und Arbeitsplätze. "Es gibt keinen Konflikt zwischen Kapital und Jobs", sagte Snow.
Der US-Finanzminister forderte die EU zugleich zu einem Abbau staatlicher Eingriffe auf. Auch bei den Finanzdienstleistungen gelte die Devise, dass der Markt fast alles und eine Regulierung nur das Notwendigste steuern solle. Wenn Europa die Liberalisierung vorantreibe, werde das Bruttoinlandsprodukt laut OECD um 2,8 Prozent steigen.
Eichel machte deutlich, dass Deutschland trotz aller Kritik an Hedgefonds Investitionen aus dem Ausland und speziell den USA sehr willkommen heiße. Nur wenige Anleger stellten ein echtes Problem dar. Zuletzt waren eine Reihe von Hedgefonds ins Gerede gekommen, weil sie den Sturz des Deutsche-Börse-Chefs Werner Seifert erreicht hatten.