Aggressive Konkurrenten Bundesregierung will Lufthansa schützen
München Die Bundesregierung will die Deutsche Lufthansa vor aggressiven Konkurrenten aus der Golfregion schützen: Die Fluggesellschaft Emirates Airlines verfolge offenbar das Ziel, "die Golfregion zur Drehscheibe (Hub) für ein weltweites, stetig wachsendes Verkehrsnetz zu entwickeln und dabei traditionelle Direktverkehre zwischen Europa und Fernost oder Afrika über den Mittleren Osten umzulenken", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" aus einem Sachstandsbericht des Bundesverkehrsministeriums. Dadurch seien "wesentliche Verkehrsinteressen deutscher Luftfahrtunternehmen in ihren eigenen Direktverkehren zu diesen Zielgebieten wie auch der deutschen Hubflughäfen deutlich betroffen".
Lufthansa-Jets in Frankfurt am Main: "Diese Abwehrhaltung der Bundesregierung ist eine Schutzmaßnahme für eine Lufthansa, die längst nicht mehr dem Bund gehört"
Foto: DDPNach Angaben aus Branchenkreisen übt die Lufthansa in der Frage der Konkurrenz aus der Golfregion erheblichen Druck auf die Regierung aus. Der Konzern befürchte, Marktanteile im lukrativen Fernreisegeschäft zu verlieren, heißt es.
Der stellvertretende Vorsitzende im Verkehrsausschusses, Peter Hettlich (Grüne), kritisierte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", wenn die Große Koalition Wettbewerb proklamiere, müsse sie auch die entsprechenden Märkte öffnen. "Diese Abwehrhaltung der Bundesregierung ist eine Schutzmaßnahme für eine Lufthansa, die längst nicht mehr dem Bund gehört", sagte er. Auch der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring kritisierte die Haltung der Bundesregierung.
Seit mehreren Wochen diskutiert die Regierungskoalition bereits über mögliche Gesetzesänderungen, um deutsche Unternehmen wirksamer gegen den Zugriff ausländischer Staatsunternehmen und Staatsfonds zu schützen. Auch im Fall von Emirates verweise das Ministerium darauf, dass sich die Fluglinie im "Eigentum der Herrscherfamilie in Dubai" befinde, berichtet das Blatt. Eine Stellungnahme habe das Ministerium abgelehnt.
ase/AFP/ddp